Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-24 · Heft 13 (24.3.1845) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 13 (24.3.1845)
Date
1845-03-24
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225403--06768-3236617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

184 des Dr. Salomon zu: „Die Rabbinerverfammlung und ihre Tendenz. Eine Beleuchtung für ihre Freunde und Feinde." Um uun diesen polemischen Kram mit einem Male los zu werden, wollen wir hier sogleich einige Bemerkungen anfügen, die Sache weiterhin sich selbst überlassend, da sie ja-doch nun als ein abgeschlossenes Faktum hinter uns liegt. Die Schriften des Dr. Salomon Ln der letzten Zeit zeichne» sich aus — durch Radomontaden, brillantes Geschwätz und eine sattsame Suffisanz. An ein gründliches Erfassen seines Gegenstandes, an ein reifliches Durcharbeiten ist da nirgends zu denken. Gründlich allerdings hat er das Kapitel seiner eigenen Größe durchdacht, und in seiner „Unschuld" giebt er dem Publikum feine Selbstschau vor dem Spiegel seines Privatkabinets zum Besten. Das vorliegende Heftchen giebt abermals dergleichen Ln Mengen „Je mehr ich die Oberflächlichkeit unserer Zeitblätter zu rügen berechtigt bin ff." u. dergl. sind Redensarten, die Ln dem Munde Salomon's fast komisch klingen, da dieser Zeit seines Lebens nichts weiter als „Zeitblätter" gegeben, die der Wind eins nach dem andern dahin getragen. — Nun setzt sich Herr Dr. Salomon auf ein hohes Pferd, und dozirt: erstes Kap. „Rabbiner-Synoden," wo er uns ein Paar oberflächliche Notizen über solche zum Besten giebt; dozirt zweites Kap. „Das Charakteristische der braunschw. Rabbinerversammlung" über die Geistesrevolutionen im vorigen Jahrhundert, die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts, wo der gründliche Gelehrte Baco, Des Cartes, Spinoza ff. Leibnitz und Wolf, Kant, Friedrich den Großen, Spalding, Zollikofer, Teller ff. in einem Athem mit den fadesten Phrasen nennt, die uns genugsam zeigen, daß der Herr von jenen Denkheroen — sehr wenig zu sagen weiß, (Bayle, die Enzyklopädisten, Voltaire ff., die auch ein wenig in die Philosophie des vorigen Jahrhunderts hineinpfuschten, vergißt er freilich-—) aber nein! Ihr seid noch nicht fertig, Hegel, Fichte, Schelling ff.. Alles untereinander, gehören noch zur Einleitung — in die braunschweiger Rabbinerversammlung; doch werden auch S.22 einige jüdische Gelehrte genannt. Das dritte Kap. setzt „die zwölf Fragen und Antworten des pariser Synedriums" als Eckstein der Rabbinerversammlung, und lehnt im vierten Kap. „die übrigen Verhandlungen in der Rabbinerversammlung" so daran, als ob sie lediglich aus jenen systematisch hervorgegangen seien, was nicht der Fall war, da jene Antworten erst in der neunten Sitzung vorgenommen wurden. Was Salomon in diesem Kap. -sagt, ist so-oberflächlich, und geht in die Fragen nur so weit ein, wie es ihm augenblicklich gefällt. Das fünfte Kap. „Kritik der gegen die Rabbinerversammlung aufgebrachten Anklagen und Beschuldigungen" — (diese Leute sind so wenig vermögend, sich zu einer objektiven Kritik zu erheben, daß jedes- Wort der-Beurtheilung — eine Anklage und Beschuldigung ist!) — beginnt ebenfalls mit — uns. Hätte der Dr. Salomon eine, in den gehörigen Schranken sich haltende Entgegnung gegeben, so würden wir die. Epitheta, mit denen er anhebt „mein mir befreundeter Landsmann, der verdienstreiche Dr. Philippson," recht vergnügt hingenommen haben —da aber der Dr. Salomon sich auf eine Menge von Persönlichkeiten eingelassen, so sagen wir ihm offen, daß wir weder das Schmeicheln^ noch das Heucheln lieben. Ich weiß wirklich nicht, ob Herr Dr. Salomon und ich jemals „befreundet" gewesen. Zu einem solchen Titel gehört bei mir mehr, und wenn ich, wo es auf meinem Wege lag, dasjenige, was ich bei Salomon Verdienstliches finde, stets offen ausgesprochen habe, so habe ich ihm auch das Gegentheil nie erspart, und der Herr Dr. S. begegnete mir bei meinem ersten Auftreten schon so unbefreundet, daß ich die Lust, befreundet zu sein-, nie empfand. In der Freundschaft bildet— die Achtung vor dem Charakter stets das Hauptmoment, wo diese fehlt, geht's halt nicht lang. Herr Dr. S. sucht unser Urtheil durch den Vorwurf der Jugend zu schwächen, ein Vorwurf, den er uns just vor zehn Jahren auch gemacht, also in den Augen Salomon's ein Fehler zu fein scheint, der gar nicht abgelegt werden kann; daß wir erst seit zehn Jahren (— es sind zwölf—) ein theologisches Amt bekleiden, seit sechs Jahren erst Rabbiner seien. Diese Reihe von Jahren scheint dem Dr. S. noch nicht genug, um Männern gegenüber, die vielleicht schon im dreizehnten Jahre eine Morenu gehabt, ein Urtheil zu haben, und über Mangel an praktischer Erfahrung zu sprechen. Ein widriges Schicksal verurtheilt Herrn Dr. Salomon immer, nach -den Diplomen zu fragen — im Teulpelstreit hatte er et» ähnliches Amt — nun, es giebt noch mancherlei Diplome, nach deren Ursprung man fragen kann. Jndeß lassen wir das: wir haben in der ganzen Entgegnung Salomon's nicht einen Satz gefunden, der weiter diskutirt werden könne. Wir wollen das Publikum über diesen erfolglosen Streit nicht langer aufhalten. Die Zeit drängt anderswohin, und Verunglimpfungen ha-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.