Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1845)
- Date
- 1845-03-17
- Page
- Seite 177 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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177 'K orre fpo« dev;. -Wanderung dürch Krakau, 'Galizien, ZZ'ukowina, Moldäü uüd2Vallachei. (Fortsetzung.) Am nMMn -des Monats Ab Wü NVwn), dem alljährlichen Trauertäge der Eroberung und Serstarüng Jerusalems Wird der Gottesdienst am Abend 'in feierlicher Stille eingelektet. In einer angemessenen Traüermelodie werden die biblischen Klaglkeder '(ni^ee) vorgetragen, worauf einige, ihnen eigne, sehr gelungene, herzergreifende Elegien (rii^p) in Chören Vers für Vers abgesüttgen werden. Dünn kommt die Reihe an das herrliche Schomron-Kol-titen, Und zum Schlüsse wird, eine Szene aUfgeführt, die höchst eigenthümlich und, für ' Mich wenigstens, -ungemein :frappant wär. Nämlich die wenigen Lichter, Hie bishör die Synagoge malt erleuchteten -Und eine Art tragisches Helldunkel hervorbrachten, werden sammtlich mit einem Male ausgelöscht, und .mitten in dieser mitternächtlichen Finsterniß, begleitet von einer tiefen, schauerlichen Grabesstille, erschallt eine leise wehmüthige Stimme (es ist die des Rabbiners) die, die Versammlung (im Spanischen) ohngefahr fotgendertnaßen anspricht: Brüder, Kinder Israels! (°>o!2 ^d!) heute vor (so vielen, je nach der Jahreszahl) Jahren wurde Jerusalem zerstört, der Tempel eiNgeaschert, das heilige Land uns entrissen, Und unsere Väter nach allen Enden der Erde zerstreuet. Seitdem war Verfolgung und Quaal unser Lobs, wir wandeln in Finsterniß und Todesschatten. — Gott schenke seinem Volke wieder Licht! und im Nu sind wieder einige Lichter angezündet und — die Gemeinde entfernt sich. — Der -Morgengottesdienst am folgenden Tage ist der gewöhnliche, alltägliche, nur wird da von den Legionen jener höchst langweiligen polnischen und deutschen Kinoth nichts gehört, statt deren werden von einigen dazu geeigneten Individuen abwechselnd fünf bis sechs gut geschriebene wahrhafte Trauergesänge in einem eigens dazu bestimmten tragischen Rezitativ vorgetragen (darunter befindet sich auch das bekannte Ärse-HalbaNSn uüd Eli-Sion, eksteres wird Vers für Vers üx kemxüre -iwsSpaUische üderfttzt üsid voN mehreren abwechselnd vorgetcagen. 'S. oben 'Anmerk. — Am Abend des Versöhnungstages (Jom kipur) ist bei ihnen das Eigenthümliche daß sie (wie sonst am Simchüth-Lora) mit sieben Gesetzröllen einen llmzüg (nspn) um die Bkmah machen. Kol mdre wird da auch gesagt. Nach Kot mibre kommt rin Stück üus'NNir'Ün dre Reihe. Vor Köl nidre werden alle Mizwoth für Jom kipur so wie auch chatün Tora und chatän Berefchit lizitirt, was eine sehr langweilige Prozedur aüsmacht, iüdein der SchaMes wenigstens hündertwal herümlaüft rufend, ja schreiend, z. B. jette nulle Groschvs (30 Groschos --- 1 Sgr. eiroa.) dann per 'petichat Hahechül u. s. w. Von Inle's, Ki-Hine-Kachömer's u. bergt, keine Spur. Die Spaniolen erscheinen in ihren gewöhnlichen Festkleidern, manche der Frommen in weißem Anzuge ebenso die Frauen. Von eitrem Sterbekleide (Kitel) wissen die Spaniolen nicht. Heu wird in der Synagoge am Jom kipur nicht gestreüet, dafür aber ist der Fußboden mit * Weichen Teppichen bedeckt. Lichter ^glanzen in Unzahl, denn auch da bringt jede Familie ein Licht in die Synagoge. Die sogeNannten Lichter für die Todten am Jom kipur hingegen werden hier nicht in die Synagoge gebracht, sondern zu Hause angezündet. Am Jom-Kip uctage wird dreimal geduchent (nämlich Birchath-Kohanim zu Schacherith, Mussaf und Neileh). Der Gottesdienst dauert wie überall vom Morgen bis zum Abend; dennoch weiß man davon keinen polnisch-deutschen Iozroth, Piutim und Tesiloth, selbst der, schon dem Namen nach gar Manchen schreckeneinjagende Unetaneh- Tokef ist hier ein völlig unbekanntes Individuum. Die wenigen schönen, von alten Klassikern aus der spanischen Schule (Tisö “’ttsn) verfaßten Piutim und besonders Selichoth, werden von der Gemeinde in harmonischem Einklang Vers für Vers abgesungen und füllen so den langen Tag aus. Die-rtYö* zu Mussaf ist die der Sefardim. Abends, als Abschieds-Tekiah, wird hier rfftSh geblasen. (Am nown wre", sind die Tekioth nach Nusach Sefardim). — Am Tage der Gesetzfreude (Simchath-Tora) Abends wird nicht aus der Tora vorgelesen, ferner weiß man hier von keinem iin». Die sieben Umzüge (Hakafoth> werden dennoch gemacht (ebenso am Abends) nur werden sie dirigirt nach gewissen Psalmversen, in denen sich eine weitlausige Anspielung auf die, in der kabbalistischen Welt (als sieben Sekundär - Sesi'roth) sigurirende sieben Worte: 1VN, N-I12Ä, NL2, -NN, -IIV'', vorsinden. Gesang und Tanz vor, und mit der Tora, von - den Rabbkn'en aüsgeführt, beschtießt^jevön Üw^ug (Mpn). Bei Tage ebenfalls kerü Atah -Haressah. Eüie eigönthümliche Rolle spielt da der Chathatt-Totach (^in^riN). 12»»