Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-17 · Heft 12 (17.3.1845) · p. Seite 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 12 (17.3.1845)
Date
1845-03-17
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225402--06758-3236606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SL75 zinischm Fache sich zu widmen, aber gleich nach dem ersten Seziren seiner cweichen Matur machzugebm ge- -zwrmgen, war er — mit Erröthm sagt er es vor feinem Schulkollrgen, der ihn eine He.it machher - ÄNgetro-ssen — darum auf -„gut Glück" 'Sensal geworden, „denn was konnte ich anders." '— „Jedoch" — so erzählt der junge Mann weiter, ,-wäre ich allem, so würde ich mich auch auf andere Weiseernähren können! Eben wandelte ich an dem Afec der Donau und nachdem ich die Schule verlassen, mir darüber den Kopf zerbrechend, was denn eigentlich aus mir werden würde, wenn ich kein Arzt werde, als 'ein Bettler mich -um Almosen ansprach. -Die Stimme berührte mein Ohr, als wäre sie mir bekannt. Ich blickte auf und ich sehe vor mir einen greisen Erblindeten, daneben eine in Lumpen -gehüllte Frau... Diese waren meine Eltern. Vierzehn Jahre habe ich sie nicht gesehen und ich hielt fre .für reich und glücklich; nun treffe ich meinen Vater des Lichtes der Augen beraubt und am Bettelstab." Wir sehen nun den Greis selbst an der Hand seiner Gattin und feines Sohnes geleitet, sein trauriges Schicksal und die es ihm bereitet verfluchend, und die Hände gen Himmel erhebend, von dorther Rache erflehend gegen seine Räuber., Weib und Kind trösten und beschwichtigen ihn, er ergiebt sich ruhig in sein Geschicke. Die letzten zwei Silberstücke Hiebt der Sohn 'her, damit die armen Eltern die nächsten Stunden zu fristen haben.. Ec selbst sucht jedwedes Geschäft auf, um die Unglücklichen auch weiter erhalten zu können. Er stößt überall auf Verachtung und Zurücksetzung. Er trifft den Marquis, der ihn mit einer Liebes miffion zu einer wohlhabenden, verheiratheten Frau beauftragt. „Bitte um -Verzeihung," erwiederte der junge Israelit, „wenn Sie was zu verkaufen haben, so will ich Ihnen einen Käufer schaffen; haben Sie Geld nöthig, so schaffe ich einen Kreditor, aber eine Frau.... verzeihen Sie, in diesem Fache fehlt es mir an Praxis." — Zum reichen Banquier, früher Panloff, jetzt Krida genannt, der neue Plane zu einem muthwilligen Banquerott anlegt und seinen Buchführern ein schleuniges Jnkassiren etnscharst, wird, nachdem viele einfältige Leute demselben ihr Vermögen in Verwahrung gegeben, der französische Windbeutel, der bereits sein Geld durchgebracht hat, und nun sich auf seinen Titel zu Gute thun muß, von unserm jüdischen Makler eingeführt. Sie erkennen sich gegenseitig, .wollen es aber nicht merken lassen; der Franzose, durch den falschen Namen irregeleitet, will kaum seinen Augen trauen; er. suchet?dm Juden fortzuschicken — sie sind allein. Krida trachtet auf. jede mögliche Weise sich zu vertarven. Der Franzose, seines Eigenttzums wegen weniger befürchtend, tritt ihm dreist entgegen und nennt ihn beim wahren Namen. Die Furcht vor Entdeckung hält aber beide -zurück, die Sache laut werden zu lassen, das-Siegel des Geheimnisses kann also noch nicht — bei all' dem Neide und Aerger des Marquis—gebrochen werden. Krida kündigt endlich einem Sachwalter den Bankerott an, mancher Wohlhabende wird -bis auf den Bettelstab gebracht. Der Fallite, der nun kein Besi'tzthum öffentlich zeigen kann, macht dem jüdischen Sensal die Propofition seine Gelder auf Interessen wegzuleihen und geschützt unter den Fittigen des Juden könnte ec sein Werk -ungehindert fortsetzen, ohne daß der Sensal ganz ohne Prosit wegkommen soll. (Wie aus dem Leben gegriffen!) Der Jude schlagt es aus: Mir soll der Name des jüdischen Wucherers bleiben, und die guten. Interessen sollen Ihnen angehören?'" — Unterdessen will der Marquis , den Juden für sich gewinnen, und macht Anschläge den reich gebliebenen-Falliten mit seiner Beihülfe zu stürzen. Er erzählt ihm das Abenteuer auf der Haide; er giebt sich für einen Herrn des Nadlers aus, von dem er die Geschichte von Amerika aus, wo er unter einem fremden und unbekannten Namen lebe, erfahren. Doch er verrath sich selbst im Flüsse der Rede. Der Judo ist also insgeheim Unter die Decke gekommen und -trachtet darnach, das Geheimniß bedächtig vor aller Welt zu entrollen, und sich für seinen armen Vater zu rächen. Während der Zeit hat sich Krida mit seinen Gläubigern gesetzlich ausgeglichen, indem er ahnen fünfzehn für hundert gegeben. Schon hat er, auf spitzbübische Weife, ein gräfliches Gut in Pfand bekommen und schon ist er daran, dasselbe sich als Eigettthum zu machen: er begkebt sich auf das Landgut, eine große Summe baaren Geldes mit sich nehmend. Die Geckchts- Personen sind - bestellt, um den Kauf gültiger zu machen. Lorenz und der Pseudo-Marquis eilen ihm voran; der Franzose noch immer im festen Glauben, daß der Jude mit ihm einverstanden und lediglich auf den Gewinn bedacht fei, präpomrt eine Theilung zwischen den Dreien, wozu aber Krida-sich nicht verstehen will; die Gläubiger sind von Lorenz heimlich üufs Land beschützen. Krida gelangt endlich triumphirend an, nichts von all' dem ahnend, was über sein Haupt schwbkt. Durch die Uebernahme des Dorfes durch diesen -Schurken würde sowdl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.