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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-17 · Heft 12 (17.3.1845) · p. Seite 173

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 12 (17.3.1845)
Date
1845-03-17
Page
Seite 173 (sequence 13)
Language
German
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173 der Pseudo - Predigt die Synagoge alsbald verlassen. Dadurch schleicht sich ein gänzlicher JndifferentiSmus ein, der nur dem Judenthum schaden kann. Zch glaube, daß es bei Herrn vr. Levi nur dieser Andeutung bedarf, wieder die früher so gerne gehörten und fleißig besuchten Predigten zu halten, und dadurch sich als einen wahren Freund des Fortschritts zu zeigen. Literarische Machrichten. Aus Ungarn, 28. Februar. (Privatmitth.) sUngarisches Drama). Wieder hat der fruchtbare Szigligeti, der Heros der ungarischen Bühne, die nationale Dramaturgie der Magyaren mit einem neuen Stücke bereichert. Nachdem es zu verschiedenen Malen im Nationaltheater in Pesth von einem überfüllten Publikum mit glänzendem Beifall aufgenommen worden, sah sich der Verfasser veranlaßt, es auch durch die Presse, unter folgendem Titel, zu veröffentlichen: Zsidö. Ereilet! Szinmii Dalokkal. Negy Szakaszban. Irta Szigligeti. (Der Jude. Original-Schauspiel mit Gesängen. In vier Abschnitten. Vön Szigligeti.) Uns dünkt dies eine zu wichtige Erscheinung, als daß diese Schrift in diesem Blatte nicht besprochen werden sollte. Wir erachten überhaupt in der Gegenwart, wo Zweifelsucht und Sophiftik, neben dem vorwartsschreitendem Zeitgeiste, täglich mehr überhand nehmen, wo die heterogensten Elemente im Leben sich so hart begegnen und einander widerstreben, daß man kaum zu Worte zu kommen im Stande ist, die Bühne für ein sehr förderliches und energifches Mittel, um all' die divergirenden Prinzipien auszugleichen. In einem konstitutionellen Staate, wo es lediglich von der allgemeinen Meinung abhängt, irgend ein verderbliches Vorurtheil vom Grunde aus zu entwurzeln, stellt sich der Nutzen noch ausgeprägter heraus. Wenn in der Schriftwelt Jrrthümer beleuchtet werden, so geschiehst, dies meist ln der Stille, und man weiß, wie die Fluth der Literatur stündlich anschwellt, so daß jedes verdienstliche Werk von den Wellen der Zeit so geschwind wie esentstanden in die Vergessenheit hineingerissen wird. Nur Wenige werden eines Buches theilhaftig, und unter den Wenigen trifft sich selten Einer, der entweder die Absicht des Verfassers aufzufaffen oder seine eigne Befangenheit fahren zu lassen, so geschwind fähig sei. Auf der Bühne, da verhält es sich ganz anders. In Gegenwart von Tausenden wird jede Falte menschlicher Schwachen gelüftet, jede Verkehrtheit des Sterblichen wird in lebendigen Gestalten vor uns vorüber geführt; man stehet das Leben vor sich, handelnd und bewegt, ohne dabei Mitwirken zu müssen. In der Iudenfrage werden wir des merklichen Unterschieds zwischen beiden am leichtesten gewahr. In Deutschland, wo die Emanzipatkonsliteratur mit jedem Jahre vermehrt wird, ignorirt die Masse sie doch, und es ist in Frage zu stellen, ob Lessing mit seinem „Nathan," obschon dieser wenig für das allgemeine Publikum berechnet war, nicht mehr auf die Gesinnung der Menge gegen Juden, Einfluß ausgeübt hatte, als all' die Dutzenden von Schriften, die nachher erschienen und. nur das wiederholen konnten, was schon die Gerechtigkeit seit Jahrhunderten gepredigt. Man denke sich Deutschland Hunderte Jahre, zurück, als Lessing „die Juden" aufführen ließ. Damals hatte er in diesem Stücke höchstens zu zeigen gewagt, daß es auch einen Juden ohne Verschmitztheit und Religionsschwärmerei geben könne; erst später als er einen Freund in Israels Stamme auffand, dessen mächtiger Geist und das gelauterste Menschengefühl ihn zu Bewunderung hinriß, in dem er zugleich die selige Frömmigkeit und die erhabenen Tugenden eines Juden und Weltweisen anstaunen mußte, wurde „Nathan" geschaffen, wo er schon den toleranten, menschenlkebenden und hoch intelligenten Juden vorgestellt. Auch in Ungarn mußte zu seiner Zeit Eutvös „Emanzipation der Juden" große Sensation erregen und Viele ihrer Jrrthümer überführen, aber der Menge blieb diese Schrift ein verborgner Schatz. Die Gebildeten heutigen- Tages sind nun über grobe Superstitionen in allen Strichen überhoben; bei dem Volke nur erben sich die väterlichen Meinungen von Geschlecht auf Geschlecht am treuesten fort, und hier müssen frappante Mittel angewendet werden, um eine nachhaltige Wirkung hervorzubringen und um das Abgeschmackte in seiner Blöße zu zeigen. Wir müssen daher solche Stücke in einem Lande mit Freude begrüßen, wo man den Juden gewöhnlich als Zerrbild auf den Brettern sah und nun ihn in einem schönem Lichte vorstellen, als er gewöhnlich bei der Mittelklasse gilt. — Ob zwar wir, bei der Ankündigung in den Zeitungen, von Szigligeti Mittelmäßiges nicht erwarten konnten, so hat die meisterhafte Anlage und die kunstvolle Ausführung des vorliegenden Stückes unsere Hoffnungen noch weit übertroffen. Durch seine vorzügliche Pieeen „der falsche Andreas," „der Deserteur," „Zwei Pisto-

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