Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1845)
- Date
- 1845-03-17
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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AMren M-enMm in ihren Karossen, Palästen, groß-; mtiM iFüLMsMäudbn und eWn MrnglogeN im! Theater M abqüäldn, - -zu sehen, mm die 2—309 fl. 1 mehr Ehrlich M erschwingen, und 'wofür'? Danst Dem Mittelmann, Wer Doch vollkommene Freiheit chckt sich im Tandelmarkte zu bewegen, öder dem Hausirer, dem Das ganze Land -und die ganze liebe Natur dazu offen steht, ein Paar Gulden zu ersparen! Da werden nun die vielen Kinder aufgezählt, die man doch standes(!)gemäß erziehen, Die armen Verwandten, Die man rrnahren muß, und die Summen, die man sonst noch für wohlthätrge Zwecke verwendet. Der Mittelmann freilich hat keine Kinder, und wenn er -sie hat, was braucht er sie zu erziehen? Seine armen Verwandten? Sie können sich selber helfen, und der Dürftige, Der in unmittelbarer Berührung mit ihm ist, und sein Mitleid zuerst anregt? Er gehe zu den Reichen, uNd wenn er nicht vom Portier abgewiesen wird, - kann er was bekommen! Und wie bei großen Umwälzungen die menschliche Natur sich im Allgemeinen ändert, so sind auch bei uns viele Gemüther wie umgeschaffen. Männer, die sonst bei Dem Worte „Denunziation" von einem moralischen Schauer ergriffen worden, drohen wie Jakobiner mit der Steuerrolle als Proskriptionsliste in der Tasche keinen Einzigen undenunzirt zu lassen, und das Wort „Taufe" wird muthvoll ausgesprochen, trotz drohender Enterbung, und das Alles, weil man in Der allgemeinen Noth ein größeres Opfer bringen soll, als bisher!-Dieses Bild, so unschön der Gegenstand, so währ ist -es, und -es wäre schlimm, wenn Die -innere Verderbtheit, auf die man nach jenen Kundgebungen mit einigem Rechte schließen könnte, wirklich so allgemein und tief gewurzelt wäre, und wir trösten uns nur— freilich ist das ein -ganz elender Trost—daß nur ein gewisser Geist der Kleinlichkeit Schuld daran ist, daß es in Bezug auf die Steuerrepartirung so schwer zu einem ^billigen Ausgleich kömmt. Hier Einer, der sich ungemein klug Dünkt, wenn er ein Paar Gulden heruntergehandelt, dessen kleines Herz aber vor Freude übersprudelt, wenn ein Anderer eben so viel mehr zahlen muß; dort Einer, der in allem Ernste meint, die anderen Juden sollen für ihn Steuern - zahlen, weil er nicht in die Synagoge geht und Schweinsteisch ißt und sich einbildet, wer weiß was er dem Judenthume für eine Ehre anthut, daß er sich nicht .taufen läßt, und endlich 'reizbare,-Große", dleres verletzt, daß man -es wagen will-, ihrer vornehmen -Person einen Zwang anzuthun. Warum -sie aber -in ihrer Vornehmheit nicht so weit -gehen-, -unaufgefordert -mehr zu geben? Unter solchen Umständen hat der neu ernannte Steuerdirektor, Herr Bobell, von so redlichen'Gesinnungen er auch belebt wird, einen äußerst harten Stand, besonders da man, und mit Recht, vor Dem äußersten Mittel, der'Vermögenskonsiskation nämlich, zurückbebt. Aber auch diese Schwierigkeiten werden sich beseitigen lassen, wenn man mit gehöriger Unbefangenheit zu Werke gehen und nicht wieder in jene Mißbräuche verfallen wird, die durch die provisorische Verwaltung an deren Spitze Herr v. Lemmel seit mehreren Monaten mit Umsicht gewaltet, mit so vieler Energie beseitigt wurden, daß nämlich hinfüro nicht aus besonderem'Respekt oder aus anderen besonderen Rücksichten, da geschont werde, wo keine Schonung nöthig, und nur durch Redlichkeit wird man sich dem Ziele nähern, daß der ungebührliche Druck von Außen, so lange er dauert, innerhalb der Judenschaft nach einem gebührenden Verhältnisse vertheilt werde. 0 Altofen, 2. März. (Privatmitth.) Zu den Gemeinden, welche aus ihrer frühern Höhe schmählich herabgesunken, und jetzt kaum noch Schatten ihrer vormaligen Größe sind —' gehört Altofen, das früher, in religiöser und politischer Beziehung, der Mittelpunkt der ungarischen Judenheit war. Vom Jahre 1789 an hatte die hiesige Gemeinde *) Eine 80jährige Wittwe, die von dem elenden Ertrage, den ihr Kramgeschäft abwirft, lebt, wird schon mit acht Tagen wegen des rückständigen Quartalsteuerbetrages von 1 st. und etlichen Kreuzern, den sie bei'dieser harten Jahreszeit nicht erschwingen kann exeqnirt, i. e. mit Geldstrafe belegt. Auf den Rath eines Nachbars sich gänzlich von der Steuer befreien zu lassen, was unter ihren Vermögensnmständen bei der neueren Einrichtung ohne weitere Nebenunkosten leicht ginge, antwortete sie: „Gott möge mich vor der Schande beschützen, mir die Steuer herunterzubetteln, die ich schon seit 58 Jahren bezahle, zu einer Last, die das Allgemeine drückt, muß Jeder nach Kräften beitragen." Die gute Frau muß sich'S am Munde absparen, wenn sie die Steuer zahlen soll!!