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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-17 · Heft 12 (17.3.1845) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 12 (17.3.1845)
Date
1845-03-17
Page
Seite 168 (sequence 8)
Language
German
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168 laufen und in dieser Zeit ist mir ebenfalls nur ein Fall einer Verweigerung, und zwar einer nach meiner Ansicht ungegründeten Verweigerung, bekannt geworden. Es ist daher klar, daß die fraglichen Gesetzbestimmungen ganz unpraktisch find und nur nutzlose Härten und Vexationen herbeiführen. Oder ließe es sich, wenn auch alle 10 Jahre selbst 4 oder 5, ja 10 begründete Verweigerungsfalle vorkamen, hiermit rechtfertigen, daß die ganze jüdische Bevölkerung der Provinz alljährlich vor drei verschiedenen Behörden sich von dem Verdachte des Wuchers reinigen solle? Dagegen kommen aber fast täglich an unseren Gerichten Fälle vor, wo Juden, welche, weil sie nicht gewöhnlich Handel betreiben, oder aus anderen rein zufälligen Gründen versäumt haben, sich die fraglichen Zeugnisse und Patente zu verschaffen oder erneuern zu lassen, die reellsten Forderungen abgesprochen werden. Wir sehen ferner allgemein geachtete und angesehene jüdische Handelsleute und Banquiers, welche sich lieber großen und empfindlichen Vermögensverlusten aussetzen, als solchen alljährlichen schmachvollen und erniedrigenden Demarchen unterwerfen wollen. Ich finde mich hiernach, in Betracht, daß die fraglichen Gesetzbestimmungen unwürdig sind unserer Zeit, daß sie ungerecht, hart und grausam, daß sie endlich unpraktisch sind, zu dem Anträge veranlaßt: Es wolle hochverehrliche Kammer großherzogliche Staatsregierung ersuchen, noch auf dem gegenwärtigen Landtage den Ständen einen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch die Artikel 7, 8, 9, 10 und 11 des kaiserlichen Dekrets vom 17. März 1808 abgeschafft werden. Oesterreich. Aus Ungarn, 5. Februar. (Schluß.) Ungarn geht einer wichtigen Krise entgegen; fast in keinem Lande der Welt sind in so kurzer Zeit so viele Gährungsstoffe zusammengebracht, haben die früher verworrenen Ideen von Philanthropie, bei der gebildeten Klaffe sich so schnell solidirt und keines strebte so sehr mit solchen Beispielen von Menschenliebe die alte Rohheit zu tilgen und den Armen der asiatischen Barbarei mit solcher Anstrengung sich zu entwinden, um in den Vorderreihen der gebildetesten Völker Europas einen Platz sich zu verschaffen, als Ungarn. Nur die sich stets widerstreitenden und einander -mkämpfenden Elemente'sind' es, die allhier den Lauf des Fortschreitens hemmen. Die deutschen Freistädte wollen ihre alten Privilegien wahren, die Kroaten ihre Nationalität beibehalten. . Nur auf die Juden allein, weder besondere, ausschließliche Rechte innehabend, noch zu irgend einer Nationalität Hingerechnet, blickt der Ungar erwartend und hoffend und auf die Macht der Zeit vertrauend. Denn eine Nation will immerhin Bürgschaften haben. für Güter, die sie solchen anvertrauet, deren Gesinnungen noch mit verdächtigem Halbdunkel umhüllt sind. Und was gewahrt der Ungar.da? — Wankelmuth im Glauben, Mißtrauen gegen seine Mitbürger, Unbeständigkeit in der Erziehung und Firlefanzereien im Gemeindewesen. Er siehet wol ein, daß der Jude nicht ganz beraubt ist eines nationalen Sinnes, daß zwischen allen fremden Völkerschaften auf Ungarns Boden, der Jude noch amgeschwindesten für die Sache der Ungarn zu gewinnen sei; aber er siehet auch die Uebel, an denen er kränkelt, die Seifenblasen, die er sich zu Sonnen gemacht, und was noch mehr ist, die Zerwürfnisse in sich selbst, die Anfeindungen gegen einander wegen Dingen, die der Erwähnung kaum würdig sind — und die Ungar. Judenheit hört bei ihm auf eine kompakte Masse zu bilden. Es ist zwar schön, die Kosten der Gemeinde mit der größten Pünktlichkeit zu verwalten, in dieselbe Ordnung und Dauer einzuführen; schön wenn Israel als konfessionelle Einheit in sich als abgerundetes Ganze, unverfälscht mit fremdartigen Stoffen dasteht in Blüte und Fülle; wenn in derselben die Leitung des religiösen Lebens solche Seelsorger übernehmen, die Geist und Herz erstarken und beleben, und das Gemüth vor dem verderblichen Einflüsse der stumpfen Gleichgültigkeit der Neuzeit schützen; wenn solche Vorsteher an die Spitze gestellt sind, die durch Redlichkeit und Umsicht in der Verwaltung, den äußern Verfall sichern: aber einer bloßen Finanzregulirung wegen, neue Ehrenbegriffe zu schaffen, der Eitelkeit, eines Einzelnen wegen, das Ehrgefühl Vieler, verletzen, und, was noch schlimmer ist, selbst in diesem engen Kreise die Kraft so weit zu zersplittern, daß der Rabbine, dem die Heranbildung des künftigen Geschlechtes hauptsächlich obliegen soll, die Macht nicht besäße, Vorschläge zu einer zweckmäßigen Erziehung vorzubringen, und somit es einen Jeden vergönnt ist, in

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