Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1845)
- Date
- 1845-03-17
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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165 aber dem rhein. Beobachter, daß diese Petitionen in der Geschichte Preußens selbst auch ein Ehrenzeichen sind, die unser Jahrhundert den blutigen Panieren srüherer Jahrhunderte gegenüberstellt. Wer sich freilich nach den großen Lhränenfeldern und Blutkammern des Mittelalters zurücksehnt, der mag sich von uns abwenden — geht er ja doch nur über „Seufzerbrücken" in sein Paradies ein! — Krefeld, 2. März. (Privatmitth.) Wie wir seiner Zeit in diesen Blättern berichtet, haben die am 6. August v. I. versammelten Notabeln den Herrn Landrabbiner Bodenheimer zu Hildesheim zum Oberrabbiner des hiesigen Konsistorialsprengels erwählt. Diese Wahl geschah einstimmig, war jedoch an die Bedingung geknüpft, daß der Erwählte vor Einholung der Bestätigung das gesetzlich erforderliche Jndigenat erwerbe. Nachdem nun dem Herrn Bodenheimer von der königlichen Regierung zu Düsseldorf, auf vorher eingeholte Genehmigung des hohen Ministeriums des Innern, unterm 21* Jan. die erforderliche Naturalisationsurkunde ausgefertigt worden, ist am 21. Februar Seitens des Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz die Bestätigung der Wahl erfolgt. Die Installation des neuen Oberrabbiners wird wahrscheinlich gleich nach dem Passahfeste stattfinden. Stolp, im Februar. (Privatmitth.) Das Zauberwörtchen „Vorwärtsdas sich jetzt ja auch allseits der konfessionellen Ansichten bemächtigt, hat auch ein Völkchen ergriffen, das sonst wol nicht zu den „klugen" gehört, ich meine die Judenrnissionäre. Bisher haben sie blos mit und um Judenseelen geschachert, jetzt richten sie ihre alten, verrosteten Waffen gegen die Geister der Juden. Herr I. C. Hartmann in Frankfurt a. O. wird, sicheren Nachrichten zu Folge, im Laufe des Sommers die Juden Pommerns besuchen, und sein und ihr Heil versuchen, und schon sind die Prediger in den Städten, wo Juden wohnen, höhern Orts angewiesen, dem „Apostel" ihre Kirchen zu öffnen, um an den Sabbatnachmittagen den neugierigen Juden — die Langeweile zu vertreiben. Die Sache ist ganz natürlich: Da - der en §ro8-Handel nicht geht, so fängt man den Hausirhandel oder das Oomwjsvo^s^eur- Geschäft an. Aber so ganz unvorbereitet will Herr Hartmann doch nicht kommen, und damit die Juden und insbesondere die jüdischen Gelehrten, auf die es Herr H. abgesehen zu haben scheint, im Voraus schon gehörigen Respekt vor dem Geiste und der Gelehrsamkeit desselben bekommen, schickt er schon seine Munition voraus, und zwar, — ächt prophetisch — in „fliegenden Blättern" (wie Secharjah 5, 2: „Und er sprach: Was sieheft Du? und ich sagte: eine fliegende. Rolle. . . und er sprach: Das ist der Fluch . . . .'') Seit dem neuen Jahre sendet nämlich Herr H. monatlich einen Bogen in die Welt, mit dem Titel: „D ibre Emeth oder Stimmen (!) der Wahrheit an Israeliten und Freunde Israels." (Schon die Uebersetzung des hebräischen Titels ist eine Unwahrheit.) Darin'will er — nicht etwa das Judenthum bekämpfen, sondern die jüdischen Gelehrten, welche nach seiner Ansicht keine rechten Juden sind, weil sie im Verse: „Höre Israel, der Ewige unser Gott ist ein Gott," nicht recht die Dreieingkeit finden wollen. — Es kann natürlich nicht meine Absicht sein, Herrn H. widerlegen zu wollen,, obschon er (S. 25) die jüdischen Gelehrten herausfordert, „frei und offen hervorzutreten und die Lehre von der Dreieinigkeit, die sich im alten Testament findet, als einen Jrrthum Moses, der Propheten und der Rabbinen zu bekämpfen," wenn sie nicht selbst daran glauben wollen. Es ist dies der bis zum Ekel aufgewärmte Kohl, und auch hier nur ein Dekokt aus früheren Traktätlein, wornach alle früheren Gelehrten, bis selbst auf Raschi, die Dreieinigkeit lehren. Darüber zu rechten, lohnt nicht; ihnen, diesen Deutlern, gilt das Wort des Propheten Jeremia (10, 15), und die fps btt mp^n mögen sie belehren. Herr H. kann es zuerst Herrn vr. Hold heim, und insbesondere Herrn Dr. Saalschütz gar nicht vergeben, daß sie, besonders Letzterer (in seiner Schrift: Zur Versöhnung der Konfessionen rc.) nicht im alt. Test, das finden wollen, was er darin findet. Die Deutung und Belehrung ist eben so drollig, als kindisch, bald bald , bald mo, nur üttD, dev im Verstände wurzelt, fehlt, und doch meint Herr H.: „Vernunft ist Vernunft, gleichviel ob jüdisch oder christlich," (obgleich er später naiv aussagt: (S. 32) Jsrael's Verstand sei verfinstert.) Da, wo Herr . H. aber selbst'merkt, daß er doch gar zu einfältig. redet (wie vom M etatron, da