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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-17 · Heft 12 (17.3.1845) · p. Seite 164

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 12 (17.3.1845)
Date
1845-03-17
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 256. 1. Von Ewigkeit her haben wir weder gesehen, noch davon gehört, daß eine israelitische Gemeinde keine Armenbüchse (btt NOip NPN2) gehabt.- Welches Gesetzbuch, das irgend noch existirt , kann sich dieses Theiles rühmen? Daß die Menschheit auch hier noch Ln die Schule des Judenthums gehen kann — wer will es leugnen? Die Versorgung der Armen wird als eine unumgängliche Pflicht der Gesellschaft und jedes Einzelnen im ganzen Umfange verwirklicht. Es sei uns daher erlaubt, hierbei noch einen Augenblick stehen zu bleiben, und das Ganze der jüdischen Wohlthätigkeitspflichten geordnet zu überschauen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 9. März. (Privatmitth.) Als ein erfreuliches Zeichen, daß doch endlich einige jüdische Beziehungen in Preußen zu einem Resultate geführt werden mögen, hat man es anzusehen, daß zu einem Vortragenden Ministerialrathe des Kultus die Herren Dr. Rubo, Dr. Zunz und I. Muhr eingeladen worden sind, um mit ihnen Konferenzen zu halten. Wahrscheinlich gilt es, obschon nichts Gewisses darüber gesagt werden kann, die Ausführung des §. 39 des Edikts vom 11. März 1812*). —. Die Vorlesung des Dr. (Stern über Emanzipation hat so großen Eindruck gemacht, daß sie auf Verlangen in einem öffentlichen Lokale wiederholt werden soll. Hier war aber auch der Vorleser mehr auf seinem Gebiete, als in seinen Betrachtungen über das gegenseitige Verhältniß von Judenthum *)■ Derselbe lautet: „Die nothigen Bestimmungen wegen des kirchlichen Zustandes und der Verbesserung des Unterrichts der Jugend, werden Vorbehalten, und cs sollen bei der Erwägung derselben Männer des jüdischen Glaubensbekenntnisses, die wegen ihrer Kenntnisse und Rechtschaffenheit das öffentliche Vertrauen genießen, zngezogen und mit ihrem Gutachten vernommen werden." Redakt." und Christenthum, welche beide er nicht nach tieferen Studien, sondern nur so ungefähr kennt, .wie jeder allgemein Gebildete. Inzwischen sind seine Vorlesungen jedenfalls ein Ereigniß für die berliner Gemeinde, die dadurch zum Theil für Interessen angeregt wird, denen, .sie bisher nur allzugeringe Aufmerksamkeit schenkte. Freilich steht zu besorgen, daß wir nun auch hier wieder — wie schon im Jahre 1816 — ein Heer von unb-erufenen Reformatoren nach frankfurter Zuschnitt erstehen sehen, und daß sich die Kräfte der Gemeinde in Gegensätzen und für zukunftlose Zwecke zersplittern werden; aber es ist auch eben so wahrscheinlich, daß gerade durch diesen Gegensatz die Energie gewonnen werde, welche nöthig ist, um einen entscheidenden Schritt vorwärts zu thun. Von der sogenannten „jüdischen Kirche" des Dr. Stern halte ich freilich sehr wenig, und noch viel weniger von den Reformprojekten , die in den Köpfen irgend eines Vereins, und nicht vielmehr in dem Boden des Judenthums selbst wurzeln; aber ich bin der Meinung, daß selbst Bestrebungen, die diesen Boden haben, .wie namentlich die des sehr achtungswerthen und geistvollen Dr. Sachs, zu keinem Resultate führen werden, wie die Zeit und der heutige Standpunkt des Judenthums es bedingt, wenn die Gemeinde selbst nicht für ihre religiösen Interessen mehr Partei nimmt, was allerdings durch jenes Ferment mehr befördert wird. Magdeburg, 7. März. (Privatmitth.) Den Städten, welche die Emanzipation der'Juden bei den Landtagen erbitten, reihen sich auch Essen, und Hamm an. An den westphälischen Landtag ist außerdem von einer Stadt eine Petition um Aufhebung des die' Juden beschränkenden Gesetzes vom 20. Sept. 1830 ergangen. Man kann sich leicht denken, daß die vielen 'Petitionen um Gleichstellung der Juden auch vieles böse Blut machen. Da z.B. der „Rheinische Beobachter" speit Gift, und holt den verschobenen „Ahasver" hervor, um die Petenten zu bitten, nicht zu bitten. Allein — was geschehen, ist geschehen, und die preußischen Juden haben es in ihre Geschichte eingezeichnet, daß auch nach dem letzten Landtagsabschiede dennoch so viele herrliche Städte die bürgerliche Gleichstellung verlangten. Wir versichern

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