Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1845)
- Date
- 1845-03-17
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 gegeben werde es zu erfahren und zu betätigen, daß sie höhere Wesenßird als Hammer und Weberschiff, als Be^ dieußete. der Dampf- und anderem Maschinen; ich will nicht allein die materielle Bürde von ihren Schultern nehmen, je alle sieben Tage vier und zwanzig Stunden, und ihnen körperliche Erholung schaffen, sondern ich will auch ihr inneres Bewußtsein heben, auf ihren Geist erkräftigend wirken, diese» einen Tag sollen sie fühlen, daß sie mehr sind als Söhne des- Staubes, bestimmt im Staube zu wühlen-ja noch mehr, ich will es erzwingen, daß die Reichen den Armen diesen Rasttag, diese Befreiung, dieses höhere Leben nicht nur gönnen, sondern auch in dem Arbeitslöhne der übrigen Tage diesen Ruhetag mit lohnen, daß sie, die Reichen, so eifrig auf diese Ruhezeit halten, als wäre ihr eigenes wichtigstes Interesse daran geknüpft. —- Lachen würdck man des Thoren, der Solches verspräche. Sieh' hin nach England, würde mau sagen, dort findet und erklärt das ganze Parlament es für unmöglich, daß den kleinen arbeitenden Kindern eine von ihren täglichen zwölf Arbeitsstunden erlassen werde, man befürchtet, die Interessen der ganzen Nation dadurch gefährdet — und Du willst allen Arbeitern, großen und kleinen, ein Siebentheil ihrer ganzen Zeit schenken?! Unmöglich!, Nun, so gehet nach alle» Weltgegenden, und sehet euch um: das Unglaubliche, das Unmögliche ist geschehen! Bon der Behringsstraße bis an's Kap, von Kabul bis Chili ist bei allen Völkern jeder siebente Tag von Arbeit befreit, und der Mund,-der da seufzet, lacht und singt an diesem Tage, der Tisch deckt sich mit besserer Nahrung, der Leib mit besserer Kleidung, Reinlichkeit verdrängt den Schmutz, und lichtere, frohere Gedanken dringen in die Seele. Wer hat dies bewirkt? Das Iudenthüuü ' Wem dankt dies die Welt? Dem Sabbat, dieser jüdische» Institution. Hätten die Juden, die Jesus „das Salz der Erde" nennt, auch nur den Sabbat in die Welt gebracht, ihnen gebührte der ewige Dank der Menschheit! — — Haben wir so heute nur diesen einen Punkt hervorgehoben — aber wir verrathen unseren Lesern schon heute, daß wir noch viel mehr in xetto haben — so fragt es sich: warum habe» wir diesen Punkt hervorgehoben? . Um besonders und an einem besoudertt Punkte zu zeigen: daß damit gar Nichts gesagt sei, der mosaische Staat habe in seinem ganzen Umfange nicht existirt. ES sind aus der mosaischen Institution höchst bedeutende Mo, mente, , GruNtzwomeute in das gesellschaftliche Leben öer Menschheit übergegangM; die mosaische Institutiontzat in höchst wichtigen Beziehungen auf die Gesellschaftlichkeit der ganzen Menschenwelt gestaltend eingewirkt, und darin liegt denn ihre ewige Lebenskraft, daß sie neben 5em, was sie bereits gewirkt, was bereits aus ihr in die Menschenwelt übergegangen, noch Gedanken und Institutionen für die Zukunft hat, und die, seit Jahrtausenden verursachten, in unserm Zeitalter mit immer größerer Mächtigkeit herandringenden, bald unabweisbaren Bedürfnisse der Gesellschaft m’$ Auge gefaßt und zu ihrer Befriedigung den Weg gebahnt hat. Namentlich in unsrer vorigen. Nummer (VI.) hatten wir Theile der mosaischen Institution heranzubringen, welche im israelitischen Volke wenig Wurzel gefaßt haben, wenig zur Wirklichkeit gelangt sind. Hat allerdings das Jobeljahr keinen Boden gewonnen, so war zwar das Schmittahjahr nicht ohne Verwirklichung geblieben, wie die gegen dasselbe Lm'HlZVNs ergriffenen Maßregeln beweisen. Allein das .ganze Prinzip dieser Institutionen war nicht aufgefaßt, und so waren auch die einzelnen Theile - derselben ohne wesentlichen Werth und Bedeutung. Als das Volk sich in Kanaan festsetzte, war es noch zu roh, zu einfach', um die Nothweudigkeit dieser Institutionen fühlen; in der später» Zeit waren aber die Verhältnisse schon verdorben dafür, und die Herrschaft des Buchstaben konnte weder beglücken, noch gegen das Drängen des Lebens aushalten. Indeß lag dev Geist dieser Institutionen zu tief in dem Wesen des israelitischen Volkes — der vollkommenen Parität — begründet, als daß er nicht dennoch eine mächtige Einwirküng hätte haben sollen. Das Volk war ein ackerbauendes. Das Land war gleichmäßig vertheilt worden. Das Prinzip der Nichtveräußerung der Familien g ü'ter blieb herrschend*). Auch das Prinzip des Schuldenerlasses drang von Zeit zu Zeit durch, indem es im Bewußtsein des Volkes verblieben **). Vor Allem aber durchdrang das jüdische Volk von Aegypten her bis heute *) Sehr klar zeigen uns dies die Worte Naboth's, als der König -Achab ihm seinen Weinberg abkaufen wollte I Kön. 21, S. . . **): Den Beweis dafür liefert das fünfte Kapitel des Buches Nechem.