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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-10 · Heft 11 (10.3.1845) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 11 (10.3.1845)
Date
1845-03-10
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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Frankfurt am Main, 25. Februar. Es hat sich hier ein Verein'von Männern gebildet, welcher beim Bundestage klagend über den Artikel des neuen Frankfurt am Mainer Wechselrechts, nach welchem die Juden die Wechsel am Sabbat und an Feiertagen akzeptiren und bezahlen müssen, einkommen will, da dieser Artikel ihnen eine Kollision zwischen religiösen und materiellen Bedürfnissen bereitet. Hannover, 28. Februar. Jetzt zum ersten Male sind die Juden zum Militärdienste herangezogen worden, und zwar die Klaffe aus dem Jahre 1824 schon. Mergentheim (Württemberg), 20. Februar. Es ist eine Versammlung württembergischer Rabbinen und Gemeindevorsteher gehalten worden, um eine Bittschrift wegen bürgerlicher Gleichstellung zu entwerfen. Man hofft, die Zeit wird jetzt günstig sein. Rußland. Riga, 20.Februar. (Privatmitth.) Dr. Neumann hat nunmehr seine definitive Anstellung als Prediger und Schuldirektor des hiesigen Kahals von Sr. Exzellenz dem Minister der Volksaufklärung erhalten. — Die allgemeinen Schulangelegenheiten sind bis jetzt noch um keinen Schritt vorwärts gekommen, und ist man sehr darauf gespannt. — Der große Prozeß hiesiger Gemeinde ist noch nicht zu Ende, doch erwartet man baldigst einen günstigen Ausgang. Oesterreich. Pesth, im Februar. (Privatmitth.) In unsrer hiesigen Normalhauptschule ist jetzt eine Einrichtung getroffen, welche zwar in Berlin und Frankfurt am Main schon lange besteht, aber bis jetzt keine Nachahmung gesunden, trotz dem sie in allen größeren Gemeinden dringend zu empfehlen ist. An jedem Sonnabend und Feiertage wird in einem großen Saale der Schule mit der gesummten Schuljugend der Gottesdienst mit Choralgesang und Predigt, welche das Lehrerpersonal abhält, gefeiert. Wie. nachhaltig dies auf die große Kindergemeinde wirkt, wie segensreich dadurch die Liebe zum Gottesdienste, und zum geregelten Gottesdienste geweckt wird, wahrend die Jugend sonst verwahrlost in den Synagogen umherlief, kann man leicht abmessen. J. K. Aus Ungarn, 5. Februar. (Privatmitth.) Die Israeliten Ungarns sind durch den hochherzigen Vorschlag der Stande am Reichstage von 1840 in den Vordergrund der Geschichte getreten und nehmen nun einmal seit damals einen zu wichtigen Rang in der Emanzipationsfrage ein, als daß wir es entweder bei der bloßen fragmentarischen Skizzirung ihrer gegenwärtigen Verhältnisse, wie wir sie vor Kurzem gegeben, bewenden lassen, noch das Beispiel jener Berichterstatter folgen sollten, die, unfähig den in einander greifenden Zusammenhang der Dinge deutlich erfassen zu können, die unbedeutendsten Fakta aus dem Ganzen reißen und damit fürchterlichen Lärm blasend, irgend ein lokales Jntreffe gleich als Haupthemmniß der allgemeinen Gleichstellung ausgeben, und so, Ursache mit Wirkung verwechselnd, das Hauptsächlichste aus dem Auge lassen, indem sie auf Nebendinge ihr größtes Gewicht legen. Es fragt sich: was thut der Jude in Ungarn, um bei der künftigen Reichssitzung das nämliche Geschick von sich abzuwenden, welches ihn an der vergangenen getroffen? — Noch schwebt er in Betreff der Antwort von der ausübenden Macht über sein ihm bevorstehendes Schicksal in Ungewißheit; noch ist er nicht der allgemeinen Meinung ganz gesichert., und soll schon nachlässig die Hand in den Schooß legen? — Die jüdischen Zustände in Ungarn müssen daher von einem höhern Standpunkte aus betrachtet, ein größerer Maaßstab muß bei der Verbesserung und Hebung ihrer Gebrechen angelegt werden, als es bisher geschehen ist, will etwa der hieflige Israelit nicht mit kleinlichen Jnrressen die kostbarste und günstigste Zeit vergeuden und sein Lebensglück muthwillig verscherzen. Als Grund aber dieser indolenten Fahrlässigkeit seitens der ungar. Juden, würden wir .zuvörderst den unhaltbaren und lockern Boden angeben, den sie sowol in konfessioneller als sozialer Beziehung einnehmen. Hinsichtlich des Erstern ist es theils dem nichtwiffenschaftlichen und unsoliden Unterrichte zuzuschreiben, den das gegen-

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