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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-10 · Heft 11 (10.3.1845) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 11 (10.3.1845)
Date
1845-03-10
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 der Korporation Schwerin an der Warthe, und der zuerst genannte hochherzige Adalbert v. Lipski eine vierte der Stadt Ostrowo. Man darf zu dem guten Erfolge dieser Schritte das beste Vertrauen haben. Gerade die große Anzahl der Juden im Großherzogthume hat dieselben den Christen genähert. Daher kommt es, daß hier, wo der vierzehnte Einwohner ein Jude ist, so viele Stimmen für ihre Gleichstellung sich regen, während man in anderen Staaten, wo, wie in Sachsen, kaum auf 2b0 Menschen ein Jude kommt, eine wahre Scheu vor denselben hat. Dazu kommen die günstigen Umstande, daß der Adel, deutscher wie polnischer, im Großherzogthume die freisinnigsten Richtungen verfolgt, und die ersten VerwaltungSmänner, wie der Oberbürgermeister Pofens selbst, zu den edeldenkendften Beamten gezahlt werden müssen." Posen, 26. Februar. (Privatmitth.) Sie werden aus der Deutschen Allg. Zeit, ersehen haben, daß vor Kurzem zwei Judenmädchen von einer bigotten Frau, ihrer Bekannten einem Pfarrer in die Hände gespielt wurden, welcher sie in ein Kloster steckte, um sie zur Taufe zu bringen. Man mußte sie mit Polizeigewalt aus dem Kloster schaffen, und die, wie es scheint, sehr beschränkten Mädchen dankten Gott., als sie frei waren. Man hat hier also in Wahrheit ein Stückchen, wie es Eugen Sue an den Töchtern des Generals Simon, welche die Frau des Dagobert dem Kaplan übergab, der sie in ein Kloster brachte, um sie christlicher zu erziehen, d. h. um sie zu verhindern, an der großen Erbschaft Theil zu yehmen, so trefflich gezeichnet hat! Nun, sage man noch, daß das Leben kein Roman sei, wenn die Romane völlig Leben sind. Nun, da der unglückliche Vater seine Kinder wieder hat, und die Beute abgejagt ist: müssen Sie mir doch eine Bemerkung über das fürchterliche Geschrei, das — die tugendhaften protestantischen Blätter darüber erhoben, erlauben. Von wannen dies über zwei Judenmädchen, die sich taufen lassen wollen? Ja, aber ein katholischer Geistlicher hat es gethan, da muß ein fürchterlicher Lärmen geschlagen werden. Wie lange ist es her, war ganz der nämliche Fall mit einem Missionär, der das Mädchen natürlich in kein Kloster brachte, aber weit entfernte. Damals wurde zwar eine mäßige Anklage angenommen, aber dem Geistlichen die Gegenrede so lange bewilligt und durch Korrespondenzen unterstützt, daß die Sache sich zwischen den Mühlsteinen verlief. Aber diesmal — nein! keine Gnade, der katholische Pfarrer muß es büßen! sagen die protestantischen Blatter. Wir aber wollen uns nicht irre machen lassen, und Jeden in seinem Kleide durchschauen, und von Jedem wissen was wir zu halten haben. Dreißig Jahre hat Deutschland den Fanatismus gegen die Juden genährt, haben seine Stände und Gesetzgeber mit den Juden gespielt, wie die Katze mit der Maus; von dem Augenblicke an, wo Christen und Juden die gemeinsam gegen den Feind geführten Waffen niederlegten, ergriffen die Christen sie gegen die Juden — wie? glaubte man nicht, daß der Fanatismus feinen vergifteten Dolch auch herumkehren und unter Euch bringen würde? glaubte man, man könne damit spielen, ohne sich selbst zu verwunden? Nein! die Sache ist nicht so. Ihr habt den Fanatismus in Eurem Busen gegen die Juden genährt, habt ihn da groß und stark gezogen — nun wendet er die brudermörderische Faust gegen Euch selbst, und zerreißt das große, einige Deutschland, das auch in der Ungerechtigkeit gegen die Juden einig war, mitten entzwei. Seht Ihr, so rächt sich so Etwas! Nicht mit" Faustschlägen, sondern mit Herzenswunden. Ihr glaubtet: die Juden können sich doch nicht rächen, sie haben keine Macht. Da wurde ihnen genommen, was sie schon an Recht mit Recht besessen, da wurden sie wieder hersausgeworfen, wo sie schon ansässig waren, da wurde ihnen vorenthalten, was sie mit ihrem Herzblute wünschten, was ihrem Geiste bereits zur Nothwendigkeit gewordenwas thut's, es sind nur die Juden. Aber, seht Ihr, dies ist der Gang Dessen, der über den Wolken gehet. Womit Ihr gesündigt, werdet Ihr heimgesucht. Fanatismus habt Ihr gegen die Juden entzündet, nun brennt er lichterloh unter Euch selbst! Und wann wird diese .Flamme wieder erlöschen? -- Ihr haht nicht hören wollen! Die Juden haben es Euch oft genug zugerufen — nehmt Euch mit dem Feuer in Acht, es giebt sonst Brand im Hause — nun habt Ihr ihn. Wie reiben sich Eure Feinde die Hände! Es kann sein, daß ich mich irre: in meinen Augen aber sind alle Mittel, die außer der Be-

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