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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-10 · Heft 11 (10.3.1845) · p. Seite 146

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 11 (10.3.1845)
Date
1845-03-10
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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146 Mitnahmen, und aller Orten in der Wirklichkeit auSpMgtenr NistWermchr ist der Druck, der alle: Gedrückten auf e.i np. WM stellt!, die Mutter dieses Charakteristikums, wenn er auch immerhin die Erhaltung desselben förderte. Wir sehen an den Griechen das Gegentheil. Meist will auch der Gedrückte — wieder drücken, und wo fände sich dazu nicht die Gelegenheit'? Unsere Leser mögen durchaus nicht glauben, daß es unser Zweck ist, die Juden hiermit zu präkonisiren — nein! wir wollten damit nur Thatsachen heranführen, die beweisen, daß wir mit dem Religionsstaatsgrundgesetz: „Ein Gesetz und Ein Recht für Alle!" nicht bloß in der mosaischen Institution, sondern mitten im neunzehnten Jahrhundert stehen, daß das Judenthum zu aller Zeit die Verwirklichung dieses Grundgesetzes war. Dieselben Thatsachen werden uns aber auch nach einer ganz andern Seite hin wesentliche Dienste leisten. Wir bitten sie daher im Gcdächtniß zu behalten. VI. Sollte indeß dieser große Grundsatz eine nachhaltige Wesenheit erhalten, sollte er am Ende doch nicht bloß so in der Luft schweben, daß er die nur ernähre, welche hoch gestiegen: so mußte er ganz auf materiellem Boden nicht minder seine Verwirklichung finden. Sollte der Mensch (s. No. III.), dem Einigen Gotte gegenüber, nur Einer sein: so mußte er nicht allein an Recht und Gesetz, er mußte auch Einer sein — an Besitz. Man weiß, daß dies die schwierigste Frage auf dem ganzen menschlichen Gebiete, was die sozialen Verhältnisse betrifft, ist. Wer, in der Geschichte irgend Bewanderte, weiß nicht, daß die Ungleichheit des Bestes die Klippe war, an der die mächtigsten Nationen scheiterten, daß diese die geordnetsten Staaten unterwühlte, bis der Fels einstürzte? Man kann mit Sicherheit behaupten, daß die Ungleichheit des Besitzes die Ursache dermeisten Uebel, ja der meisten Verbrechen, der meisten Menschenentartung ist, und daß ein mäßiger, genügender Besitz die Ueberzahl der Erdensöhne im Guten erhalten würde. Es ist daher nicht zu verwundern, daß viele edle Männer sich dem Fluge der Phantasie überließen: ans welche Weise die Ungleichheit des Besitzes zu heben wäre? Denn von der andern Seite steht der Gleichheit des Besitzes die Mannichfaltigkeit der menschlichen Verhältnisse, die Heiligkeit des Eigenthums und die unabweisbare Forderung, der persönlichen Freiheit entgegen. Die mensWchk (HjMschaft würd§ die unUträglichste. Tyrann in sein, wMss fte dem Ggputhum uM dem WechD Erwerbes entgegentreten: sind aber diese frei gegeben, s^ ist auch in der nächsten Stunde die Ungleichheit des Besitzes wieder da. Wollte aber die mosaische Institution den Staatsgrundsatz: „Ein Recht und Ein Gesetz für Alle!" in der That ausführen, so mußte sie auch den Menschen als Einen an Besitz aufstellen, weil einen Theils, wenn Besitz in der Gesellschaft vorhanden ist, der Mensch mit einem Rechte daran geboren wird, liegend in der Nothwendigkeit der Selbsterhaltung, andern Theils jenes Grundgesetz überhaupt vielfach nur schimärisch wird durch Ungleichheit des Besitzes. Die mosaische Institution wollte aber eine Schimäre nach keiner Seite hin —und so war sie auch nicht im Geringsten geneigt an eine solche völlige Gleichheit des Besitzes zu denken, die aus der menschlichen Gesellschaft nur eine Zwangsanstalt machen würde, sondern sie wollte nur: Vermeidung des Reichthums und Vermeidung d e r A r m u t h, wie es auch ausgesprochen ist: yvvn dn p*i — ynnK ‘■p i-pt-p Nb öen .nNTrr bs na mmb iBtab ^nba 'n bipn „Nur daß kein 'Dürftiger unter dir sein soll — wenn Du nur hörest auf die Stimme des Ewigen, deines Gottes, wahrend zu thun dieses ganze Gebot." (5 Mos. 15, 4. 5.) Wie wollte die mosaische Institution dies nun ausführen? A. Sie sah al§ Grundlage der ganzen Volksexistenz den Boden und dessen Bearbeitung an, und an diesen sollte das ganze Volk Th eil nehmen. Dieser Bestimmung blieb auch das israelitische Volk, so lange es in Palästina ansässig war, getreu. Der zweimalige, höchst unbedeutende Versuch an Schiffarth Theil zu nehmen, verschwand spurlos; und noch Joseph us sagt: „wir sind ein ackerbauend Volk, in unsre Grenzen eingeschlossen." So wie die geistige Richtung des. Volkes allein auf das Religiöse gewendet sein sollte, *) V. 11 setzt voraus, daß Israel das ganze Gesetz nicht ausführen würde, und daß daher auch Dürftige fein werden; so Raschi, Aben-Esra, s. unser Bibelwerk 1. S. 910.

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