Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1845)
- Date
- 1845-03-03
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 besonderes Verwaltungsreglement besteht. 3) Karaimen. 4) Die ackerbautreibenden Juden die ihre besondere Gesetze haben. Nach Einführung dieses neuen Reglements darf unter den Juden in Rußland keine besondere Verwaltungsform mehr bestehen: Ihre Kahals (Gemeindeausschüsse) werden alle aufgehoben, deren Verhandlungen sind unverzüglich den Stadtmagistraten zu übergeben. Diese sind verbunden über die in ihren Jurisdiktionen lebenden Juden genau angefertigte Familienregifter zu führen, in diesen das Gewerbe jedes einzelnen anzugeben. Treten die Juden in andere Gewerbe über, oder verlassen ihre bisherigen Wohnsitze, so ist solches sogleich in den über sie geführten Registern zu bemerken, damit die Regierung von ihren Zuständen ,und ihrem Aufenthalte zu jeder Zeit richtige Kunde habe. Außer' den allgemeinen gesetzlichen Abgaben und Steuern sollen keine andre ohne besondere Bestimmung der Gouvernements-Regierungen von ihnen erhoben werden. —. Es thut uns leid, aus der Hand, von welcher wir über das neue Schulgesetz das geringste Detail erhalten haben, über obige, viel wichtigere Maßregel Nichts empfangen zu haben. Durch diese, wie aus dem unklaren Bericht bis jetzt zu ersehen ist, wäre der Bestand aller Synagogen und Gemeindeeinrichtungen in die Hände der Magistrate gegeben, da keine Gemeindesteuer sonst erhoben werden könnte, und alle jüdischen Maßnahmen jener Kontrole unterlägen? Die Konsequenzen kann -der kundige Leser leicht denken. Literarische Nachrichten. Magdeburg, im Februar. Rees Sprachverhältnisse der heutigen Juden. (Fortsetzung.) Wie sollte also ein Glaube, der seinem Inhalte nach nicht über das Allerallgemeinste, fast Nebelhafte hinausgeht, auf die konkrete Anhänglichkeit seiner Bekenner an das Vaterland einen Einstuß haben können? Gesetzt aber auch, das Dogma ginge auf Bestimmteres ein und verspräche mit ausdrücklichen Worten die Wiederkehr einer politischen Selbstständigkeit für die Juden, wie könnte selbst dadurch die natürlich eingepflanzte Liebe zum-gegenwärtigen Vaterlande leiden? Würde z. B. ein Franzose, der sich aus religiösen Gründen jenseits des Ozeans eine neue Heimath zu gründen wünschte, deshalb weniger Patriot für sein Stammland sein? würde ihm in diesem Falle das Blut weniger heiß in die Wangen steigen, wenn. er sein Frankreich schmähen hörte? Eine derartige Einwirkung würde übrigens noch aus. einem drittens Grunde unmöglich sein, der uns der bedeutenste scheint.. Man muß nämlich die ins Leben eingreifenden Glaubensartikel für dieses sehr scharf von den, wenn auch in der Kirche auf gleiche Weise gültigen, doch in jenem nie recht praktisch gewordenen wohl unterscheiden. Zu den letzteren gehört, z. B. im lutherischen Bekenntniß die Lehre vom unfreien Willen, welche im Thun und Treiben des Volkes nie wirksam geworden ist; zu-ihnen gehört noch weit entschiedener in der jüdischen Konfession der Messi'asglaube, welcher sich platterdings bei Niemandem jemals in der Erscheinung verwirklicht. Auch dem bigottesten Juden wird es nicht einfallen, seine besonderen Handlungen, etwa einen Hausverkauf, einen Uebersiedelungsplan nach dem Dogma vom Messias zu bestimmen, oder nur zu modifiziren, und wenner auch den Augenblick vorher in seiner Andacht auf dem Boden Jerusalems gewesen wäre. Wir wiederholen es, dies ist ein Punkt, auf welchen zwar in der Theologie nicht viel ankommt, der für das praktische Gebiet jedoch von der höchsten Bedeutung ist. Eine dreifache Mauer ist demnach zwischen den Patriotismus der Juden und ihren Messi'asglauben gezogen; diesen also vermittelst jenes mie der Nationialität zu identifizirm, ist eine schreckliche Begriffsverwechslung, welche nur aus Hartnäckigkeit zur Behauptung eines falschen Grundprinzipes erklärt werden kann." „Was heißt denn aber Nationalität? Sie bezieht sich unmittelbar weder auf das Religiöse, noch auf sonst irgend eine bestimmte durch geschichtliche Ereignisse entstandene Gestaltung von Ansichten, oder Verhältnissen, sondern aufdie in der Natur begründete Aehnlichkeit und Verschiedenheit in der physischen und psychischen Organisation der Menschen nach deren Stamm Verwandtschaft. Ist denn an der hierzu bestimmenden Gesammtheit keine Thätigkekt zu finden, welche alle einzelnen jene charakterisi'renden Abweichungen in ein einziges Bild vereinigt, einen Totaleindruck hervorbringt und zugleich ein sichres Merkmal abgiebt? Ganz entschieden ist eiy? solches vorhanden, wir selbst haben es schon einmal, erwähnt, es ist die Sprache. Nach dieser wird in unseren Tagen die. nähere, oder entferntere Stammver-