Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1845)
- Date
- 1845-03-03
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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L39 ein Gesetz zu erlassen, das den jüdischen Einwohner dem christlichen gänzlich gleichstellt. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnen wir Posen den 18. Februar 1845. (Folgen die Unterschriften.) Deutschland. Frankfurt am Main, 15. Februar. (Didask.) Die so eben im Druck erschienenen „Statuten der Versorgungsanstalt der israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main" werden von jedem Menschenfreunde gewiß mit Befriedigung gelesen werden und zeugen von der Einsicht und dem praktischen Takte derjenigen Männer, welche sie berathen und entworfen haben. Nachstehend lassen wir das diese Statuten einleitende Vorwort folgen. Es lautet: „Die wegen Errichtung einer Versorgungsanstalt für die israelitische Gemeinde unterm 28. März vorigen Jahres ergangene öffentliche Aufforderung hat. den gewünschten Erfolg gehabt. Die Gründung einer solchen zum Bedürfniß gewordenen Anstalt hat zahlreiche Theilnehmer gefunden. In einer am 11. Juni vorigen Jahres abgehaltenen Generalversammlung wurde die Versorgungsanstalt der hiesigen israelitischen Gemeinde für konstituirt erklärt, und dem sofort erwählten Pflegamte die Entwerfung der Statuten für dieselbe übertragen. Weiterer Vorschrift dieser Generalversammlung gemäß, sollten diese Statuten sodann im Entwurf durch das Pflegamt veröffentlicht und nach Ablauf einer zur Einreichung von Bemerkungen zu bestimmenden Frist, unter Hinzuziehung von zehn Kontribuenten, definitiv angenommen und festgestellt werden. In genauer Befolgung dieser Vorschriften wurden nach Vertheiluüg der durch das Pflegamt entworfenen Statuten dieselben unter Hinzuziehung Der Herren I. S. Adler, Theodor Bamberger, Philipp Elliffen, B. H. Goldschmidt, Moritz Hertz, vr. Simon Maas, Isaak Reis, Arnold I. Schloß, Daniel Sichel und Abraham Weiller einer wiederholten sorgfältigen Prüfung unterworfen und unter Benutzung mehrfach eingelaufener Bemerkungen definitiv angenommen. Diese somit in vorschriftsmäßiger Weise zu Stande gebrachten Statuten bilden fortan die Grundlage dieser neu in's Leben getretenen Anstalt. Frankfurt am Main, im Januar 1845. Das P^egamt der Versorgungsanstalt der israelitischen Gemeinde. Leipzig, 17. Februar. (D. A. Z.) Es darf in einer Zeit, wo die konfessionellen Bewegungen der Angelpunkt des Geschehenden sind, ein Vorgang nicht unbemerkt bleiben, den besondere Umstände bedeutungsvoll machen. Gestern Nachmittag fand die Beerdigung eines jüdischen Schriftsetzers statt. Derselbe hatte seine Glaubenspflichten mit den allgemein menschlichen so wohl zu vereinen verstanden, daß er sich in dem Kreise seiner christlichen Kollegen zahlreiche Freunde erwarb. Seine Beerdigung war daher für dieselben eine Aufforderung, ihre Gesinnungen zu bethätigen, der auch von den Vorstehern der hiesigen Judenschaft auf's bereitwilligste entgegengekommen wurde. Mehre Hundert seiner Kollegen geleiteten den Sarg bis auf den jüdischen Friedhof, wo von einer Anzahl gesangskundiger Kollegen Gesänge an seiner Gruft ertönten, und von einem' derselben eine Rede gesprochen wurde, die lautes Zeugniß ablegte, wie tief in diese Kreise das Verständniß der geselligen Berührungen und ihrer rechten Weihe gedrungen. Oesterreich. Prag, 13. Februar. (D. A. Z.) Der vor mehren Monaten beim böhmischen Gubernium von der Direktion des jüdischen Steuer gefälls eingereichte Vorschlag eines neuen Modus zur Einhebung der Judensteuer wurde der Direktion wieder zurückgestellt und ein neuerlicher Bericht über mehre ihre vorgelegte Fragepunkte abgefordert. Das böhmische Gubernium hat das Zweckwidrige und Unpraktische der vorgeschlagenen Einhebungsart nur zu klar eingesehen und nicht ohne Grund die Beforgniß ausgesprochen, daß die Steuerpachtungsdirektion bei dem von ihr vorgeschlagenen Verfahren in unberechenbare Fatalitäten sich verwickeln, und den ohnedies sehr schwer auf ihr lastende Fluch der Besteuerten in noch höherm Grad auf sich laden würde. Es hat jener vorgeschlagene Modus viele Aehnlichkeit mit der bei der Einhebung' der jüdischen Steuer in Mähren üblichen Manipulation, aber die jüdischen