Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-03 · Heft 10 (3.3.1845) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 10 (3.3.1845)
Date
1845-03-03
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225400--06715-3236561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

134 Wie wirst Du nun die Freiheit jetzt ertragen, Die bei den Völkern Dir beginnt zu tagen? Wird Dir vor ihrer Sonne bleichen Der Glaubensmuth? Die Gluth Des Glaubens aus dem Busen weichen? Steht still Dein Herz, Und wendet abwärts sich Dein Geist? O Volk der vier Jahrtausende! 2. Lasset vom Wortgepränge der Thoren Nimmer den Sinn, den gesunden, verblenden. Und das Herz, wie lebendig es schlägt, Nicht von falschen Propheten verstocken! Wol zu des Einigen Anerkenntniß, Zur Anbetung, zur Heiligung Ward geboren und auferzogen, Ward geführt durch Jahrtausende Juda's Stamm — Aber nimmer streitet die Freiheit Mit dem Glauben und mit Erkenntniß, Mit Anbetung des Einigen Und des Herzens Heiligung! Freiheit ist Licht — Nur im Kerker wohnt ewige Nacht, Und verbannt ist der rosige Strahl — . Und Erkenntniß des Ein'gen ist Licht — . Nur wo wahrhaftigen Gottes Erleuchtung Ist erloschen im wirren Gemüth, Da ist Nacht — Aber Licht kann das Licht nicht verdunkeln, Heller nur, wo zwei Flammen sich mischen, Schlägt die ewige Gluth empor, Reinigt das Gold von irdischen Schlacken, Treibt das Gewölk in die Tiefe, hinab. Denn der Druck kann den Druck nur gebären, Schranke wird selbsten durch Schranke beschränkt: Doch ist die Feffel, die schwere, gefallen, Bricht auch die Bande 'gewaltig der Geist — Siehe, dann schafft er heraus aus dem Innern, . Was dadrinnen ummauert gelebt, Hebt es empor — frisch lüftet's die Schwingen, Kämpfet der Sonne die Strahlen ab. Stellt sich der leugnenden Welt entgegen, Daß widerstrebend die Wahrheit sie sieht Und so schafft er im mächtigen Streite Durch die Freiheit dem Glauben Einen neuen, lebendigen Grund! — Ja, ich fühl's in der eigenen Tiefe: Freiheit und Glauben, sie streiten nicht! Lichter hob sich mein Glauben empör, Strömte mächtiger durch die Adern, ' Durch die Neröen des Geistes mir. Seit ich forschte im Lichte der Freiheit - Freudiger bebt es, Feuriger glüht es, Ward unzertrennlich dem Leben gesellt! Siehe, das Her; treibt — Und der Odem, der letzte, gehöret Noch des Glaubens Verkündigung — Siehe, der Geist bewegt — Seiner Kräfte Ende gehöret Noch des Glaubens Verherrlichung! — Darum fallet, ihr Bande, Heilet, ihr Wunden, Die dem Volke der vier Jahrtausend' Finsterer Zeiten finstere Mächte Höhnend bereiteten: In dem Lichte der Freiheit Strahlet das Licht der Erkenntniß Israel heller empor — Siehe, fein Herz treibt's Ewig zur Liebe des Einigen hin! Siehe, sein ^Geist bewegt's . Ewig zur Wahrheit des Einigen hin! Und so bleibt es Dein ewiger. Ruhm, Daß für Dein Heiligthum, . Für, Deines Glaubens Leben All' Dein Gut, All' Dein Blut Du vermögest hinzugebey, Volk der vier Jahrtausende!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.