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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-03 · Heft 10 (3.3.1845) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 10 (3.3.1845)
Date
1845-03-03
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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135 Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, im Februar. Der Kampf vor den Wahlen der Konsistorien wird immer heftiger. Der Arzt Michel Levy, Mitglied des Departementalkonsistoriums, wünscht in das Zentralkonsistorium gewählt zu sein. Derselbe hat ein Manifest erlassen, von dem uns nur die Phrasen vorliegen, welche das Uuivers israel. in einem Gegenartikel mittheilt, die aber den Mann hinreichend als Herostraten seiner Religion verrathen, der uns Juden doch unsre Wege gehen lassen sollte. Er wirft den Juden vor: „im Herzen alle alten Vorurtheile und geheime Antipathieen gegen unsre Mitbürger andrer Glauben zu bewahren, ewiges Verlangen nach einem andern Lande, nach einer andern Nationalität, als dem großmüthigen Lande, dessen Kinder wir sind, als der Nationalität des französischen Namens' zu haben".... und dies nur, weil sie sich nicht blindlings den Heilversuchen dieses Arztes unterwerfen wcklen. Diese Worte klingen um so widerlicher im Munde eines Juden, da dieser die Unwahrheit derselben am besten wissen kann, und da gewiß alle Juden sich dagegen erheben würden, wenn sie ein Nicht-Jude ausgesprochen. —. Da das Zentralkonsistorium auf die Eingabe derer, die gegen die Abschaffung der Mezizah protestirten, nicht geantwortet hat, so sind diese beim Kultminister dagegen eingekommen. In diesem, vom Univ. israel. mitgetheilten Gesuche sagen die Supplikanten, daß sie in dieser Maßregel,-den Anfang von Neuerungen sehen, durch welche die religiöse Einheit vernichtet würde," daß „sie darin eine Gefahr für ihre Kinder sehen," „daß das religiöse Gewissen der Mehrheit der Israeliten mit einem großen Schlage davon getroffen würde," „seit Abraham bis jetzt habe die Mezizah keinen Schaden angerichtet," swar die Mezizah bei Abraham schon gebräuchlich? und wer sagt, daß sie keinen Nachtheil gebracht?] „die Mehrheit der israelitischen Bevölkerung verlange weder Neuerung, noch Reform." Hierbei fragt sich nur das Eine, ob die Unterzeichner wirklich im Namen der Mehrheit zu sprechen das Recht haben. —. Der Staatsrath hat bei einem neulichen Vorfall bestimmt, daß ein Rabbiner, der zu einem Eide more judaico seinen Beistand verweigert hat, nicht gerichtlich belangt werden kann. —. Eine klare Kritik im Univ. israel. zeigt, wie sehr der jüdische Kultus beim Budget von der durch die Charte verbürgten Gleichstellung noch entfernt sei. 109 jüdische Geistliche erhalten 73,000 Fr., d. i. durchschnittlich 670 Fr. jeder (178^3 Thlr.) jährlich, während die protestantischen Geistlichen jährlich durchschnittlich jeder 163L Fr. (436 Thlr.) erhalten, die katholischen, die noch dazu keine Familie haben, ungleich mehr! Das Budget sorgt unter Anderm mit 40,000 Frs. für Entschädigungen und die Wittwen der Protest. Geistlichen, wahrend die Wittwe des Großrabbinen des Zentralkonsistoriums in Armuth schmachtet (reduiteäla unsere-Schande, ja Schande genug für die französischen Juden! Red. d. A. Z. d. Jud.) „So lange, heißt es am Schlüsse, dieser beklagenswerthe Zustand der Dinge dauern wird, daß die Meisten Rabbiner eine jährliche Besoldung von 300 und 400 Fr. (80—110 Lhlr.) empfangen, wird das Gesetz vom 8. Februar 1831 keine Wahrheit, und seine Ausführung eine offenbare Verletzung des Prinzips der Gleichstellung aller Kulte in Frankreich sein. Das zukünftige Zentralkonsi'storium muß hieran denken. Die Regierung und die Kammern können nicht wollen, daß öffentliche Beamte, beauftragt mit der heiligsten der Missionen, leben und sterben sollen im Dienste ihres Vaterlandes mit 82 Centimen (6^/2 Sgr.) täglich. Und doch ist dies der Gehalt von 54 Rabbinen!" (Da haben es die Rabbinen in den kleinsten polnischen Gemeinden besser!) —. Das Univers israel. protestirt gegen die Beschuldigungen, welche in einer Privatmittheilung in No. 49 dieser Zeitung gegen den Herrn Daniel Wahl in Mühlhausen erhoben worden. Der Redakteur stellt diesen Mann als den achtbarsten hin. Wir, die wir die Persönlichkeiten nicht kennen, müssen bei diesen außerordentlichen Lobenserhebungen des Herrn Wahl in Verlegenheit gerathen, wenn dicht neben denselben ein Aussatz des Rabbinen Dreyfuß steht, welchenwieder der Herr Wahl mit den furchtbarsten Beschuldigungen belastet hat. - —. Die Gesellschaft für Ermunterung zur Arbeit zu Gunsten der armen Israeliten vom Niederrhein hat ihren Bericht vom Jahre 1844 veröffentlicht.

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