Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 10 (3.3.1845)
- Date
- 1845-03-03
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
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132 während diesem, und nur diesem kräftig - entgegenzutreten, der Beruf der Rabbinerverfammtung gewesen wäre:- hat sie sich auf Nichts eingelassen, als revidiren, revidiren, revidiren. Sie hat die alten Codier hervorgeholt, um neue Codk'e8 zu schmieden —- aber auf das Leben hat sie keinen Blick geworfen. Dies bringt uns zu dem zweiten Vorwurf, deu Herr Mayer unsrer Kritik der Rabbinerversammlung macht. (Schluß folgt.) Briefe gegen den Wind. Von H. S. in U. ■ ■ ■ 1 ■ Das Judenthum macht unleugbar gewaltige Fortschritte, die jüdische Reform geht mit SLebenmeilensticfeln vorwärts und ist binnen kurzer Zeit bereits an die äußerste Grenze gelangt. Während im Christenthum die Reaktion stärker als je ihr Haupt erhebt und Rückschritte der Art gemacht werden, daß ein Fuß bereits im Mittelalter angekommen ist, wird bei uns mit vollen Segeln dem Nihilismus zugesteuert, wird das Judenthum vor lauter Reform glücklich bald wegreformirt sein. Und an die Spitze dieser Heterodoxie haben sich nun Rabbiner gestellt, zur Wahrung der Religion beamtete Männer sind es, die mit wahrhaft fanatischer ZerstörungSwuth, alle Dämme, welche der Glaube dem Strom der Genußsucht, entgegengesetzt, niederreißen. Aber noch mehr. Es wird nicht mit einer der hohen Wichtigkeit. des Streitpunktes angemessenen Scheu, mit einem der tiefeingreifenden Bedeutung der Differenz sich bewußten Ernst an den Gegenstand gegangen; nicht die Begeisterung für ihre Meinung und die innere Gluth, die unabweislich auf den Protest gegen bisherige Mißbräuche dringt, wie es oft bei Reformatoren der Fall ist, nicht einmal das vermeintliche Bewußtsein eines edlen Zweckes leitet diese neue Fraktion der Reformer. Es ist nichts als ein frivoles Spiel der Eitelkeit, des schnödesten Egoismus und der feigsten Gesinnungslosigkeit mit' dem Höchsten und Heiligsten. Wenn wir von Heterodoxen und Reformern bisher sprachen, so ist dies nur euphemistisch zu .verstehen; für die Partei, die wir im Sinne haben, wäre selbst der Name Schismatiker und Ketzer eine Beschönigung, eine währe Schmeichelei Denn diejenigen/ die man bisher so nannte, schloffen: nicht nur eine innere Ueberzeugung, eine ehrenfeste Gesinnung : nicht aus, . sondern : zeigten int Gegentheil durch den. Heroismus mit dem sie, keine Gefahr scheuend, in die - sie sich durch ihren Widerspruch gegen eine gewaltige Kirche oder auch nur gegen eine mächtige und eifrige Majorität offenbar begaben, ihre Lehre unerschrocken verfochten, gerade auf die Kraft und Tiefe der in ihnen lebenden Ueberzeugung hin; während unsere Destruktiousritter nur die materielle Schwäche einer ecclesia pressa und die in ihr herrschende Apathie benutzen, um da memmenhaft auf gefahrlose Weise die Rolle eines Luther zu spielen und als neue Herostate, durch Vernichtung der Synagoge in die Unsterblichkeit sich einzuschmuggeln. Diese nihiliste Faktivn begnügt sich noch dazu, nicht mit dem Recht der Existenz für sich und ihre Anhänger, sondern greift.terroristisch in die Gewissen Anderer ein und übt so.weit es in ihrer Macht steht, den empörendsten Glaubenszwang. Das Blatt hat sich nun so-gewendet, daß die orthodoxe Partei die Idee der Freiheit vertritt, die Neologie aber Intoleranz und Fanatismus zu Satelliten hat. Bon. ihren Koryphäen droht uns eine Hierarchie, die die Freiheit unseres Glaubens mordet, in ihnen sind uns Pfaffen und Jesuiten erstanden, die das Judenthum sonst nie gehabt. Bereits hat sich eine (sit venia verbo) moralische Inquisition gebildet, die nur auf die Erlaubniß der Regierungen: wartet, um in eine physische überzugehen, Mittlerweile giebt sie als Spektakel literarische anto.üa-l'68 dem Publikum zum Besten wo die orthodoxen und. konservativen Häretiker. „zur Ehre Bruno Bauers" gebraten werden. , . Um die Schmach - abernoch vollends auf ihre Häupter zu häufen, pfuschen diese Afterrabbiner auch einem Schudt und Etsenmenger iu's Handwerk. Die Rolle der früheren Apostaten, die, um sich ihren neuen Glaubensbrüdern zu empfehlen, Verunglimpfungen und Schmähungen, Verleumdungen und Denunziationen gegen Juden und Judenthum vorbrachten, diese Rolle haben nun Rabbiner übernommen. Mit einer Perfidie wie sie bei andern Konfessionen beispiellos ist, klagen israelitische Geistliche ihren eigenen Glauben an, und mit.der Stjrne einer Meze.'erfrechen sie sich, noch ironisch zu fragen ob man sie nicht „Verräther" nennen werde. Es ist nun die höchste Zeit, diesem Treiben Schranken zu setzen. An uns Laien ist es nun, die Fahne der