Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1845)
- Date
- 1845-02-24
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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126 nach Mähren gekommen. Sie fordern zu Antworten auf, und diese sollen dann gedruckt werden. Das wird eine schöne Sammlung von Schimpfreden und Flüchen werden! Indeß kann von solchen Dingen in unsrer Zeit kaum noch gesprochen werden, und werden sie nur dann wichtig, wenn man ihnen eine Wichtigkeit beilegt. — Fragen möchte man, was wol aus den holländischen Juden und ihrer Emanzipation werden sollte, wenn Herrn Lehren's Ansichten die herrschenden wären? Das wäre nun freilich Herrn Lehren gleichgültig, wenn sie ihm nur brav steuerten, um die Juden in Palästina zu tyrannisiren. Und da geknechtete Juden am leichtesten tyrannisirt werden können, würden ihm und den Preßburgern und Konsorten freilich die nichtemanzipirten Juden die liebsten sein. Dieselben Leute lassen jetzt Emissäre ausgehen, um die zweite Rabbinerversammlung zu hintertreiben. Solche Jntriguen im Dunkeln haben aber noch niemals geholfen. Papa, 2. Februar. (Privatmitth.) „Die Zeit bringt Rosen." Bei uns giebt es bereits einige Söhne der Zeit, welche würdig wären das Ruder unseres äußerst verwahrlosten Gemeindewesens auf dem Meere der Weltansprüche und eigentlichen Religionsbedürfnisse zu führen. — Und unsere gnädige Herrschaft die Stimmen der Zeit würdigend, hat auch bei den diesmonatlichen jüdischen Vorfteherwahlen unter den sieben Kandidaten, vier solche Gemeindeglieder ernannt, welche theils wahre Wissenschaftlichkeit, Kenntniß des bessern Judenthums besitzen — und theils durch klare Weltanschauung und mindere Störrigkeit gegen das Neuere sich auszeichnen. — Beinahe hundert Familienväter versammelten sich, als diese Kandidatur publik wurde, im Hause des, für die gute Sache sich so heiß interessirenden, israelitischen Komitatsvorfteher Herrn Samuel Schlesinger, beschließend für die Wahl der Beffergesinnten ihre Vota abzugeben. Da ließ der hiesige Störgeist alles Guten, von den Verwandten der übrigen Kandidaten unterstützt, seinen Weheruf erschallen: man wolle Menschen mit Schnurrbärten und Aufklärung zu bnpr’i machen — und 9» Stimmen für Männer von wirklichem .Ansehen, wirklichem Wissen und eigentlich gutem Willen mußten der Ueberzahl von 116 weichen, welche für Menschen stimmten, die. kaum ihren Namen schreiben, nicht die kleinsten jüdischen Kenntnisse haben und nicht einmal durch eine ansprechende Persönlichkeit Geltung verdienen. Die spätere Ernennung des Vormundes und der achtzehn Gemeinderepräsentanten (die eigentliche Kritik der Vorsteher,) welche ebenfalls mehr von der Wahl unsrer gnäoigen Herrschaft abhängt, fiel mehr zu Gunsten der fortschreitenden Partei aus; — und so wie wir auf ein ganzes Jahr wieder verzichten müssen, daß einem , der hiesigen Uebelstände Abhilfe geschehen wird, so mag es die Aufgabe der letzterwähnten Repräsentanten sein, alle jene neue Unbill zu unterdrücken, welche von der mit frömmelnder Ignoranz gepaarten Arroganz zu erwarten ist. x. j. i. Moldau und Wallachei. Zaffy, 20. Januar. Die russischen Quarantaineanstalten am Pruth und an der Donau sind aufgehoben worden. Bei der Erleichterung, die hierdurch den Reisenden geworden, fühlen die Juden nur um so mehr, daß für sie die Schwierigkeit bleibt, daß sie nach Rußland nur in dem Falle reisen dürfen, wenn in dem Passe die Veranlassung zur Reise an einen bestimmten Ort ganz genau angegeben ist. Literarische Nachrichten. Magdeburg, im Februar. Rees Sprachverhältniffe der heutigen Juden. (Fortsetzung.) In dem folgenden Kapitel zeigt der Verf. zuerst die Nachtheile des jüdischen Dialekts, und zwar im Erwerbe und in der Geselligkeit, widerlegt die Meinung, daß der jüdische Dialekt irgend ein Echaltungsmittel der Religion sei, und wenn er noch einen Anhaltpunkl im Familienleben findet, so hat er dafür seinen Ersatz im Vaterländischen. Der Verf. sucht nun die Ursachen dieser jüd. Mundart auf, und findet sie 1) in Eigenthümlkchkeiten, welche durch die Zerstreuung der Juden entstanden (Quodlibet der Wörter;), 2) welche aus dem religiösen Leben und der besonder» Anschauung hervorgingen (ebenfalls Aufnahme kirchlicher Ausdrücke ff.), 3) als un-