Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1845)
- Date
- 1845-02-24
- Page
- Seite 127 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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127 gebildete Sprache und als zufällige, nicht ursprüngliche; 4) Ergenthümlichkeiten aus besonderer Modifikation der jüdischen Sprachorgane, 5) aus dem erlittenen Druck. In wiefern nun in dieser aus so verschiedenen Ursachen entstandenen Mundart sich sehr verschiedene Modifikationen bilden, bespricht der Vecf. weitläufig, wobei ec auf die Frage über die Nationalität der heutigen Juden kömmt. Wir können nicht umhin, Mehres von dem, was er hier sagt, anzuführen: „Als man den Bemühungen der Emanzipationisten von christlicher Seite den Vorwurf (?) der Nationalität entgegensetzte, hat man damit mittelbar seine Abneigung gegen den Juden, keineswegs aber die Unfähigkeit desselben zum Bürgerrechte gezeigt. Nämlich die Nationalität steht zum Staate in keinem andern Vcrhältniß, als der gesellige Umgang zur gemeinschaftlichen Betreibung etwa eines Geschäftes. Sie ist, wie die Erfahrung zeigt, wol im Stande, eine politische Verbindung zu veranlassen, oder eine schon bestehende fester zu knüpfen, aber weit davon entfernt, norhwendige Bedingung einer solchen zu sein; es ist in Europa im Gegenrheil kern größerer Staat vorhanden, in welchem nicht verschiedene Nationalitäten mit einander verknüpft sind. Dies hätten die Vertheidiger der Gleichstellung von vorn herein erwidern und die erwähnte Einwendung als falsch angewandt Nachweisen müsien, wie das in der letzten Zeit wenigstens zum Theil wirklich geschehen ist. Die Emanzipationisten wollten indeß von keiner andern Unterscheidung der Juden außer der politischen wissen; sie haben darum Einwendungen, welche von anderen Differenzen hergenommen waren, wenn nicht überhaupt abgewiesen, regelmäßig falsch gedeutet. Sie antworteten auf den Borwurf der beibehaltenen Nationalität etwa damit, daß die Juden in den Freiheitskriegen mitgekämpft hätten, als sollten sie den Patriotismus der Juden beweisen. Der ist aber etwas durchaus Andres, wie man das überall, und wenn man ein speziell sich auf Juden beziehendes Beispiel haben will, z. B. an denen Hollands sehen kann, welche durch und durch Patrioten sind und dennoch wenigstens das, was die Gegner eigne Nationalität getauf haben, in hohem Grade besitzen. Aber man ist nicht bei so einfachen Verwechslungen stehen geblieben; neue Jrrthümer sind durch die Mißverständnisse der Reformatoren gekommen. Diese wurden nämlich, wie wir schon oben bemerkten, nicht durch unmittelbar religiöse, sondern durch soziale Bedürfnisse zu ihren Abänderungen und Planen getrieben und haben sich dem gemäß benommen. Auch sie waren durch den Vorwurf der Nationalität betroffen und gequält, und was thaten sie, um denselben Rzuweisen? Ihrem Prinzips getreu, daß allein die alte Form des Glaubens das neue Leben hemme und darum verändert werden müsse, warfen sie sich mit einer gewissen Wulh auf den Messiasglauben, als wenn (hört!) durch Aufgeden desselben die von ihnen also eingestandene Nationalität verschwinden würde. Ein solches Beginnen läßt sich nur aus einer zwiefachen Verwechslung erklären, nämlich aus der der Nationalität mit dem Patriotismus und dann dieses mit einem Glaubensartikel. Wie verschieden die beiden ersteren sind, haben wir so eben erwähnt; daß auch die beiden letzteren durchaus zweierlei sind, beweisen uns tharsächlich, z. B. die Juden Hollands, welche an aufopfernder Vaterlandsliebe schwerlich übertroffen werden können und doch zu den bigottesten unter ihren Glaubensgenossen gehören. Das von der orthodoxen Partei festgehaltene Dogma von den Zeiten der Erlösung kann übrigens seiner ganzen Natur nach durchaus keinen Einfluß auf das patriotische Gefühl seiner Bekenner ausüben. Zuvörderst nämlich ist aus religiösen Gründen dem altgläubigen Juden jeder Versuch zu einer genauem Bestimmung, oder Ausmalung der in Rede stehenden Verheißung eben so wenig erlaubt, wie etwa der zu einer Detailirung dessen, was in einem zukünftigen Leben unser wartet; selbst über den wesentlichen Unterschied der Messiaszeit von der unftigen ist man unter den höchsten Autoritäten noch keineswegs übereingekommen. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iV.Ngr. (i gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Avertissement. Zu drei Knaben wird auf künftige Ostern ein geprüfter Elementar- und Religionölehrer gesucht. Unreccichlsfahigkelt in französischer oder englischer Sprache wird dabei gewünscht. Nähere Auskunft auf frankicte Anmeldungen giebt W. A. Kohn in Wernek bei Schweinfuct.