Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1845)
- Date
- 1845-02-24
- Page
- Seite 124 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225399--06704-3236549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
124 Es verlautet sogar, daß bei dieser Zurückweisung einige Vorwürfe von dem Standpunkte, des Christenthums, dem man seine irdischen Vorrechte nicht schmälern dürfe, mit. untergelaufen sind. Bei der pietistisch-wartburgischen Denkungsart des Sekretairs dieses Kollegiums,. Dr. Beneke, ist dies nicht unmöglich, und wenn wir unsre Blicke nach Felsberg in der Schweiz wenden, wo Christen, andersgesinnte Christen nicht einmal aus Lebensgefahr retten wollen, so paßt dergleichen ganz wohl in unsre Zeit. Ob der Senat nur den Entwurf noch vor das Kollegium der Sechziger und vor den Konvent der Bürgerschaft bringt, steht dahin; jedenfalls sind die Aussichten schlecht, zumal . da man wol mit Sicherheit annehmen kann, die Oberalten haben nicht aus eignem Antrieb, sondern unter dem Einfluß der jungdeutschländischen Idiosynkrasien gehandelt. Welcher prophetische Geist war über unsern ehemaligen Bürgermeister Amseid gekommen, der als Referent in der Einleitung des am 20. Oktober 1814 hier der Bürgerschaft vorgelegten Gesetzes über die Bürgerrechte der nicht lutherischen Christen und der Juden (dieser letzte Theil wurde bekanntlich verworfen) sagte: „Der seit einigen Jahren vermehrte Religionsindifferentismus sichert keineswegs dafür, daß bei dem schon aufkeimenden Mystizismus die leichte Hinneigung der Menschen zur Schwärmerei nicht künftig wiederum die religiöse Seite ergreifen und jede Annäherung der Konfessionen unmöglich machen wird." Jedenfalls haben wir, die Freunde der Presse und der Oeffentlichkeit, eine schwere Rechenschaft von den klugen Diplomaten zu fordern, die aus vorgeblicher Zärtlichkeit für ihre Fensterscheiben nichts dringenderes zu thun hatten, als die Presse in dieser Angelegenheit rechts und links zu bemaulkorben. Bei öffentlicher selbst leidenschaftlicher Verhandlung wäre die Meinung aufgeklärt worden, die verächtlichen und selbst vom -Standpunkte des Eigennutzes total falschen Gründe der Gegner wären in ihrer Blöße, in ihrer Dummheit erschienen und — da selbst unsre vollendetsten Gegner nicht soweit gehen, jede Verbesserung und Regulirung zu verwerfen — so arg wäre es nicht geworden wie jetzt, wo nur die Wahl zwischen einer weitern aber glimpflichem Verwerfung und einem abermaligen 14öjahrigen Aufschub vorhanden ist. Durch sein bekanntes braunschweiger Lazzi hatsich der Dr. Salomon hier viele neue Feinde unter den Tartüffes erworben: — „Mr. le president ne vent par qu’on le jone." Bei dem öffentlichen Streit zwischen dem Dr. Kley und der Gesangbuchredaktion weiß man kaum, ob man mehr über die Wichtigkeit lachen soll, die von der einen Seite auf die Abfassung einer Anzahl gereimter Lieder gelegt wird, oder über die Gravität, mit der von der andern Seite über die schwere Arbeit gesprochen wird, vierhundert solcher Lieder zu ordnen und abdrucken zu lassen. — Einer unsrer ausgezeichnetsten Pädagogen Dr. Ree, hat sich die überflüssige Mühe genommen, in einem ernsthaften Buche zu beweisen, daß wir unseren Kindern das Jüdeln abgewöhnen müssen, damit sie überall gehöriges Bücherdeutsch sprechen. Im Tempel hat der Kandidat, Dr. Schwabacher, eine Predigt gehalten; dies ist derselbe junge Mann, der vor einiger Zeit in Leipzig gepredigt hat. Vor Kurzem haben hier zwei junge Kaufleute, ehemalige Juden, um 50 Lonisdor zum Besten der Armen gewettet, mit einer Mazza, an einem blauen seidnen Bande am Rocke hängend,, an der Börse zu erscheinen. Obgleich nun die Armen die 50 Louis-, dor erhielten, ward doch der Jugendstreich allgemein, getadelt; und zwar sagten die Christen: es ist abscheulich, daß abgefallne Juden die jüdischen Religionsgebräuche so verspotten! während die Juden sagten: wie dumm von diesen Neuchristen sich so öffentlich als Juden hinzustellen! Oesterreich. Wien, im Januar. (Privatmitth.) Das Amtsblatt der Wiener Zeitung veröffentlichte am Ende des vorigen Jahres eine Hauptübersicht der im Jahre 1843 in sämmtlichen österr. Provinzen außer Ungarn und den Nebenlandern Gebörnen. Die Zahl der jüdischen Geburten war in Oesterreich unter der Ems . . . > 136 Oesterreich ob der Ems . . . , — Steyermark.. . — Böhmen . .. , 1798 Mähren.. , . 1025 Oesterr. Schlesien ...... 53 Galizien . . . . . . . . . 9768