Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 9 (24.2.1845)
- Date
- 1845-02-24
- Page
- Seite 121 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Ich freue mich, Ihnen folgende, vorzügliche Petition, welche aus der Stadt Paderborn an den Landtag abgegangen, übersenden zu können. An die znm achten westphälischen Provinzial- Landtage versammelten hohen Stande! Bittschrift. Paderborner Einwohner um völlige politische und bürgerliche Gleichstellung der Juden. Es giebt keinen gebildeten Staat, dessen Bestreben nicht dahin gerichtet wäre, in seinen Einrichtungen und Gesetzen denjenigen Standpunkt zu gewinnen, welcher der ewige, göttliche genannt wird. Vor dem Throne des Allerhöchsten aber gilt kein Ansehen der Person, vor Ihm sind alle Menschen gleich. Gleichheit vor dem Gesetz ist die nothwendige Grundlage jeder politischen Einrichtung und jeder Gesetzgebung. Und dennoch ist es diese einfache Wahrheit, welche unser auf einer hohen Kulturstufe stehendes Vaterland schreiend verletzt. In unserm Vaterlande sind einer ganzen Klasse seiner Unterthanen um des Glaubens willen alle politischen und die wichtigem bürgerlichen Rechte entzogen, deren sich feine sammtlichen übrigen Unterthanen erfreuen. Sie sind dadurch als Kinder der Verachtung und Verfolgung gestempelt. Leider, wir müssen es gestehen, hat auch ein großer Theil der Christen nicht ermangelt, diesen Ausspruch der Gesetze als eine Richtschnur für eignes Handeln anzusehen. Diese Verachteten aber, von denen wir reden, sind — die Juden!, Ein heiliges Gebot des Christenthums sagt: ' „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich. selbst," und dennoch ist es dieses erste Sittengesetz, welches sich alle Christen, seit Stiftuug ihrer heiligen Religion gegen eine große Zahl ihrer Mitmenschen zu übertreten für berechtigt gehalten haben. Ja auch dieses Gebot ist schreiend verletzt worden. Wenn, wie unser göttlicher Erlöser lehrt, jeder Mensch dem Andern der Nächste ist, so hat das Christenthum aus dem Kreise der „Menschen" eine große Zahl Unglücklicher ausgestoßen, es hat sie seit beinahe zweitausend Jahren verfolgt mit allen Waffen des Haffes, des Neides und der Rachsucht. Die Unglücklichen aber, die wir meinen, sind — die Juden. Schwere Kämpfe sind es gewesen, durch welche Deutschland und vor Allem unser gemeinsames Vaterland, Preußen, von dem Joche der Fremdherrschaft frei geworden und zu seiner jetzigen Kraft und Blüte gelangt ist. Nur durch furchtbare Leiden hat es vermocht, den Frieden zu erkämpfen, dessen dreißigjährige Segnungen uns jetzt beglücken. Der Herrscher wurde seinem Volke, dem Herrscher wurde sein Volk wieder gegeben. Der Adel erfreut sich auf's Neue seines Besitzthums, in den Städten blühen, frei von altem Zwange, die Künste und Gewerbe, und der Bauer, der einst Knecht war, ist ein freier Mann geworden und baut jetzt seine eigne Scholle. Aber eine kleine Schaar unglücklicher Menschen ist ausgeschlossen von den Segnungen des Friedens. Ihnen allein entzog man selbst, was sie früher besaßen, sie allein müssen es fast bedauern, daß sie dazu beigetragen haben, Preußen aus den Ketten der Fremdherrschaft zu lösen. Auch sie kampftess rastlos mit Gott für König und Vaterland, auch sie standen nicht zurück, als es galt, Gut und Leben zum Opfer zu bringen, und sie stehen in Tragung aller Lasten und Abgaben auch augenblicklich keinem nach, auch sie halfen das Glück zu fördern, welches ihre Mitbürger seit dreißig Jahren genießen. Mit Recht fragt der Menschenfreund nach dem Grund des namenlosen Elends, welcher ein ganzer Staat und der größte Thekl seiner Unterthanen über die kleine Schaar der Unterdrückten verbreitet. Sind sie, weil Juden, Gottesläugner, sind sie Mörder oder sonstige Verbrecher, sind sie Unterdrücker der übrigen Menschheit, oder sind sie Feinde und Verräther unseres Vaterlandes, daß man es wagt, ihnen die unveräußerlichen Rechte der Menschheit zu entziehen, daß man sie aus dem Kreise derer ausschließt, welche das Christenthum zu lieben gebietet, daß man ihnen Rechte entreißen darf, welche sie durch zahllose Opfer erkauft habend Nein, nur das ist ihr Verbrechen, daß sie Abkömmlinge eines Volkes sind, welches das jüdische hieß, Abkömmlinge eines Volkes, welches den Kern pflanzte, aus dem der Baum der Christenthums entsprossen ist. Die Unterzeichneten Einwohner Paderborns sind tief durchdrungen von dem Gefühle der seit beinahe zwei Jahrtausenden in den Juden schmählich verletzten menschlichen Würde. Jeder Augenblick, der versäumt wird, das uralte Unrecht zu sühnen, fügt