Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1845)
- Date
- 1845-02-17
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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109 agoge hineinragt, so daß die Frauenhalle eine Art Gallerie in der Synagoge bildet. Die Aussicht ist gegen Osten, also gegen die Männerschule gerichtet, ist aber mit einem dichten Gitter bis an den Balkon verrammelt, so daß dem sündigen Blicke gar kein Raum gestattet ist; wenigstens ich meinerseits konnte kaum die Anwesenheit von Personen hinter dem Gitter wahrnehmen. — Der Gottesdienst. — Tritt man in die spanische Synagoge wahrend des Gottesdienstes herein, so bietet sich dem aufmerksamen Beschauer manches Eigenthümliche dar. Die beiden oben beschriebenen konzentrisch herumlaufenden zwei Banke, sind dicht besetzt. Ihre Inhaber, meistens orientalisch gekleidet, Kopf und Nacken mit einem Talis bedeckt, die Füße — nach orientalischer Sitte — kreuzweise unterschlagen, die Schuhe auf einen Schemmel neben sich; besonders ist dieß der Fall bei den Rabbinen (deren sie mehrere haben) und dem sonstigen synagogalen Dienstpersonal. In der Versammlung herrscht eine feierliche Stille, während der Vorsänger die Gebete laut, vernehmlich aber einfach ohne Gesang und Ziererei in einem sehr wohlklingenden Hebräisch nach spanischer Weise ausgesprochen"), vorträgt. — Von Zeit zu Zeit wird diese feierliche Stille durch ein einstimmiges Amen-Rufen, durch Refrains und Choralgesänge (die in die Solopartieen des Vorsängers harmonisch einfallen) unterbrochen. Alle diese Synagogalmelodieen sind stereotyp (so daß sie schon jedes Kind kennt). Ihr Charakter einfach, würdig und mitunter wirklich herzerhebend. Das Aeußere des Gottesdienstes ist also im Allgemeinen würdig, nur wäre etwas mehr Ordnung und Disziplin zu wünschen, so wie der leidige Mizwothveckauf, dieses unwürdige, das Gotteshaus hier wie überall profanirende Lizitationsakt) wegzuwünschen. Der spanische Ritus selbst (nb^r->N Nvid) ist von dem polnischen und deutschen sehr abweichend, theils hinsichtlich einiger verbalen Variationen, theils durch die Auslastung ganzer, in der polnischen und deutschen Synagoge sehr in Kredit stehenden Gebetformeln, endlich theils durch das Vorhandensein ganz eigner im polnischen und deutschen Ritus unbekannter, hier aber sehr geachteter Gebete und Gesänge. — Was die, diesem Ritus ekgenthümlichen Verbalvariationen betrifft, so hält er sich vorzüglich an den maimonidisch-sephard'schen (Rambam, *) Wie Baruch atäh u. s. w. und zwar immer mit Betonung des Iad Hachasakäh T. I. Ahawäh). Was die Auslastung von Gebeten betrifft, so findet sich bei ihnen keine Spur von all' den Piutim, Jozros, Pismonos, Selichos, Kinos, Schalmonios rc. die in den polnischen und deutschen Synagogen, Chasan und Kahal so viel zu schaffen machen. — Ja selbst von den sogenannten Tesilos an den heiligen Fest- und Bußetagen (n'H und bV) findet sich hier keine Spur, und so wird der Morgengottesdienst am Neujahrstage (Roschhaschanüh) in der orthodoxen spanischen Synagoge um elf Uhr Vormittags beendiget (freilich werden hier statt der mbip na?a nur etwa 42 zugezählt). — Was endlich die dieser Synagoge eigenthümlichen Gesänge und Gebete betrifft, so zeichnen sie sich durch ihre würdige Haltung, ihren präzisen, korrekten klassisch-hebräischen Styl und durch ihre klare und empft'ndungsreiche Diktion, vor dem Piutim k. in den anderen Synagogen bei weitem aus. Es ist besonders in ihnen das Verhältniß des Menschen zum alleinigen, höchsten Gotte, richtig und würdig aufgefaßt; und selbst da wo Israels Erwählung zur Sprache kommt, so ist dieses auf eine so ansprechend sinnige Weise ausgeführt, daß es erhebt ohne zu verblenden, oder bester, daß es Israel zu Gott emporhebt, keineswegs aber Gott zu Israel herabziehet. — Unklare midcasch'sche Anspielungen und dergleichen Mystifikationen sind hier nicht beliebt; und in der That, wie sollte auch ein Ben-Gabirol, Ben-Esra, Kimchi und die anderen unsterblichen sephard'schen Klassiker ihre heiligsten Gefühle und erhabensten gottgeweiheten Empfindungen anders, als in solchen Gebeten, Hymnen und Gesängen ausdrücken?") — Eine Schatttenseite des spanischen *) Wir wollen als Paradigma ein Paar Piecen aus der spanischen Tesila hersetzen. I. nvb-i zu nan» von R. S. Ben Gabirol: , nmpi -pa bsu: , rrn bso ■sva 2ÄNd Ta "psb; iwan NN2 aiTa yp ya -im! abw ♦ nmaa naap nsbwa yiV'b-» ab TTjn.— , “ibbrrvTiabtt ,-iViro —? Nbbi n?2b nna hv Tai ,an ■»bab» II. rvm zu naiaa am tt:iü von Abraham Ben Esra : .ti bab ITT1 iTam ‘»ab pn bab a^i-ibab töös i-iabis .Tn man Ta-p ab ^b ,Ta -m baai Taaa ti ba° fiöbaa niaia , rtjrtäi ’ NL-»a , niaana bb a^ia ° rn ba tt>»