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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-02-17 · Heft 8 (17.2.1845) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 8 (17.2.1845)
Date
1845-02-17
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 der Juden. Wir würden diese mit dem Scheine genauer Sachkenntniß geschriebene Beurtheilung mit den darin offen ausgesprochenen und versteckt liegenden Angriffen unbeachtet lassen, wenn sie nicht zugleich beabsichtigte, das gute Vernehmen, in welchem wir zur Stadtverordneten-Versammlung stehen, in einem falschem Lichte darzustellen, und indem sie uns der Beleidigung derselben anklagt, zu untergraben. Daher möge hier die Erzählung des wahren Herganges der Sache folgen: Zum Vorschläge und zur Ausarbeitung von Petitionen, welche Seitens der Stadt Königsberg dem nächsten Landtage einzureichen sein möchten, war in herkömmlicher Weise eine aus Mitgliedern der Stadtverordneten-Versammlung und unsers Kollegii gebildete Kommission zusammengetreten. Unter den Petitionen, welche dieselbe uns vorlegte, befand sich auch die wegen Emanzipation der Juden; sie wurde bei uns gleich den übrigen Gegenstand genauer Erörterung, fand aber bei der Majorität unsers Kollegii keinen Anklang, und so theilten wir der Stadtverordneten-Versammlung mit, daß wir die Anbringung derselben ablehnen müßten. Die Stadtverordneten-Versammlung antwortete uns, daß sie alle von der Kommission vorgeschlagenen Petitionen und auch die wegen Emanzipation der Juden, nachdem zu dieser noch der' Antrag auf Zulassung der Ehen zwischen Christen und Juden hinzugefügt worden, einstimmig genehmigt habe, und sprach die Hoffnung und Bitte aus, daß wir uns auch, in Beziehung auf die letztere Petition ihrem Beschlüsse anschließen möchten. Bei dem Vortrage zeigte sich in unserm Kollegio mehr Sympathie für den Gegenstand als früher, und kann es füglich dahin gestellt bleiben, ob dies in der erwähnten Erörterung des Antrags, in dem Wunsche, den Ansichten, oder in anderen Ursachen seinen Grund hatte. Dabei kamen aber auch dieAeußerungen mehrerer Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung zur Sprache, da sie und andere ihrer Kollegen eigentlich gegen die Emanzipation der Juden seien, und bei der Berathung der Petition sich nur durch die Anwesenheit der jüdischen Mitglieder der Versammlung an der freien Aeußerung ihrer Meinung hätten verhindern lassen. Die Aufklärung dieses Umstandes mußte der Stadtverordneten-Versammlung nicht weniger wünschenswerth sein als uns selbst, damit über die Gewißheit ihrer Stimmung hinterher keine Zweifel aufrauchen konnten. Ehe wir I daher zur nochmaligen Abstimmung über Anbringung der in Rede stehenden Petition schritten, kleideten wir das angeregte Bedenken, alle Persönlichkeit aus dem Spiele lassend, in die allgemeine Frage, ob bei der Berathung der Petition und bei der Abstimmung über dieselbe die jüdischen Mitglieder der Stadtverordneten- Versammlung zugegen gewesen waren? und ersuchten die letztere im bejahenden Falle um die nochmalige Abstimmung ohne Beisein ihrer jüdischen Mitglieder. Die Sitzung, in welcher gerade am nämlichen Tage die Wahl eines Landtagsabgeordneten vorgenommen werden sollte, bot hierzu die passendste Gelegenheit, weil dis erwähnten Mitglieder den dastehenden Gesetzen gemäß davon ausgeschlossen waren. Die Stadtverordneten-Versammlung von den Motiven zu unserer Anfrage und Bitte augenblicklich nicht unterrichtet, was auch zur Herbeiführung eines unparteiischen Beschlusses eher zweckmäßig als nachtheilig sein möchte, pflichtete zwar der Erheblichkeit unserer Anfrage nicht bei, ging aber dennoch darauf ein, und antwortete uns, daß ihr früherer Beschluß einhellig gegen eine einzige Stimme beibehalten worden wäre. Nunmehr kam die Petition auch bei uns zur nochmaligen Abstimmung und die Majorität unsers Kollegii sprach sich für die Anbringung derselben aus. Jeder Unbefangene wird aus dieser Darstellung erkennen, daß es sich hier um nichts weiter als um eine Verständigung zwischen den Hand in Hand gehenden beiden städtischen Behörden handelte, wie sie in vielen Gegenständen ihrer Verwaltung vorkommt, und die nur aus dem Grunde eine größere Aufmerksamkeit erregt, weil der Gegenstand von allgemeinem Interesse ist. Königsberg, den 31. Januar, 1845. Magistrat Königl. Haupt- und Residenzstadt. Oesterreich. Prag, 4. Februar. (Privatmitth.) Freudig wurden wir hier diese Woche durch die frohe Sage überrascht, daß Ein hohes k. k. Landesgubernium den bisherigen Provisor. Direktor und Senior der israel.- deutschen Hauptschule Herr Marcus Winternitz zum wirklichen Direktor dieser Schule ernannt habe. 62 Jahre sind es jetzt, daß diese Hauptschule, die Alma Mater aller Israel. Hauptschulen Deutschlands, auf den Wink, des großen in Gott ruhenden

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