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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-02-17 · Heft 8 (17.2.1845) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 8 (17.2.1845)
Date
1845-02-17
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 da fand sich sogleich eine ungeschickte Feder, die holpernd und stolpernd darzuthun sich abmühte, daß der Vorstand durch das Reskript nichts gewonnen, daß Geiger trotz der Anerkennung der Ministerien hier nicht Rabbiner sein dürfe, und daß der Herr G. Tiktin, trotz der verworfenen Wahl, Rabbiner werden und bleiben müsse. Woher dies kühne Auftreten gegen eine hohe Verfügung kam, wußte man sich allerdings nicht zu erklären; aber so sehr es befremdete und zu scharfem Eingreifen von Seiten des Vorstandes aufforderte, blieb dieser dennoch ruhig und mäßig, um den vielleicht günstigen Augenblick nicht durch Leidenschaftlichkeit nutzlos zu machen. Da, um nichts unversucht zu lassen, sind sogar einige angesehene Männer aus dem Vorsteherkollegium bei Herrn Liktin gewesen, um ihn zu einer gütlichen Ausgleichung zu bewegen. Und nicht ohne Opfer sollte dies geschehen: man bot ihm, natürlich nicht offiziell, die zweite Rabbinerstelle jan, wenn er sich bereit erklärte, ferner nichts zur Aufregung der Gemüther beizutragen und den Frieden in der Gemeinde befördern zu helfen. Alle Vorstellungen, alle Ueberredungskunst blieb fruchtlos. Man entschuldigte sich, man stellte sich ungemein gottesfürchtig, man beschwor die Manen des Hingeschiedenen Vaters, man bedauerte, beklagte — aber — man wich keinen Fuß breit. — Wie, ein Mann, der nie Rabbiner gewesen, der auf keinerlei Weise seine rabbinische Befähigung noch dargethan, dem man, um der Ruhe und des Friedens willen, eine zweite Rabbinerstelle in einer großen Gemeinde anbietet, von dem man keine Zeugnisse, keine Proben verlangt, sondern auf Treu und Glauben alles hinnimmt, und der, wenn er sich mit. dieser Stelle begnügte, augenblicklich der Gemeinde den Frieden geben könnte; der erröthet nicht dazustehen als der Plagegeist, als der.stete Ruhestörer der Gemeinde, bloß weil es ihn verdrießt, einem Andern nachzustehen? Der wagt es seine Handlungsweise mit dem Deckmantel der Frömmigkeit zu beschönigen, und das Andenken, die Manen des frommen Vaters heraufzubeschwören und zu Eigennutz und kleinlichem Vortheil zu mißbrauchen? Und uns denkt er mit der blaffen Heiligenmiene zu täuschen? Wir sollen nicht wahrgenommen haben, wie nur das Prädikat „erster" ihn stachelt und zum Widerstande reizt? Wahrlich, wenn das nicht der krasseste Unverstand ist, dann ist es freilich noch etwas schlimmeres! — Doch da nun auch dieses fehlschlug, ließ das Obervorsteherkollegium eine Aufforderung an alle Kandidaten ergehen, die etwa Rücksicht auf die hiesige zweite Rabbinerstelle zu nehmen gedächten, sich binnen zwei Monaten, mit gehöriger Legitimation über ihre Befähigung, zu melden. Weil man immer noch glaubte, es würde der Sinn des Herrn Tiktin sich ändern, zumal ihm vom Polizeipräsidium eine Weisung zugekommen war, die ihm untersagte ferner rabbinische Funktionen auszuüben, wollte man auch ihm die Wege zur Bewerbung nicht versperren, und stellte daher die Anforderungen an die Herren Kandidaten so mäßig, als es nur immer geschehen konnte, was vielleicht Manchem auffallend erschienen sein mag. Hierdurch glaubte der Vorstand der Vorschrift der Ministerien, und zugleich den Vertretern der Altgläubigen genug gethan zu haben, und durfte der gerechten Hoffnung sich hingeben, die Gegenpartei würde, durch solche Großmuth beschämt, reuig zur Gemeinde zurückkehren. — Aber wir hatten uns arg getäuscht; es konnte nicht schlimmer kommen. Es dauerte nicht lange, da lasen wir eine breite Erklärung, mit namenloser Frechheit und Unverschämtheit abgefaßt, die die etwaigen Kandidaten warnte, Rücksicht auf diese Stelle zu nehmen, und die zugleich Zeugniß ablegte, daß die gottesfürchtigen Alten um keinen Preis den Frieden wollen, daß sie vielmehr entschlossen seien die Zerrissenheit und den Bruch in der Gemeinde unheilbar zu machen. Ueber diese schamlose Hintansetzung aller Rücksichten empört, und von den niedrigen rachsüchtigen Beweggründen der Oppositionspartei nunmehr überzeugt, trat sogar einer der angesehensten und wärmsten Anhänger Tiktins von seiner Partei offen zurück, und erklärte in einem Schreiben an den Vorstand, daß er sich gänzlich von den unzeitgemäßen Bestrebungen der Altgläubigen lossage, und seinen Namen nicht ferner als Vertreter jener Partei genannt wissen will. — O, es ist traurig, daß in dieser schweren ahnungsvollen Zeit, wo es sich darum handelt Israels schmachvolle Vergangenheit durch endliche Anerkennung der Menschenwürde in ihm zu versöhnen, daß da in Israels Mitte, unseren Feinden und Widersachern gegenüber, solch pöbelhafter Skandal, solch unwürdiges Schauspiel aufge-

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