Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1845)
- Date
- 1845-02-17
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Es folgt Aachen, wo die Emanzipation der Juden in einer besondern Petition beansprucht wird. Nicht minder wurde in Bonn in der Petition unter 3. „die völlige bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden" erbeten. In Düsseldorf ist eine gleiche Petition bereits mit zahlreichen und achtbarsten Unterschriften versehen. Auch in Dortmund ist unter 12. Emanzipation der Juden zu petitioniren beschloffen. Wie es korrespondenzlich uns mitgetheilt worden, hat die Stadt Bielefeld ebenfalls eine gleiche Petition erlassen. — Daß in Königsberg von den Stadtverordneten ohne den Magistrat eine Petition um Emanzipation der Juden beschlossen ist, haben wir bereits in vor. No. gemeldet. Doch ist dies die einzige bis jetzt in den diesseitigen Provinzen. Jndeß werden wir den Lesern bald von anderen Orten dergleichen bemelden können. Breslau, im Februar. (Privatmitth.) So oft ich daran gehe, über Zustände der hiesigen Gemeinde an öffentliche Blätter zu berichten, überkömmt mich ein peinliches Gefühl des Unmuths und des Mißbehagens; es wird einem ehrlichen Manne, der die Riffe und Spaltungen in Israels Mitte nicht noch vergrößern, sondern die feindlichen getrennten Glieder gern zu einem schönen harmonischen Ganzen vereinigen möchte, oft sauer, wenn er zur getreuen Darstellung der Sachlagen die Feder ergreifen soll. Ich möchte nicht gern mit scharsgespitzter Feder schreiben, ich möchte sie, statt in gerechten Zornes Gluten, in frommer Schonung friedliche Lammmilch tauchen, um ihr jeden Stachel, der verwunden, jede Schärfe, die verletzen könnte, zu benehmen. Aber wer, wie wir, beständig das leibhafte Bild des Starrsinns und der Böswilligkeit vor Augen hat, wer wie wir, seit fünf vollen Jahren vergebens auf den Sieg des Bessern über graues Vorurtheil und stvrriges trotziges Anklammern an schädliches Altes gewartet, wer endlich wie wir, alle Mittel zur gütlichen Ausgleichung und freundlichen Annäherung versucht und, statt auf liebreiches Entgegenkommen, auf die absurdesten Schmähungen und häßlichsten Verfolgungen gestoßen; der wird wol leicht einsehen, daß mehr als menschliche Nachsicht und menschlicher Gleichmuth dazu gehört, immer mäßig und ruhig zu bleiben, der gerechten Bitterkeit und Aufwallung des Herzens keine Worte zu geben. Denn unsere Angelegenheiten erregen nicht nur in unsrer Nähe, sondern auch in der weitesten Ferne die tiefste Indignation, und nicht selten mag es geschehen, daß Fernstehende irre an uns werden, daß sie geneigt sein mögen, einen Theil der Schuld auch den Vorwärtsstrebenden, der Reformpartei zur Last zu legen. Sie selbst, hochwürdiger Herr Redakteur, haben in No. 4 Ihres geschätzten Blattes vorübergehend unsrer Angelegenheiten gedacht, und den tiefsten Schmerz über die annoch hier herrschende Verworrenheit und starre Entzweiung blicken lassen; Sie meinten, der gute Wille zu einer gütlichen Versöhnung scheine zu fehlen. Ja, Sie haben's getroffen, das ist das rechte Wort! Der gute Wille! Aber welcher Partei mangelt er wol? Nun, man braucht nur die traurige Geschichte unseres Zerfalls flüchtig durchzugehen, um das herauszubringen. Und es ist erst nicht nöthig in die geheimen schmuzigen Umtriebe der sogenannten Oppositionspartei einzudringen, man braucht nur zu wissen, so viel in öffentlichen Blättern davon bekannt geworden — und wir haben uns gescheut alle Gemeinheiten jener Partei an die Oeffentlichkeit zu bringen — um zu erkennen, wem der gute Wille gefehlt und bis zum heutigen Tage noch fehlt. Vor einiger Zeit schien es, als ob die eisige Starrheit der opponirenden Gemüther weichen, und als ob es Frühling werden wollte. Das Ministerialreskript schien diese Sonne zu sein, die uns mit ihren milden Frühlingsstrahlen den Lenz verkündete; da singen wir an guter Dinge zu werden, machten Thür und Fenster auf und ließen die langentbehrte frische Frühlingsluft unser weites offenes Herz umspülen — aber über Nacht verfinsterte sich der Himmel, die Sonne zog sich zurück und als wir erwachten^ lag der Winter wieder starr und frostig da. — Als das hohe Reskript hier angelangt war, that der Vorstand sogleich die geeignetsten Schritte zu einer friedlichen Versöhnung, obwol es an jenen gewesen wäre, sich zuerst dem Vorstande, als der im Rechte stehenden Partei, zu nähern, aber vergebens. Der Inhalt des Reskripts wurde in den hiesigen Zeitungen ohne allen Zusatz, ganz ohne Kommentar veröffentlicht,