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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-02-17 · Heft 8 (17.2.1845) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 8 (17.2.1845)
Date
1845-02-17
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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99 So trauert nimmer: der Symbole Welt Ruht langst im Schooße der vergangnen Zeiten — Doch hell erhob die Welt sich des Gedankens, Der Lehre Reich erbaute auf den Trümmern Mit starken Säulen sich und hohen Zinnen: Da steht das Wort des Herrn als goldne Lade, Und die Erkenntniß ist der erzne Altar, Die Priester — wir, wir bringen freudig dort Die starke That als heil'ges Opfer dar. Als Weihrauch das Gebet, und in der Flamme Steigt unser Geist versöhnt zum Gott der Liebe! Zeitungsnachrichten. Preußen. Magdeburg, 8. Februar. (Privatmitth.) Sehr lebhaft weilt in unser Aller Erinnerung noch der rheinische Landtag des Jahres 1843, welcher die Gleichstellung der Israeliten so energisch beansprach. Nicht minder erinnern wir uns der kräftigen Petitionen, welche die bedeutendsten rheinischen Städte um diese Gleichstellung an den Landtag richteten. Aber auch das ist uns noch bewußt, wie nach dem glänzenden Votum des Landtags eine gewisse Klique mit aller Gewalt eine Volksaufregung gegen die Juden Hervorbringen wollte, was ihr am Ende doch nur — in Gesecke gelang. Die Eröffnung des Landtags ist nahe, und trotzdem auf jenes Votum von Seiten Sr. Majestät eine weder bejahende, noch verneinende Antwort erfolgte, sehen wir im Rheinland abermals die nachdrücklichsten Schritte zu Gunsten der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten geschehen. Sammeln wir die Nachrichten hierüber. Den Reigen eröffnete die Stadt Köln. Es ist hier die dritte der Petitionen die „um völlige politische und bürgerliche Gleichstellung der Juden," und lautet: „Der Antrag auf völlige politische und bürgerliche Gleichstellung der Juden, den der siebente rheinische Landtag zu den Stufen des Thrones niedergelegt, bildet eines der schönsten Blätter in der Geschichte dieses Landtages. Durch ganz Deutschland hallte der Jubel wieder ob eines Votums, das, fußend auf die natürliche, unveräußerliche Rechtsgleichheit Aller, für die seit Jahrtausenden schmählich unterdrückte Menschenwürde der Bekenner eines andern Glaubens in die Schranken trat, und dem Gewissen der Juden, wie dem Gewissen der Christen die absolute Freiheit, ihrem Geiste das unverkürzte Recht seiner allseitigen Entwickelung und Bethätigung vindizirte. Der siebente rheinische Landtag war von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der ganze Organismus des Staates krank sei, so lange einzelne seiner Glieder von seinen Rechten und Pflichten ausgeschlossen sind; er war überzeugt, daß die Rechtsgleichheit aller Staatsbürger die erste Stufe auf der Leiter des Fortschrittes zur Freiheit und Humanität sein müsse: Rechtsgleichheit heischt das christliche Gebot der Nächstenliebe, Rechtsgleichheit heischt die politische Idee unseres Jahrhunderts, Rechtsgleichheit ist die unabweisbare Forderung der fortgeschrittenen Intelligenz, Rechtsgleichheit ist die Grundlage, so wie die einzig dauernde Gewähr für das Recht und die Freiheit Aller. Die Bitte um bürgerliche und politische Rechtsgleichheit der Juden bedarf nach dem schönen Vorgänge des siebenten rheinischen Landtages beim achten rheinischen Landtage keiner nähern Begründung. Auch des Königs Majestät haben im Landtagsabschiede die Erfüllung dieser Bitte des siebenten Landtags allergnädigst in Aussicht gestellt; aber jeder verlorne Augenblick ist kostbar, wenn es sich um die heiligsten Interessen der Menschheit, wenn es sich um die Aufhebung eines das Gewissen der bevorrechteten Christen belastenden, mit der göttlichen Lehre des Christenthums im Widerspruch stehenden Druckes handelt. Damit der Augenblick der gewährten völligen Rechtsgleichheit der Juden schneller nahe, damit eine schwere Schuld der heutigen Gesellschaft schneller getilgt und die Bahn zu weiteren Fortschritten geebnet werde, richten wir an eine hohe Ständeversammlung die gehorsamste Bitte, noch ein Mal laut ihre Stimme für die heiligsten Interessen der, in den Juden noch unterdrückten Menschheit, der Freiheit und Humanität zu erheben und bei Sr. Majestät dem Könige den Antrag auf völlige politische und bürgerliche Gleichstellung der Juden zu erneuern und um dessen baldige gnädigste Erfüllung zu bitten. Köln, den 16. Januar 184b." Diese Petitionen sind auch vom Oberbürgermeister, den Stadträthen und vielen Notabel» der Stadt unterzeichnet.

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