Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1845)
- Date
- 1845-02-10
- Page
- Seite 95 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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95 .Verse des hebräischen Textes vom Vortragenden eine spaniolsche Uebersetznng derselben (bald extemporirt, bald stereotyp) erfolgte*). Dieser Gebrauch in einer orthodoxen, ihre Traditionen so innig bewahrenden Synagoge, wie die spaniolische, ist um so interessanter als er einerseits an Meturgemon (Dolmetscher) der Talmudisten erinnert, so wie er andererseits zur Genüge zeigt, daß der Gebrauch der Volkssprache in der Synagoge zu Erläuterung der Gebete und selbst zu selbstständigen Gebeten, ein alter echt jüdischer-ist, und keinesweges (wie manche orthodox-sein-wollenden Gelehrte in Deutschland behaupten) als ein junger fremdartiger Reiser im Garten Gottes dastehet. — Der Ritus der Spaniolen bietet einiges Eigenthümliche, Interessante dar, was wir hier in den Hauptzügen mitzutheilen gedenken. — Zuerst das Gottehaus selbst. Ihre Synagoge (Beth-Harsiläh) in Bukarest ist in einem Hofe plazirt. Durch eine einfache, keine besondere Merkwürdigkeit darbietende Vorhalle, gelangt man in das Innere derselben. Hier erblickt man einen großen Quadratsaal mit einer hinreichenden Anzahl von großen, gothischen, Fenstern versehen. Die Decke aus braunen hölzernen Balken bestehend, hat in der Mitte (über dem Baal-Memmer) eine große runde Oeffnung, worauf eine Art Kuppel ruhet die auf allen Seiten mit kleinen Fensterchen versehen ist. Der Fußboden ist aus Quadersteinen. Die Wände bei Weitem nicht mit so *) Wir wollen als Paradigma, zwei Verse von einem miFrtKb nun von Rabbi S. Gabirol, der am ersten Tag manaiö in der spanischen Synagoge abgesungen wird, hierher setzen: Vers 1. hebr. -riaaa lvfi , "Tiara' .D^wn , 1^27 ,!-M btfn span. ittaib ■pa "ö , ninsosn yitimp *»a uTKa ,nradip^ rn b*’« riN ■»ata , •nKöMnaip .ÜfiMiT»*! Ö«*D8bKB VIV Vers 2. hebr. «vn , na^y ftä-p rnni , nararr nbö-» a*is-n .ö-niyaa yanb ,na2tz span, naaia rr löbip rrnrr's bt* t* ^112 , nn b*w ■»« , rtnbRüT® .‘TWäS’Ä T1TÄ und so z. B. manche riin^bv am öv>, die irriüBrt (paraphrastisch) und manche ma*>p am ii3>ran , worunter besonders jene über msba ainn hiw. 1 vielen Ausschriften und Gebetformeln (^ILN ''N'') belegt wie die polnischen und altdeutsche Synagogen. Rings um die vier Wände läuft eine einfache Bank, die nur an der östlichen Seite in der Mitte, durch ein doppeltes Geländer, das vermittelst einiger Stufen, zum Allerheiligsten (Hechäl-Hakodesch — raTiptt ym) führt, unterbrochen wird. Die ganze Misrachwand ist, im Vergleich zu dem, was man der Art in polnischen und altdeutschen Synagogen findet, höchst einfach. Da findet man keine monströsen Ungeheuer von beflügelten Löwen, Tigern und Hirschen, von vierfüßigen Vögeln und anderen Schnöckeleien und Geschöpfen einer ungezügelten Phantasie, die dem Karakter des Iudenthums mit seinem einheitlichen, un körperlich en, re in geistigen Gotte, so schnurstracks zuwiderlaufen; daß man wahrhaftig erstaunen mußte, solche verdächtige Bilder in jüdischen Synagogen vorzufinden, wenn nicht öfteres Wiederfinden an ihre Erscheinung gewöhnt hätten; tiefer beobachtende Nichtjuden jedoch wunderten sich schon gar manchmal über den Kontrast der synagogalen Lehre und des Geistes ihrer Gebete mit ihrer — Misrachwand*). — Ein schöngestückter seidener Vorhang in einiger Erhöhung mit einer kleinen Tafel worauf fntr geschrieben stehet, darüber, bezeichnet in der spanischen Synagoge den Ott der Bundeslade auf eine einfache aber höchst würdige Weise. — Der Baal-Memmer (auch von ihnen ttaai und , genannt, —Altar) stehet in der Mitte der Synagoge; er unterscheidet sich dadurch von dem gewöhnlichen in polnischen und deutschen Synagogen, daß zu ihm nur eine Treppe hinaufführt und zwar auf der Westseite; eine cingsumherlaufende Bank umgiebt ihn. (Fortsetzung folgt.) *) Eine sehr hohe Person, die einmal mit ihrem Besuche eine Synagoge in einer bedeutenden Gemeinde Galiziens beehrt hatte, machte den dasiegen, sonst nicht ungebildeten Rabbiner auf diesen Widerspruch anfmerksam. Er aber, in seiner Verlegenheit, und weil sich auch wirklich nichts Gescheutes darüber sagen läßt, antwortete — risuin teneatis — diese Bilder wären da, um die kleinen Kinder in die Synagoge zu locken! — Korresp.