Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1845)
- Date
- 1845-02-10
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
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90 zerstörend. Welches Mittel scheint nun geeigneter und wirksamer zu sein, diesem Nebel entgegenzutreten als Schulen? Wir sind der sichersten Ueberzeugung, daß solche nicht nur keine Hinderniffe, sondern den Beifall der Orthodoxie finden werden. Sie ist trotz der öftern Unklarheit ihres Wollens äußerst konsequent. Ihre Anhänger verpönen ihren Söhnen Wissenschaftlichkeit und Bildung, weil sie sehr wol wissen, daß die Aufklärung der Observanz in den Weg tritt, und da sie jede Unterlassung selbst der bedeutungslosesten Zeremonie als einen Schritt zum Abfall betrachten, so schneiden sie die Möglichkeit derselben ihren Söhnen ab, und verwahren sich gegen dieselbe unter Schloß und Riegel. Zn schadlosen Fächern, Schreiben und Lesens, hingegen sind sie bereit ihre Kinder unterrichten zu lassen, ohne die geringste Bedenklichkeit zu erheben, da sie selbe im öffentlichen Leben nöthig haben. Zn der Regel wird das weibliche Geschlecht in den Zweigen der Wissenschaft, die mit der offenbarten Lehre über Gott, Welt und Religion, in Kollision kommen könnten, nur selten unterrichtet; was hätte nun die Orthodoxie gegen solche Schulen, wo die Töchter in nöthigen Lebenskenntnissen und in der Religion nach wahrhaften mosaischen Grundsätzen unterwiesen werden, einzuwenden? Welche erheblichen Gründe könnte sie gegen Sittlichkeit, Anständigkeit und Moralität heranbringen? In der That meinen wir, an diese Schulen keine andere Forderung zu stellen, als ihre Zöglinge jener Gesittung zuzuführen, die sie haben müssen, wenn sie die von der Natur und von dem Staate angewiesenen Wichten als Gattinnen und Mütter erfüllen sollen. Bedenkt man, daß die Erziehung der jungen Kinder nur ihnen allein ausschließlich obliegt; berücksichtiget man auch den Einfluß auf das ganze Leben, die jene Erziehung äußert, so wird die Nothwendigkeit derselben noch fühlbarer. Die-Liebe der Mütter zu ihren Kindern ist noch keineswegs genug die Kinder glücklich zu machen, eine weise Erziehung allein ist dazu geeignet. Es ist daher die Aufgabe derer, die mit der Lage der Js- *) Darum findet man viele die das Schriftliche, nicht aber das Gedruckte zu lesen verstehen. Korresp. raeliten Galiziens genau vertraut sind und Ansehen haben, Hindernisse aus dem Wege zu räumen, durch dieses Mittel Wohlthäter ihrer Mitbrüder der gegenwärtigen und kommenden Zeiten zu werden. Die Hauptstadt scheint auch hier mit edlem Beispiele voranzugehen, denn wie in Ihrem Blatte berichtet wird, soll mit der Knabenschule auch eine für Töchter verbunden sein; jedoch wäre zu wünschen mehr auf Erleuchtung als auf glänzende Bildung zu sehen. Noch ist es für israelitische Mädchen dieses Landes nicht nöthig die französische Sprache zu lernen, vielmehr wäre passender und nützlicher über Schicklichkeit und Anständigkeit sie zu belehren, Kenntnisse von einem geordneten Hauswesen beizubringen, und derlei Gegenstände die in's Leben eingreifen; denn der Krämergeist, der die meisten Frauen hier zu Lande beherrscht, führt mit sich eine Legion von Uebeln. Unbesorgt um das Wohl ihrer Kinder, um ihr Hallswesen, verläßt die israelitische Frau, noch bevor der Morgen anbricht, ihr Haus, eilt in die Bude, um ja früher als ihre Nachbarin den Kram geöffnet zu haben. Die Kleinen werden so schnell als möglich angekleidet, um sie in die Schule zu schikken, die noch unreiner und ungesunder ist, als ihre elterlichen Wohnungen. Wer kennt nicht die unzähligen Hautkrankheiten, von denen die jüdischen Kinder Galiziens geplagt werden, bis sie in ein reiferes Alter gelangen, um über die Vernachlässigung bittere Klage zu führen? , Wir wiederholen es, daß nur Schulen in unserem Sinne geeignet wären, allen diesen Plagen ein Ende zu machen. M. A. Großbritannien. London, 1. Zanuar. Nach der V. of Jac. ist die Ordnung in Mogador wieder hergestellt, und die zerstreueten Israeliten kehren dahin zurück. Die Sammlung zu ihren Gunsten hat ihren Fortgang. —. In Launceston, in Van-Diemensland wird jetzt ebenfalls eine Synagoge gebaut. Männer von jedem Glauben haben dazu beigesteuert, und bereits 700 L. St. (fast 5000 Thlr.) gesammelt. —. Die V. of Jac, geberdet sich lächerlich glücklich über die Oberrabbinenwahl. Einmal nennt sie den neuen Oberrabbinen „einen klugen General" (!), ein ander Mal sagt sie, der Umstand, daß der neue