Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1845)
- Date
- 1845-02-10
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
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89 M Friedland, 29. Januar. (Privatmitth.) Durch das Zusammentreten der Landstande, welches k. M. geschehen soll, wird wiederum so manche Hoffnung in den Gemüthern unserer Glaubensbrüder erwachen; möchten doch in diesem Jahre diese Erwartungen in Erfüllung gehen, und nicht wiederum Verheißungen das Resultat dieser Hoffnungen sein. — Der resp. Vorstand der königsberger Gemeinde hat an den hiesigen die Aufforderung geschickt, sich einer Petition an die Stände um völlige Gleichstellung anzuschließen. Wie ich höre, soll der hiesige Vorstand diesen Antrag nicht angenommen haben, und es soll nun von hier aus eine besondere Petition abgeschickt werden. — —. Während man jetzt in jeder größer» Gemeinde einen der Zeit angemessnen Gottesdienst findet, vermißt man hier denselben ganz und gar, und werden nicht einmal Anstalten getroffen, ihn. je in's Leben zu rufen. — Die „Gesellschaft der Freunde" hat ihren fünfundzwanzigjährigen Bestand durch Austheilung des Winterholzes an die Arme, und Bezahlung des Lehrgeldes für arme Lehrlinge sehr würdig gefeiert. L. Stettin, 28. Januar. (Privatmitth.) Als ein Zeichen, wie sehr die preußischen Israeliten im bürgerlichen Leben Raum gewinnen, will ich Ihnen bemerken, daß, da so eben eine Deputation an Se. Majestät gesendet worden, um im Namen der Stadt für die bewilligte Erweiterung und Verschönerung zu danken, dieselbe aus dem Oberbürgermeister und einem Israeliten, dem Kaufmann Wiesenthal, gewählt wurde. Oesterreich. Gzernowitz (Bukkowina), im Januar. (Privatmitth.) Wir haben Ihren „Wanderer" Schritt vor Schritt mit dem größten Interesse verfolgt. Ja, er hat es meisterhaft verstanden, die Juden dieser Länder, die Ursachen und Wirkungen, zu zeichnen. Auf seine Schilderungen gestützt, können wir um so mehr auf die Mittel aufmerksam machen, durch welche den Uebeln abgeholfen werden könnte. Als hauptsächlichstes Mittel sehe ich aber die Mädchenschulen an. Lassen Sie mich hierüber etwas weiter ausholen.— Der Aberglaube, das Erzeugniß langjähriger Unterdrückung, beherrscht.die israelitischen Frauen in jenen Ländern wo Haß und Verachtung ihr Loos ist so sehr, daß sie zur unausstehlichen Plage ihrer Männer werden. Unbekannt mit den Quellen ihres' Unglückes glauben sie durch ihren und ihrer Angehörigen Lebenswandel den Lenker der Geschicke gereizt zu haben, der ihnen zürnt, sie verfolgt, der, so lange sie sich nicht bessern, seine rächende Hand nicht zurückziehen wird, und alle ihre Unternehmungen ihnen nicht gelingen lassen will. Dieser Wahn hält sie in unzerbrechlichen Fesseln der Sklaverei und der Dummheit gefangen, während sie selbst mit ihnen zufrieden sind, sie auch Anderen anzulegen suchen. In allen Momenten des Lebens werden sie die liebenswürdigsten, nachgiebigsten sein, nur nicht in diesen, die ihnen als eine Verletzung der Religion erscheinen. Oft sind die Folgen dieser lästigen Forderungen eine gänzliche Auflösung des ehelichen Lebens, und diese sind noch die glücklichsten, weil die Erfahrung sie bei einer neuen Wahl zur Prüfung der beiderseitigen Denkungsart führt; machen aber unzubeseitigende Hindernisse die Auflösung unmöglich, so ist das Leben solcher Eheleute das unglücklichste, das je das Geschick dem Menschen bestimmt hat. Aus eben diesem Grunde sind unsere israelitischen Mitbrüder in Galizien, wirkliche Sklaven ihrer Frauen. Ihr Einfluß im religiösen Leben äußert sich auf eine sehr fühlbare Weise, da sie allein über ihre Männer bestimmen, welcher Meinung sie sich hinzuneigen haben. Die meisten Anhänger der jedem Leser Ihres Blattes bekannten Chaffidim- Partei, sind es nur auf den Wunsche ihrer Frauen geworden, die ihren drückenden Zustand durch keine wirksamere Mittel abzuhelfen wissen, als durch die Mittler zwischen Gott und. Menschen. Da ihnen jeder Unterricht in irgend einem Zweige menschlichen Wissens abgeht, und von ihrer Religion nicht mehr als die Verbote aus Erfahrung wissen, und die drei ausschließlichen Gebote, die die Mütter ihren Töchtern am Hochzeitstage mittheilen, so sind sie immer geneigt Allem was nur einen Schein von Wunderbarem hat mit Eifer zu huldigen, und wissen ihren Männern eine gleiche Huldigung abzunöthigen. Dieser Glaube an die famösen Zadikim, die sich ihrer als Mittel bedienen, ihre Männer zum öftern Besuch zu locken, ist in seinen Wirkungen sehr