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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-02-03 · Heft 6 (3.2.1845) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 6 (3.2.1845)
Date
1845-02-03
Page
Seite 81 (sequence 13)
Language
German
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81 Landzumal in Brüssel ankommm zu körmen / und brachte hier nicht nur diesen „Langen Tag," wie ihn" die Christen in vielen Gegenden Deutschlands ziemlich charakteristisch zu nennen pflegen, sondern auch ganz miss zu, da ich. mir's recht ernstlich vorgenommen hatte, bevor ich aus Europa schiede, mein jüdisches Gemüth recht zu erholen an der Freude über die Beendigung und den Wiederanfang der imn.-Was soll ich Ihnen nun sagen? Von Anfang bis zu Ende dieser religiösen Wallfahrt im Holland-belgischen Palästina sah ich mich in meinen Erwartungen manchmal angenehm, meistens aber unangenehm getäuscht. Vom Korrespondenten der ^rcbives, der mit seinen Landesgenoffenden Franzosendie Holländer übsrhaupt„Io8 Chinois de l’Europe" nennt oder wenigstens dafür hält, kann es nicht fremd Vorkommen, daß er behauptet, er habe nach fünfzehn Jahren in Holland Alles noch unverändert getroffen; wahr ist dies aber nur in einigen Stücken, und die Zeit hat dort wie überall ihre Allmacht gezeigt. Daß aber die Bettelei und der damit verbundene Schmutz unter den holländischen Juden ganz der nämliche wie vor Alters wäre, daß man die von Juden bewohnten Straßen nicht betreten und hie Synagogen fast nicht besuchen könne, ohne. von Bettlern überfallen und beunruhigt zu werden, ist so falsch, wie die Behauptung, die Administration habe ihrerseits nichts zur Verbesserung und zur Abschaffung der Bettelei und Armuth beigetragen, und noch ungegründeter ist's was jener Korrespondent von dem Mangel an Schulanstalten und Unterricht behauptet. Es iss vielmehr viel, - sehr viel in dieser Hinsicht geschehen, und im keinen andren Lande giebt es so viele und gut versorgte Armenschulen unter den Juden wie in.Holland,-auf derew Aussicht und Unterhaltung der Staat und die Gemeinde die'löblichste Sorgfalt und Kosten verwenden; wo wäre auch noch eine jüdische Armschule von beinah - tausend-Kindern anzutreffen, dieso gut. unterrichtet und versorgt werden als in Amsterdam?Füv ganz kleine Kinder unter vier oder fünf Jahren mng's freilich, noch an guten Anstalten ,'fehleüz - der- Korrespondent der Archives hatte aber bei guter Nachforschung erfahren könnendaß mehre edeldenkende Glaubensgenossen längst einen Verein gebildWWben/;an ' dessen Spitze; Männer M T: Afsm/ W Bischöfsheim u. A. stehen. und die . es sich zur Aufgabe, gestellt haben, dem Uebel abzuhelfen, und welcher auch schon in Wirkung getreten ist. Daß es überhaupt an nichts weniger als an Wohlthätigkeitsanstalten .in Am st e rdam fehlt, braucht man nur einen Blick auf die unzählige Menge zu werfen, ° und zu hören, was die Gegner der - Juden davon sagen. Man hatte mir einen reichen Mann genanntder vor mehreren Jahren bei seinem Ableben zu, nicht weniger als 210 jüdischen Armenanstalten jährlich beigesteuert haben soll. Daß es außer; den Diamantarbeitern keine anderen jüdischen Handwerker und Meister gäbe als Schneider und Schuster, ist eben so ungegründet als es lächerlich ist, die beiden letzteren zu den mühseligsten zu rechnen, es giebt auch Grob- und andere Schmiede, Uhrmacher, Zimmerleute- Instrumentenmacher, Metallarbeiter u. m. a. unter den jüdischen Bewohnern der Breitstraße und anderer Straßen des; Judenviertels; ich glaube aber; nicht daß die katholische Kirche von den Juden — obfchon diese weit toleranter als die übrigen Einwohner sind — gebaut worden sei. Wenn man mit Grund über Stabilität und gehörigen Mangel an Fortschritt klagen darf, so ist es allenfalls mit Hinsicht auf die Kultusangelegenheiten, in denen weder bei den portugiefischen, noch bei den deutschen Juden etwas Erhebliches geschehen und geändert worden. Daß aber gar nichts geschehen und nicht manches Löbliche wenigstens projektirt sei, um etwas später und langsam in's Leben zu treten, ist wiederum ungegründet. Große Fortschritte von der Art lassen sich in solchen zahlreichen 'Gemeinden nicht leicht erwarten, und fordern viel Zeit und neue Generationen; aber der leidige Jndifferentismus, der viel daran schuld ist, ist in Am st e rd a m bei weitem so arg nicht, wie; in manchen anderen Orten/ die sonst als ultrafreisinnig ausgefchrieen werden. Außer den Namen der beiden Ehrenmännerdie ich bereits genannt, könnte ich noch manche andere aufzählen, die sich im.vollem Ernste öto» vwsr ünck drm: für's Gute und Bessere interessiren. Esläßt sich vermuthendaß der Korrespondent der Aredivss sich auf feinem kurzen Ausflüge die Zeit und Mühe nicht gegeben hat, sich ftlbst nach allem wohl umzu sehen und zu erkundigen- und es^ leichter - gefunden habe abzu? schreiben - und mit; den holländischen Judengemeinden umzugehen wie sein Landsgenoffe, der berühmte Chef

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