Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 6 (3.2.1845)
- Date
- 1845-02-03
- Page
- Seite 82 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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82 der Romantiker es mit den Rheingegenden gemacht hat. Indessen da auch ich wie gesagt diesmal nur eine kurze Zeit in Holland zugebracht habe, so will ich, um nicht in einen ähnlichen Fehler vielleicht aus einem andern Gesichtspunkte zu verfallen, meinen Blick von Norden nach dem Süden richten. Wie hoffte ich mich entschädigt zu finden in Brüssel! Auf dem Wege dahin lief ich das Exemplar vom Reglement organique durch, welches vor zehn oder elf Jahren daselbst unter dem Carmoly'schen Rabbinate sanktionirt worden, und worin besonders der Gottesdienst am s" sehr vereinfacht und rationell eingerichtet ist. Wenn man seit dem eine Veränderung gemacht hat, so ist's gewiß, daß man ba abgeschafft und entweder wie in Frankfurt ein Gebet in der Landessprache oder das hebräische Surrogat, welches die Archives Sept. 1843 p. 550 mittheilten, oder gar bei dem einfachen rtan gelassen haben wird. Je nun, nichts von dem Allen! Nachdem ich mit vieler Mühe in der ziemlich schönen Synagoge, die aber überfüllt war, einen Platz im untern Raume gefunden hatte, hörte ich ba ganz so hersingen, wie vermuthlich unsre Urgroßältern es gehört haben und nicht einmal mit der im besagten Reglement vorgeschrieben Abänderung nach dem portugiesischen Ritus sondern ganz altmodisch, mit der Ausnahme vielleicht daß 3/* der Zuhörer gestiefelt, wo nicht gar gespornt waren und zwei Mitglieder des Konsistoriums, also die obere religiöse Behörde weder diesen Abend noch den andern Tag einen rvVj hatten. Daß Niemand außer dem im ein trug, fand ich sehr gut, obschon der Hauptgrund dieser Bekleidung wegsiel, da die gewöhnliche Mütze, wie sie zu einem Todtenkleid paßt, mit einer aus überzogenem Pappedeckel verfertigt übrigens sehr wohlkleidende loquo oder Kappe vertauscht war. Die in sauberm Französisch gut vorgetragene Predigt des würdigen Dberrabbiners kam mir zweckmäßig, aber etwas zu lang vor; die Zeremonieen eines dreifachen ‘■patü *»» nachher mit der rfo vor dem für das Konsistorium, die Administratoren und die ganze Gemeinde auszusprechen, gefiel mir, ich fand aber daß sie mit mehr Würde und Erbauung geschehen könnte. Das sw» so wie überhaupt alle Gebete des folgenden Tages, welche abwechselnd von dem Hauptvorbeter und einem Gehülfen vorgetragen wurden, waren ganz wie sie von jeher im iimv ständen, mit Ausnahme einiger langen awa; das alte mstri war überall beibehalten, aber Alles in größter Ordnung und Stille, so daß man niemand als den Vorbeter und das Chor, das aus etwa fünfzehn bis achtzehn theils Kindern theils Erwachsenen bestand, hören konnte. (Schluß folgt.) Personal- und Lokalnachrichten. W. Neustadt (Ungarn), 13. Januar. (Privatmitth.) Damit ich Sie von dem Edelsinne der Magyaren in unserer Gegend hinsichtlich der Emanzipation der Israeliten überzeuge, bitte ich folgendes an mich gerichtete Schreiben eines unserer hochgeachtetsten Grundherren, der zugleich im trenchiner Kommitate erster Gerichtstafclbeisitzer ist, dieses Schreiben bitte ich der Presse gefälligst zu übergeben. Es lautet folgenderart: Rakotub, den 10. Januar 1845. Werthester Herr Arzt! Mit größtem Danke sende ich hier zurück die mir zum Dnrchlesen überschickte allg. Zeitung für das Judenthum. — Ich bekenne frei wie sehr mich so viele Artikel darin zur Bewunderung, ja zu dem sehnlichsten Wunsche hingerissen haben: die Zeit der Aufklärung möge recht bald kommen, wo dieses so sehr verkannte Volk, eines bessern Schicksals würdig, durch die Emanzipation in den Genuß der ihm als Nebenmenschen gebührenden Rechte eingesetzt werde. Dieses ist die ungeheuchelte Meinung, eines 72 Jahre alten Christen, der als Mensch allen seinen Nebenmenschen, ohne Unterschied der Religion, Glück und Wohlfarht von Herzen wünschet, und sich gerne zeichnet als Ihren aufrichtigen Freund Niklas von Bönoczy. Nerlitt, 17.Januar. Aus Karge meldet man uns, daß der dortige in großer Achtung gestandene und seit 31 Jahren im Amt gewesene Rabbiner Moses Landsberg am 7ten v. M. mitten in einer Predigt, gleich nach den Worten, die er aus dem Buche Hiob anführte, „nackt ging ich aus meiner Mutter Leib, und nackt werde ich in den Schooß der Erde zurückkehren" leblos hinsank. Am Tage des Leichenzuges waren alle Kallfmanusläden in Karge geschlossen. Warschau, 19. Januar, (Privatmitth.) Herr Jakob Tugendhold, Mitglied des Gemeindevorstandes