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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-02-03 · Heft 6 (3.2.1845) · p. Seite 79

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 6 (3.2.1845)
Date
1845-02-03
Page
Seite 79 (sequence 11)
Language
German
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79 Der Religionslehrer und Vorbeter wurde hierauf am 14. d. M. in Gegenwart des Religionsweisers Hrn. A.Kohn beeidet, und so dürfte schon mit Nächstem, sobald nämlich das Lokal ausgestattet sein wird, diese Anstalt zur Belehrung und Besserung der jüdischen Delinquenten ins Leben treten, und diese somit einer Wohlthat theilhaft werden, die noch so manche ehrbare Gemeinde entbehret. — —. Am 13. d. M. ist in der hiesigen großen Stadtsynagoge eine Trauerfeierlichkeit für den in Wien verstorbenen emeritirten Professor zu Lemberg, und Direktor des anatomischen Theaters und Museums in Wien Joseph Edlen von Beres abgehalten worden. Derselbe (ein Christ) hatte durch viele Jahre dem hiesigen israelitischen Spitale unentgeldlich seine Dienste gewidmet, und sich überhaupt auf die edelste Weise der Armen angenommen. Besonders hat er in der Cholerazeit eine seltene Aufopferung und Hingebung bewiesen, und sich im Herzen der ärmern jüdischen Bevölkerung ein unsterbliches Denkmal gesetzt. Die Feierlichkeit bestand in Absingung von Psalmen durch unfern beliebten Kantor Hrn. Obras und das Chorpersonal, worauf vom Prediger Hrn. A. Kohn ein passendes deutsches Gebet, worin besonders die Verdienste des Verewigten, um die Armen und Leidenden Israels in der Cholerazeit hervorgehoben worden, abgehalten wurde. Daran reihete sich ein Gebet für die kürzlich verstorbenen durch ihre Wohlthätigkeit gegen Christen und Juden weitberühmten Israeliten Herman Todesko und Salomon Heine. Hierauf wurde vom Kantor mit Chorbegleitung das 8^2 ba für jeden der drei Hingeschiedenen vorgetragen. Den Schluß machte das vom Prediger gesprochene '121 '■»pn» bvi wp. Die dieser Feierlichkeit entsprechend eingerichtete große Synagoge, war ungemein voll und zwar von einem Publikum wie man es selten beisammen findet. Es fanden sich da die ersten Honoratioren der Stadt, hohe Beamte der verschiedensten Stellen, akademische Würdenträger, Doktores rc. neben einer Unzahl polnisch gekleideter Juden, deren Manche zu den Gegnern des Fortschrittes gehören. Es war dies wieder eine Gelegenheit wo die Notwendigkeit eines, und zwar sehr geräumigen Lokales für den geordneten Gottesdienst sich herausstellte , indem in der Synagoge wo die vielen Säulen die Stimme brechen, und das Almemor den besten Theil des Mittlern Raumes wegnimmt, unmöglich absolute Stille und Ordnung bei einer solchen Menschenmenge, hergestellt werden kann, weil das bloße sich Vordrängen, um zu sehen und zu hören eine ungeheuere Störung verursacht. Dieß wird allgemein erkannt und doch geschiehst wenig oder nichts für die Vollendung des Tempels, der wol schwerlich im nächsten Sommer eröffnet werden, dürfte. Am verflossenen Sabbat- Chanuka hat der Herr Religions- Weiser A. Kohn in der Predigt zu neuen Anstrengungen aufgefordert, damit noch im Laufe dieses Jahres (n-m) eine neue. Tempelweihe gefeiert werden könne. Die Aufforderung blieb nicht ohne alle Wirkung. Viele Mitglieder der deutschen Gemeinde versprachen neue Beiträge, die Meisten erklärten nicht zurück zu bleiben, wenn Andere den Anfang machen; aber dieser Eifer scheint schon wieder durch den Winterfrost gelitten zu haben und Herr Zipper der unermüdliche anspruchlose edle Sammler für alle wohlthätigen Anstalten und Förderer aller besseren Bestrebungen in unserer Gemeinde, war der Einzige der gleich am andern Tage seine silbernen Leuchter als neue Spende für den Weiterbau des Tempels brachte. Wir wollen indessen sehen ob sich auch die anderen Versprechungen realisiren werden. —. Seit voriger Woche ist mit der Einschreibung der Schüler für die neuerrichtete israelitischdeutsche Hauptschule begonnen worden. Der Zudrang von allen Klassen und Ständen, von Knaben und Mädchen, ist ungeheuer, und übersteigt die kühnsten Erwartungen, ungeachtet den Armen erklärt wurde, daß sie weder auf Bespeisung noch auf Bekleidung ihrer Kinder zu rechnen haben (was beider Talmudtora und Kleinkinderbewahranstalt zum Theil der Fall ist) und Kinder unter sechs Jahren zurückgewiesen wurden, sind bereits über achthundert Schüler und Schülerinnen eingeschrieben worden, und werden noch täglich andere gemeldet, so daß sich die Direktion keinen Rath weiß, wieso viele Zöglinge unterzubringen, für die mehr als ein doppelt so großes Lokal, und doppelt so starkes Lehrpersonal nothwendig wäre. Leider haben wir aber noch kein eignes Schulhaus, und ist bei den spärlichen Subsistenzmitteln der Schule nicht abzusehen, wieso bald eines zu erhalten, während der

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