Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 6 (3.2.1845)
- Date
- 1845-02-03
- Page
- Seite 78 (sequence 10)
- Language
- German
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78 wegbleiben müssen, der industrielle Erwerb, der mit der Zeit durch die unermüdliche Thätigkeit der pesther Vereine, in Ungarn überall in's Leben treten wird, wird auch seine Wirkung auf die Israeliten nicht verfehlen, und, wie das Beispiel bereits gelehrt, werden Viele ihre auf allen Märkten ambulanten Krambuden mit emsigen Werkstätten vertauschen und — den Juden Ungarns birgt die Zukunft noch heitere Loose in ihrem Schooße. Lemberg, 20. Januar. (Privatmitth.) Die im hiesigen k. k. Provinzial-Strafhause befindlichen Israeliten, find zwar von jeher an Sabbaten und jüdischen Festtagen von der Arbeit befreiet gewesen; aber für einen eignen Gottesdienst war nicht gesorgt. Die bei der starken jüdischen Bevölkerung im Lande — wenn auch nicht gerade im Verhältniß zu derselben — in großer Anzahl, gewöhnlich circa 140—150 darin befindlichen jüdischen Sträflinge sind an . Feiertagen gewöhnlich in einem unanständigen zu diesem Zwecke ganz unpassenden Arbeitshause zusammen gekommen, wo einer aus ihrer Mitte in Ketten den Vorbeter machte. Daß diese Art des Gottesdienstes auf das Gemüth der Verbrecher keineswegs wohlthätig wirken konnte, vielmehr die Gottesverehrung herabwürdigen, und das Verbrechen in ihren Augen gewissermaßen durch einen solchen üb zu Ehren bringen mußte, liegt auf der Hand. Feuilletonist des ungarischen konservativen. Blattes, aus. In seiner neuesten Schrift: Magyar Titkok (Ungarische Geheimnisse) einer mißlungenen Nachäffung des berühmt gewordenen Sue'schen Werkes, hat er den Juden zum Hauptthema gewählt, als wäre der Jude allein das größte Geheimniß im Lande. Außer den offenbaren Lügen, von welchen das Buch strotzt, enthält es solche romanhafte Unwahrscheinlichkeiten, die dem „praktischen Manne/' wie er sich auf jeder Sekte zu nennen beliebt, nicht am besten anstehen. Immer die Eitelkeit seiner eignen Person in den Vordergrund stellend, bricht er mit der ekelhaftesten Gravität über die gesammte Judenheit den Stab, reihet alle nur erdichtbare Gebrechen der ungar. Juden im lächerlichsten Zusammenhangs aneinander und laßt sich über dieselben in den pöbelhaftesten Ausdrücken aus. Aber es gehört einmal überall zur Mode mit Lüge und Uebertreib.ung um die Gunst des Publikums zu buhlen!; Korresp. Da haben Se. königl. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog Ferdinand Zivil- und Militär-Generalgouverneur von Galizien, auch für das Heil dieser so tief stehenden Unterthanenklasse, und die sittlichreligiöse Besserung derselben väterlich besorgt, durch das wohllöbl. Magistralspräsidium dem Gemeindevorstande und dem Religionsweiser Herrn Abraham Kohn die Fragen vorlegen lassen: 1) Wie der Gottesdienst verbunden mit einem entsprechenden Religionsunterrichte, d. h. religiösem Vortrag in deutscher Sprache, eingerichtet werden könnte, ohne die bestehende Strafhausordnung zu stören, und wie das dazu zu verwendende Lokal ausgestattet werden müsse. 2) Wem der israelit. Gemeindevorstand die Funktionen eines Religionslehrers und Vorbeters zu übertragen gedenke, und unter welchen Vorsichtsmaßregeln. 3) Welcher Gehalt dafür von der Gemeindekaffe zu bestimmen wäre. Es wurde hierauf die Erklärung abgegeben, daß zur Abhaltung des jüdischen Gottesdienstes eigentlich keine audere Ausstattung des hiezu bestimmten Lokales nöthig wäre, als ein Schrein zur Aufbewahrung der Tora, und ein Tisch oder Pult, worauf dieselbe beim Vorlesen niedergelegt wird, für welche Requisiten die Gemeinde sorgen will, daß jedoch das hierzu verwendete Lokal nicht oft gewechselt, und so lange es als zeitweilige Betstube dient zu keinem profanen Gebrauche benutzt werden sollte. Es wurde ferner ein Vorbeter und Religionslehrer in Vorschlag gebracht, dem jene Funktionen übertragen werden sollten, mit der Vorsicht, daß er vor dem Antritte seiner Verpstichtungen beeidet und unter die Aufsicht des Religionsweisers Herr Abraham Kohn gestellt werde, und demselben ein Gehalt pr. 100 fl. K. M. jährlich gesichert. Als der Bescheid darauf wurde vom wohllöbl. Magistratspräsidio äc>. 2. Januar l. I. eröffnet, daß von der k. k. Strafhausverwaltung zur Abhaltung des Gottesdienstes für israelit. Sträflinge ein sehr geräumiger Saal ein für alle Mal bestimmt und eingeräumt werde, und da übrigens gegen die Wahl des Religionslehrers und Vorbeters nichts einzuwenden ist, dem Beginne des israel. Gottesdienstes bei I den Sträflingen nichts mehr im Wege stehe.