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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-02-03 · Heft 6 (3.2.1845) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 6 (3.2.1845)
Date
1845-02-03
Page
Seite 77 (sequence 9)
Language
German
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77 Wurzel schlagen, so dürfen, als Würze wenigstens, die Ideen von Menschenliebe und Anstrebung nach Erkenntniß nie fehlen; nicht aber in jenem separistischen Tone, irgend eine, in der heutigen Zeit nicht mehr anwendbare halachifche Materie zum Thema habend, mit verkehrter Spitzfindigkeit beleuchtet und mit einigen agadischen Brocken durchmengt, woraus die ganze Derascha in vielen Gemeinden noch bestehet. Solch ein geistlicher Vortrag muß den Zuhörer nur kalt davon lassen und ohne innerlich gerührt zu werden, scheidet er von einer Versammlung, zu der ihn die Feier des Tages maschienenmäßig berufen. — Dieser Zerrissenheit nun abzuhelfen, was ist anzufangen? — Wie gesagt, zuvörderst muß das Rabbinenwesen fester bestimmt und die Gemeindezustände im Allgemeinen konsolidirt werden. Dies aber kann früher nicht bewerkstelligt werden, bis die Hand der Behörde ernstlich drein eingreifen würde; nur dann stünde zu hoffen, daß vor dem mächtigen Willen des Staates die Stimmen der Parteien von selbst verstummen werden, daß jeder eitle Hochmuth, der ver guten Sache Schranken setzt, vor dem Gesetze an die Seite treten wird, daß endlich jeder unberufene Laie in Angelegenheiten des Herzens zu pfuschen von selbst aufhöre, wenn der Fähigkeit ihren Platz, dem geistlichen Amte seine ihm gebührende Macht angewiesen werde. Zwar sind vor Kurzen viele Rabbinen zu einer Berathung an der Donau zusammengetreten und die jüdische Welt richtete auch dorthin in banger Erwartung ihre hoffnungsvolle Blicke, aber „sie erwartete Trauben und es ergaben sich Heerlinge." Schon die Eröffnung der Verhandlungen verrieth zu deutlich die Absicht des Zusammentrittes. Dem „gewaltigen Einreißen von Neuerungen" wollte man Einhalt thun, nicht aber das Böse vom Grunde auszuwurzeln und Einigung zu bringen in die Zerwürfnisse. Und dann mustert man die abwesenden Rabbinen durch, so wird man außer dem pesther, temeswarer und St. mikloser, nur Rabbiner aus kleinen Ortschaften erblicken, die sich nun berufen glaubten, über das Wohl und Weh aller Israeliten Ungarns ein ewiges Urtheil zu fällen. Würden die Rechte des befähigtem Rabbinen genauer bestimmt sein, so könnte derselbe nie solchen vulgären Beleidigungen ausgesetzt sein und solche Absurditäten würden gar zum Vorschein nicht gekommen sein, wie wir sie in der ungarischen Rabbinerversammlung erlebt haben. Wer das jetzige Ungarn nicht blos dem Hörensagen nach kennt, wie allhier bei der hohem und gesetzgebenden Klasse die Sorgfalt für Verbesserung in der Volkserziehung immer nur zunimmt, der würde sich vielleicht wundern, daß so wenig Sorge noch auf die jüdischen Gemeindezustände angewendet worden ist. Aber wie wir bereits oben bemerkt, nehmen bei der im Lande eingetretnen Sucht alles dem im Auslande längst zur Vollkommenheit Gekommenen gleichzustellen, wichtigere und umfangreichere Gegenstände zu sehr die Bemühungen der Großen in Anspruch , als daß die jüdischen Religionszustände nicht denzweiten Rang einnehmen sollten. So viel ist gewiß, daß wenn in den nächsten Reichssitzungen, solche Gegenstände erledigt werden, für welche die Brust des Magyaren hoch anschwellt, endlich doch die Stellung des jüdischen Kultus — von den gebildeten Rabbinen Ungarns selbst in Anregung gebracht — zur Berathung und hoffentlich auch zu einer Abstimmung kommen wird, welche allen Gemeindezuständen mit einem Schlage eine andre Gestalt geben, indem eine gewählte Synode vom Staate zusammenberufen werden wird, um sich sowol hinsichtlich ihr Religionsbekenntniß, welches noch bei den Einwohnern so verdächtig ist, deutlicher zu erklären, als auch markirtere Bestimmungen in die Stellung der Rabbiner zu bringen. Noch ruhet alles hier auf ungesetzlichen Fundamenten, die Zentralkräfte, welche die mannigfachen Bestandteile zu vereinigen haben, fängt man eigentlich erst zu schaffen an und wenn die ungarische Nationalität in dem Maaße vorschreiten soll, wie es sich bei der allgemeinen Sympathie erwarten läßt, so werden gewiß die 240,000 Juden zwischen 14 Millionen und auf einer Ausdehnung von 6000 Quadratmeilen, gewiß keinen großen Widerstand leisten. Bis dahin werden, vielmehr die magyarischen Israeliten, um nach dem bisher Geschehenem zu urtheilen so weit vorgeschritten sein, daß viele Vorwürfe, welche denselben von verbissenen Judenfeinden gemacht werden*), nothgedrungen *) Dies geschiehst meisten? von den Tagesliteraten. Unter diesen zeichnet sich besonders durch ein alltägliches Witzeln und ein vulgäres Spötteln Nagy Ignatz, der 6*

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