Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 5 (27.1.1845)
- Date
- 1845-01-27
- Page
- Seite 58 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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58 derts nur kalt lassen müssen, selbst diese werden mit strenger Ängstlichkeit von den Synagogen-Machthabern streng bewacht, und werden durch das Gewicht, welches von der höhern Klasse darauf gelegt wird noch zur grellen Karrikatur entstellt. In Polen, wo der lange Druck die Juden zur Besinnung nicht kommen läßt, bewahren sie sich in anhaltender Geisteserstarrtheit vor dem Eindrücke der Zeit und schreiten mit lebensübersatten Schritten auf dem alten Weg aus Gewohnheit fort; aber wenn in Ungarn, wo der Jude sich doch endlich als Bürger zu fühlen anfängt, und noch auf ein Aemtchen im Vorstande ein Jeder sich so gütlich thut, in der Synagoge mit dem Mizworhverkauf glimpflich geschachert wird und jede Rangordnung, in deren Vertheilung, als ein poiut d’honneur auch bei den sogenannten „Gebildeten" angesehen wird; wenn noch ein oberer Sitz in der Synagoge mit einem beharrlichen Eifer behauptet wird, als möchte es sich um eine verschanzte Festung handeln, so müssen wir nur bedaurend über den niedern Grad von Ehrbegriff bei den. magyarischen Israeliten den Kopf schütteln. Aber dieses Uebel wurzelt nicht so sehr in der Geistesarmuth der Masse, als> vielmehr in der mißlichen Einrichtung des ungarischen Rabbinenwesens. Seitdem man in Polen und Galizien die Juden aus den Dörfern in die Städte verwies, wuchsen die früher unbedeutend gewesenen Gemeinden zu beträchtlichen an, und die vergrößerten Korporationen erheischten auch solidere und haltbarere Institutionen. Daher die noch heute unverlöschbare Ehrwürdigkeit des Alters der jüdischen Kommunen in Polen. Der Rabbine einer Gemeinde, die dort nicht nach Tausenden zählt, legt bei einer allgemeinen Berathung nichts auf die Waagschale, außer wenn jener Rabbi durch ungewöhnlichen persönlichen Werth die öffentliche Meinung für sich gewonnen habe. Zn Ungarn ist dies der Fall nicht. Zu der weiten Zerstreuung der Juden auf dem ausgedehnten Rande der Magyaren, hat auch die häufige Einwanderung von Polen und Mähren und überhaupt die durch das Alter der uralten Ansässigkeit nicht geheiligte Iudenmasse, dazu beigetragen, daß sich eine unzählige Menge von Gemeinden bildeten, die, jede für sich allein bestehen und von Niemandem abhängig sein wollend, mit einander in wenig Berührung standen. Eine jede setzte sich ihren Miniaturrabbinen ein, der nach seinem Gutdünken jede ihm für heilsam vorgekommene Einrichtung in sein Dorf einführte, und auch in jedem Rechtsstreite, weil bisher, und auch auf vielen Plätzen bis zum heutigen Tage, die Juden nicht dem Landesgesetz unterworfen sind, mit dem ihm beigesetzten Assessoren nach Willkür verfuhr. (Schluß folgt.) Preußen. Breslau, 15. Januar. Nach offiziellen Berichten sind in Breslau im Jahre 1844 geboren jüdische, evangelische, kathol. Kinder 186 2666 1379 darunter uneheliche — 472 312 getraut 49 israelitische, 316 katholische, 776 evangelische Brautpaare; gestorben sind 149 Israeliten, 1105 Katholiken, 2007 Evangelische. Königsberg, 6. Januar. (Privatmitth.) Durch eine Immediateingabe des Dr, Freyftadt bei unfern: Könige wurde einem russischen Knaben jüdischen Glaubens die Erlaubniß, drei Jahre hier die Handlung zu erlernen, nachdem Regierung und Ministerium es abgeschlagen. So sehr wir diesen Gnadenakt anerkennen, so kann man es doch nicht billigen, wenn über diese Kleinigkeit in der D. A. Z. ein Salm gemacht wird von fast einer Foliospalte, als wenn nun die Emanzipation sicher wäre, und die preußische Toleranz in den Himmel gehoben wird. Nach unserm Gefühle ist diese Lobhudelei selbst beleidigend. Berlin, 20. Januar. (M. Z.) Die Aeltesten der hiesigen Gemeinde haben an den Magistrat und die Stadtverordneten das Gesuch gerichtet, bei dem Landtag um die Emanzipation zu petitioniren. Diese Stellen haben es abgewiesen, indem dieses Verlangen zu allgemein gestellt sei, und vielmehr die einzelnen Punkte, die man ausgehoben wünsche, nahmhaft gemacht werden müßten. (Man sieht also, daß die rheinischen Städte und Stände die Sache besser verstanden. Red.) Berlin, 21. Januar. (Privatmitth.) Es giebt leicht keine Gemeinde in der Gegenwart, die einen solchen Zufluß von außen erhält, und die daher so