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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-01-27 · Heft 5 (27.1.1845) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 5 (27.1.1845)
Date
1845-01-27
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 Zeitungsnachrichten. Oesterreich. Aus Ungarn, I. Januar. (Fortsetzung.) Den Magyaren wird es zum ewigen Lob gewiß gereichen, daß am Landtage vom I. 184^/4 neben so vielen, überauswichtigen Gesetzvorschlägen, welche das ganze Land betrafen, die Judenfrage immer den ersten Rang einnahm; wurden auch viele gehässige Insinuationen laut, welche den guten Willen im Keime erstickten, so bekundete schon die Art des Vorschlags immer einen Geist der Toleranz von Seiten der Stimmeführer, sowol an der Ständeals Magnatentafel. Theils durch den heftigen Andrang einer Masse von Geschäften, theils durch den schwachen Willen der ausübenden Macht, wurde die Sache der Juden immer mehr in den Hintergrund verdrängt, und wenn dieselbe endlich zu einer Verhandlung kam, so begnügte man sich mit leeren Diskussionen, die bereits zu tausenden Malen in allen europäischen Ländern wiederholt und hier erst mit der Miene von Originalität in die Länge gesponnen wurden; der Landtag neigte sich zu seinem Ende und neben vielen importanten Fragen blieb auch die der Juden unerledigt. Doch sobald dieses Thema, während des Laufes der Reichsverhandlungen, in Preßburg auf's Tapet gebracht wurde, so berührte es das ganze Land wie ein Zauberschlag. Es war kein politischer Zirkel, wo nicht über die Judenemanzipation mit dem größten Eifer diskutirt wurde. Der Eine wünschte von Seiten der Juden minder ängstliche Fraternisation mit seinen christlichen Landsleuten, der Andre wieder stellte die Ausführbarkeit des ganzen Vorschlags in Frage; dieser wollte der Zeit das ihrige überlassen, jener drang auf den schleunigen Ausspruch des großen Wortes. In der Literatur äußerte sich diese Meinungsverschiedenheit in noch höherem Grade. Was nur in Ausland über Juden geschrieben wurde, haschte man gierig auf, gab es — wie den „Juif errant" von Sue — in auszüglicher Uebersetzung in den Ungar. Zeitungen, und der Jude wurde wieder zum Tagesgespräch; Rossuth und sein Nachfolger in der Redaktion des „Pesti hirlap" Szalaj haben die Judenfrage von allen Seiten her mit eiserner Beharrlichkeit vertheidigt, und noch bis heute vergeht fast keine Nummer, in der etwas zum Lobe gereichendes für die Juden ausbleiben sollte; dagegen erklärte der konservative „Budapesti Hirado" alle Judenfreunde für philantropische Schwärmer. — In allen Vorschlägen war die Absicht der Deputirten nicht zu verkennen, die ungarischen Juden zu jüdische Ungarn umzubilden. Diesem von allen Seiten her so deutlich offenbarten Willen, leistete man auch in vielen Orten Folge. In Pesth, der Stadt der Vereine, traten mehrere Gutgesinnte zusammen, um den israelitischen Nationalinstituten noch heilsamere beizufügen; der offne und weitherzige Sinn der dasigen Juden, ließ ihnen keine Kosten und Mühe scheuen, um den Gewerbverein mit.seinen zweckmäßigen Anordnungen, die ungar.- jüdische Mädchenerziehungsanstalt u. dgl. m. in's Leben zu rufen; galt es etwas Nationales im Lande zu schaffen — wie z. B. das Ungar. Nationaltheater — so vergaßen auch sie nicht ein beträchtliches Geldopfer beizusteuern. — Großkanischa, die eine beträchtliche jüdische Gemeinde von vielen reichen und gebildeten Mitgliedern in sich faßt, unter Anleitung des gelehrten Rabbinen Leopold Löw folgte in allen Stücken dem Beispiele der Hauptstadt. Szegedin begründete gleich nach der Einweihung seines nach der Art des pesther Tempels eingerichteten Bethauses, eine hebräisch-ungar. Nationalschule. Die arader Gemeinde kämpft unter der Fahne des Fortschritts gegen alle äußere Angriffe an. Miskolz, wo der Jugendunterricht bisher so tief daniederlag, brachte, durch eine beträchtliche Hinterlassung und durch das thätige Mitwirken des Vorstandes, eine zwar noch im ersten Gahrungsprozesse begriffene und zum regelmäßigen Gange noch nicht gekommene, aber um so mehr in der Zukunft.— unter Anleitung einsichtiger Lehrer — Vieles versprechende Schule zu Stande, in der eine feste Basis zu einer nationalen Erziehung der jüdischen Jugend gelegt wird. — Auch in der Literatur sehen wir die Israeliten bereits thätigen Antheil nehmen. Es ist den schriftstellerischen Juden in Ungarn sehr oft der Vorwurf gemacht worden, daß sie sich mehr zum deutschen Elemente Hinneigen; zum Beweise wurde der Umstand angeführt, daß die meisten in Pesth erscheinenden deutschen Zeitungen, Israeliten zu Redaktoren haben. Doch wer das Vorwärtsschreiten der Ungarn in ihrer Nationalliteratur in der Neuzeit ruhig beobachtet, der wird auch die Juden hinter den übrigen n.icht ungarischen

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