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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-01-20 · Heft 4 (20.1.1845) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 4 (20.1.1845)
Date
1845-01-20
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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48 Razen und Juden friedlich nebeneinander , bestehend, in einem Dorfe katholischer, griechischer, protestantischer und jüdischer Gottesdienst, wenn er, sage ich, dieses bemerkte, so müßte er die überraschende Krisewie sie in den Rechten und auch im Leben der-ungarischen Juden eingetreten ist, und durch den Reichstag von 1840 noch schärfer ausgeprägt wurde, leicht vorhergesehen haben. Aber wer wieder einen tiefem Blick in die Verhältnisse von Ungarn geworfen, der würde auch zugleich das Unhaltbare einersolchen plötzlichen Umwälzung eingesehen und das Scheitern aller jener Hoffnungen, die man an diese denkwürdige Berathung geknüpft, prophezeiet haben. - Wahr ist's, daß in Ungarn, als einem konstitutionellen Lande, die Juden viel mehr zu erwarten haben, als in allen anderen Erbländern der österreichischen Monarchie, wo man von dem tobten Buchstaben der Gesetze Haarbreit nicht abweichen will;, doch muß man die Umstände unparteiischer prüfen, um nicht vorschnell, auch an dieses Land den Maaßstab von England, -7— wo so viele Bekenntnisse und Sekten neben der Staatsreligion nicht allein geduldet, sondern auch von der Regierung in Schutz genommen werden, — noch den von Frankreich, — wo die allgemeine Meinung zuerst die Israeliten mit den übrigen Staatsbürgern gleichgestellt, — anzulegen. Noch giebt es Distrikte in Ungarn, wo dem Protestanten die bürgerlichen Rechte verweigert sind, obwol die höchsten Aemter die Reformirten so gut wie die Katholischen bekleiden; in vielen Bergftädten und vorzüglich im Gömörer Komitate läßt man bis jetzt, trotz dem nachdrücklichen Verlangen der Gesetzgeber, noch keinen Juden zu; die Sozinianer werden nur halb und halb geduldet, und der Jude gilt doch nur beim Volke als ein Händler. Die Freiheiten welche die Juden bisher genossen, waren keineswegs gesetzlicher Natur, sondern so wie Alles in Ungarn nur mit schwachen Umrissen bezeichnet war, so überließ man auch die Sache der Juden sich selbst; das Feld der Erwerbe stand Jedem offen, nach dem Maße seiner Intelligenz sich eine Bahn zu wählen.— Auch hinsichtlich der Gesinnungen gegen Juden muß man in Ungarn die Freistädte von den Komitaten, und in diesen wiederum die nördlichen slavischen von den anderen ungarischen zu unterscheiden wissen. In den Freistädten, wo sich seit Jahrhunderten meistens Deutsche festgesetzt hatten und auch zu deren Begründung zum größten Lheil beigetragen haben, — außer der Freistadt Debreczin, die nur von Ungarn bewohnt ist und welche erst seitdem sie diese geworden so jüdengehäffig sich zeigt, — hat das Spießbürgerthum die Oberherrschaft über jeden guten Willen gewonnen. Nichts ist natürlicher, als daß zwischen den engherzigen, von den Komitaten ganz, unabhängigen Städteversaffungen die Judenbeschränkungen ein Hauptgesetzartikel bilden mußten. So gab es Freistädte, wo die Zahl der Judenfamilien sich nicht vermehren durfte, andre, wo denselben ein besonderes Ghetto eingeräumt wurde, andre, wo der Jude sich nicht ansässig machen, andre sogar, wo er außer Marktzeit nicht übernachten konnte. Eine lobenswerthe Ausnahme machte Pesth, wo seit jeher alle liberale und philanthropische Gesinnungen sich in einem Brennpunkte gesammelt hatten. In den übrigen Freistädten, die insgesammt den Kern von Ungarns Handel inne hatten, konnte man nur mit der gespanntesten Aufmerksamkeit und zugleich mit der peinlichsten Aengstlichkeit, die Verhandlungen der Ständetafel im I. 1840 in Betreff der Juden, verfolgen; und man weiß welchen Widerstand lange Zeit, selbst nach der Publikation des XXlXsten Gesetzartikels, die Israeliten in vielen Freistädten gefunden. Doch man mußte ovlen8 volens der Nothwendigkeit nachgeben; der Judenhaß aber blieb weiter in dem Busen jedes Bürgers verborgen und einer kleinen Veranlassung bedarf es nur, um ihn an's Licht zu ziehen. In den Komitaten wieder, stehet man nur das ungarische Element vorherrschen, welchem schon nicht so sehr irgend ein Eigennutz zur Triebfeder dient, sondern mehr von Haß und Liebe, Ab- oder Zuneigung zur That bewegt wird. Der Ungar ist überhaupt von Natur nicht judenfeindlich, wenn ihm dazu keine besondere Veranlassung gegeben wird. In den nördlichen Komitaten aber, wo die Juden sowol in ihrer Tracht als in ihren Manieren sich wenig von den nahe gränzenden polnischen unterscheiden, verspürt man die Judengehaffigkeit am meisten, in den anderen aber, wo die Juden dem Magyarismus immer mehr sich nähern, trifft man häufig humane Toleranz und sogar vertraulichen Umgang zwischen Juden und Christen an. Bei alldem war im Jahre 1840 — und ist noch bei Vielen heute — den ungarischen Juden Emanzipation und Staatsbürgerthum noch unverstandene Worte,

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