Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1845)
- Date
- 1845-01-20
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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47 lang ausgeschoben, wodurch aber die Wirksamkeit des neuen Zentralkonsistoriums null ist. —. Am 21. Dezember hat die erste Kammer des Zivilgerichtshofes von der Seine entschieden, daß die ausländischen Israeliten, die in Frankreich wohnen, der Rekrutirung unterworfen seien. —. In einem neulichsten Prozeß der Gazette de France wider das Journal des Debats war der Advokat der Karotte ein Israelit (Cremieux), und der königl. Advokat (Anspach) ebenfalls Israelit, und der Huiffier ebenfalls Israelit. —. Jüngst wurde in Lille ein Israelit in die Freimaurerloge (Ia Fidelite) aufgenommen , und fand ein außerordentlicher Zufluß der Brüder statt, um dadurch, wie ausdrücklich erklärt wurde, gegen die Intoleranz der deutschen Logen zu'protestiren. (Arch. isr. de Fr.) Algerien. Algier, im Dezember. (Auch. isr. de Fr.) In den algier'schen Blättern wird gegenwärtig die Zulassung der Juden in die afrikanische Miliz besprochen. Der Akhbar vom 24. November drückt sich hierüber folgendermaßen aus: „Werden die Israeliten in die Reihen der Miliz eingestellt, oder sollen sie das traurige Privilegium der Ausschließung ferner haben? Uns scheint es nur Billigkeit und Angemessenheit, daß die jüdische Nation Lheil nehme an der Verteidigung des Vaterlandes. Billigkeit, denn, Antheil habend an den Vortheilen des Staates, müssen die Israeliten auch die Lasten desselben tragen; Angemessenheit, denn diese, unseren Institutionen, unseren Gesetzen schon so eng verbundenen Eingebornen, und die so thätig arbeiten, sich unsren Sitten und unsrer Sprache zu assimiliren, dürfen nicht eines Rechtes beraubt sein, das man den Spaniern, Maltesern , Aegyptern und so vielen Unterthanen fremder Nationen bewilligt. Der Befehl, der die Einstellung aller Juden unter dreißig Jahren in die algier'sche Miliz anordnen würde, würde von allen jungen Leuten dieser Religion dankbar ausgenommen werden." Derselbe Akhbar vom 8. Dezember spricht sich folgendermaßen aus : „Die Einführung der Israeliten in die Reihen der afrikanischen Miliz ist eine zu wichtige Sache, daß wir nicht abermals davon sprechen sollten im Augenblicke, wo man die Zählung der Bevölkerung Algker's vollendet. Der Dienst der Miliz, wie der der Nationalgarde in Frankreich ist nicht allein eine Pflicht für alle Bewohner des Landes; er ist auch ein Recht, das natürlich aus der Eigenschaft als Bürger herausfließt. Dieses Recht den Israeliten verweigern, wenn man es Fremden, die nach unsrer Kolonie kommen, um sich zu bereichern, zugesteht, würde das nicht einen beleidigenden Unterschied machen heißen? Und wer hat mehr Interesse das Land und die französische Herrschaft zu vertheidigen als die Juden, die mit uns eine bürgerliche Existenz errungen haben, daß sie von Sklaven zu freien Menschen wurden? — Dann hat aber auch die Sache eine allgemeine Wichtigkeit. 1200 Männer würden mindestens unsre Miliz vergrößern. Welcher Zuwachs an Kräften, welche Erleichterung im Dienste! Endlich würden die Juden durch die tägliche Berührung an Kenntniß unsrer Sprache, Gewohnheiten, Sitten wachsen und sich viel leichter mit den Prinzipien der Zivilisation vereinigen, welche die Ehre Frankreichs ausmachen." Kräftig weist aber dasselbe Blatt die Idee zurück, aus den Juden ein eigenes Korps zu bilden, wodurch die besten Vortheile wieder verloren gingen. —. Nach dem Journal l'Algerie haben in Konstantine, Dran und mehren Orten Unruhen durch die Juden statt gefunden. Es seien nachhaltige Streitigkeiten zwischen den Juden und Mauren vorgekommen, da die ersteren jetzt das Bewußtsein gewonnen haben, von der Tyrannei der alten Herren befreit zu sein. Ja , die arabischen Häuptlinge, die gegenwärtig in Paris sind, wollen sogar dem Könige das Gesuch vorlegen, die Juden in Algerien wieder in die untergeordnete politische Stellung zu bringen , aus der sie durch die französische Eroberung sich erhoben haben. Es versteht sich von selbst, daß solchen Dingen in Frankreich kein Gehör gegeben werden kann. Oesterreich. Aus Ungarn, 1. Januar. (Privatmitth.) Wer nur einen kleinen Theil von Ungarnnoch vor zehn Jahren, flüchtig durchgereist hat, und dieses dichten Gemisches von Nationen und Konfessionen gewahr wurde, in einer Ortschaft Ungarn, Slaven,