Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1845)
- Date
- 1845-01-13
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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26 Niffim Gaon verdrängt wurden. Doch sind die meisten Verschiedenheiten, in den beiden genannten Ritualen, -bei den täglichen und älteren Gebeten fast unbedeutend, worunter einige sich bereits schon im Talmud augedeutet finden, wie die Debatte über „obö nsrtfio , iisna" Barach. f. 11 b; zahlreicher sind die Verschiedenheiten bei den jüngeren an den Festen üblichen Gebeten und Piutim, welche sich selten über ihr Geburtsland hinaus verbreiteten.— Ehe wir uns nun in's Detail einlasscn, wollen wir, des leichtern Ueberblickes wegen, eine kurze universelle Uebersicht, über die Männer, die die Gebete verfaßt,, verbessert und geordnet haben, vorausschicken. An der Spitze derselben stehet natürlich die große Synode, welche, wie bereits dargethan, das Prototyp hergab; obwol sich jetzt schwer ausmitteln läßt, was eigentlich aus ihrer Feder geflossen sei. Ihnen zur Seite gehöret R. Gamliel der ältere (blühete am Anfänge der christlichen Zeitrechnung), welcher das Vorhandene, durch Simon Hapeknle, ordentlich sammeln ließ. Berach. k. 28. Megila 17 b. Unter den Thanaim steht R. Jehuda Hanaßi (blühete 220) obenan, welcher durch Abfassung der Mischnah und einiger selbst verfaßten Gebete, auch auf diesem Gebiete seinen wohlthätigen Einfluß ausübte. Würdig reihen sich diesem an, seine beiden trefflichen Schüler Rab und Samuel (blüheten im dritten Jahrhundert), welche manches Treffliche leisteten (vide Berach. 29 a.), irri'n, ibid. S3b., u. dgl. Unter den nachfolgenden Amoraim zeichnete sich R. Papa (blühete 35O) durch ein eifriges Bestreben Gebete zu sammeln und zu verbessern, vortheilhaft aus (ibid, f. 60 b. Sota 40 a. u. a. m.), dem man auch R. Jochanau und R. Assa als erste Redaktoren der beiden Talmuden zugesclleu kann. Die Periode der Seburaim und Gcouim war die Thätigste auf diesem Boden, dem auch die ganze reiche Saat der Piutim entkeimte. Schlagen wir nun den Sidur auf, um im Detail das Alter jedes Gebetes zu untersuchen; wobei wir uns größtentheils nach der vorliegenden Reihefolge halten werden. Ma tobu, Gebet beim Eintritt in's Gotteshaus, aus Bibelsprüchen zusammengesetzt. — Jigdal, ein didaktisches Gedicht, worin die dreizehn Glaubensartikel als Prinzipien des Judenthums vorgetragen werden. Ein spätes Produkt, wie auch die folgende Hymne Adon Olam. H. Fürstenthal in seinem Moreh schreibt das Erstere R. Jechiel Bar Baruch zu; weil die Endstrophe , 21^2 'brr ''öl das Akrostichon s'hrn gebe» soll. Die Beracha beim Händewaschen findet sich Berachoth f. 60 b, wo es R. Papa anführt, ohne den Schluß recht zu kennen, und erst durch Hilfe des R. Scheschet verbessert wurde (irn^^nb;‘■pbrt s'h«?’ö-'nh-^fiwa 'öl). Die Lob - und Segensprüche vor dem Lesen der Tora und dem Studium der Gesetze, ibid. 11 b. Aus der Feder des R. Jochanan ist das geflossen; die darauf folgende Beracha ist die älteste darunter, deren sich schon der hohe Priester am.Versöhnungstage bedient haben soll (Joma 68. b.) und als eine der vorzüglichsten geltet ('121 «-»in it ws-iHn.). Hierauf folgt die erste Mischnah Peah. Den Schlußsegen macht Eloha Refchama (ibid. 60 b.). Die fünfzehn Berachoth, die dann folgen, sind ebenfalls talmudisch, und gehören den Thanaim an; denn R. Mei'r hatte sie schon im Sinne, als er die Pflicht aufstellte, täglich hundert Segeusprüche zu sagen, wozu er auch 2, 3, 4 selbst lieferte. (Menachoth 43 b. Maimonides Tephila 7, 14). Das Jehi Razon steht mit dem Obigen in enger Beziehung, und kömmt mit geringen Abweichungen im Talmud vor (ibid. 60). Alle die Benedeiungen, achtzehn an Zahl, worin wir dem Schöpfer für all' die Güte und Gnade, die uns auf jedem Schritt im Leben begleitet, danken, wurde ursprünglich einzeln, nach dem gerade passenden Momente, gesagt. So z. B. beim Erwachen: Gepriesen der du den Schlaf von meinen Augen wegführst, beim Ankleiden u. dgl. wie es auch im Talmud umständlich angegeben wird. Der Gedanke an Gott sollte stets dem Menschen vorschweben; jede Handlung, jeder schritt soll durch diesen Aufschwung zur höchsten Idee geheiligt werden; daher auf jeden kleinsten Lebensmoment einen Segen und Lobspruch. Allein nur auf diese Weise konnten und mußten sie mächtig auf das Gemüth wirken; und mit Recht tadelt Maimonides den jetzt herrschenden und gar nicht zu rechtfertigenden Gebrauch, alle die achtzehn Segensprüche, ohne Rücksicht auf Zeit und Umstände nacheinander zu sagen (viel« Tephila 7, 9.). — Ebenso befremdend ist es, das unmittelbar nächstkommende zweite Jehi Razon hier plazirt zu sehen; da es dessen Verfasser Jehuda Hanaßi nach jedem Gebete zu sagen pflegte. Vielleicht beabsichtigte man damit, dieser Abtheilung des Morgengebets, welche Birchath Haschachar heißt, durch genanntes Schlußgebet von den anderen Abtheilungen zu scheiden. Da§ Leolam und Ribon wird bei R. Amram Gaon schon angetroffen und sind dem T hana hebe Elia hu entnommen. Jrrthümltch. behauptet H. Rapoport (Kali.r No. 20), daß das Leolam von unwissende» Abschreibern, die irrig das Leo-