Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1845)
- Date
- 1845-01-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 fü nf Israeliten auf der Wahlliste der O b e rsh eri fss der englischen Grafschaften stehen, ein unleugbares Zeugniß, welche verhältnißmäßig bedeutende Anzahl israelitischer Männer sich auf der Höhe bürgerlichen Werthe.s zu erhalten versteht. Jndeß werden schwerlich all' diese einzelnen Erscheinungen die Schranken brechen. Dazu fehlt den Juden — das Gewicht der Masse, ein Gewicht, welches allein in England etwas von der Stelle rückt. Der aufgeklärte Sinn der Engländer, die Achtung vor der rechtmäßigen Freiheit läßt sie gewiß in keiner Beziehung Jemandem Unrecht thun: das beweist erst wieder das neue Fremdengesetz. ' Aber Verhältnisse, die einmal sind, können ihnen nicht anders verrückt werden, als wenn eine Masse dahinter drückt. Daher wird das Oberhaus noch lange die völlige Emanzipation der Juden verwerfen, wenn auch"das Unterhaus, wie nun schon dreimal, sie votirt. Jndeß kann immerhin eine glückliche Konstellation sich bilden, die mit Anderm auch unsre gänzliche bürgerliche F'reigebung durchführt. Voraus zu sehen ist sie aber gegenwärtig noch nicht. — Die abermalige Zurückweisung Salomons als Alderman erweist, daß die Korporationen noch lange nicht gesonnen sind, für sich den Weg der Ausnahme zu beschreiten. Die zu Stande gebrachte Wahl eines Oberrabdinen ist immerhin ein wichtiger Akt. Bei der völlig prekären, unbestimmten Stellung aber wird es immer nur auf den Mann selbst ankommen, um sie gewichtig zu machen. Unter den Juden in England walten drei Elemente vor, welche eine allgemeine Tendenz für jetzt noch unmöglich machen. Es sind: einerseits die altenglischen Juden, meist portugiesischer Raye, die einen so eigenthümlichen Charakter haben, daß ihn zu ergründen eine lange Zeit, ihn zu skizziren eine scharfe Feder gehört. Es mischt sich hier englischer Freisinn mit altspanischer Grandezza, Großmuth und Freigebigkeit mit Steifheit der Gefühle und Starrheit, bürgerliche Intelligenz mit Bornirtheit in jeder andern geistigen Beziehung, Jsolirung, Zurückgezogenheit ff. ff. — kurz, eine eigene Figuration des Geistes, die in anderen Welttheilen bei dem Juden sich schwerlich wieder findet. Andrerseits und schnurstracks entgegengesetzt der beständige Zufluß der fremden Juden, weniger .der deutschen, als der polnischen. Indem die deutschen Juden sich viel zu sehr verlieren und auseinanderfallen, bilden die polnischen durch ihr charakteristisches Wesen ein kompaktes Ganzes. Wir brauchen sie nicht besonders zu schildern, man kennt sie; man kennt sie besonders in denen, welche Auswanderer sind. Mitten inne stehen die anglifirten polnischen und deutschen Juden, die theils schon eine längere Reihe von Jahren in England leben, theils Kinder von Einwandrern sind. Auf diese hat englische Lust und Sitte schon vielfach eingewirkt, ohne den eigenthümlichen Grundzug verloren zu haben. Hier hat das materielle, so vielbewegte Leben Englands einen großen Eindruck gemacht, ohne daß der englische Geist Eingang gewinnen konnte. Es ist äußerlich, die englische Solidität, innerlich die polnische Beweglichkeit, die nur sehr oberflächlich den Kulturstand, wenn auch sehr schnell einnimmt. — Diese drei Elemente trennen die Juden Englands in sehr verschiedene Stoffe, die zu amalgamiren, die zu einem einigen Körper mit bestimmter Geistesrichtung zu bilden, nimmermehr einem Manne gelingen kann: weshalb ich die Wirksamkeit des Oberrabbinen nur für sehr schwach erachten kann. Rußland. St. Petersburg, 12. Dezember. (Privatmitth.) Unter den Juden Rußlands zeigt sich eine außerordentliche Lust zur Kolonisation. Im mohilewer Gouvernement will sich mehr als zwei Fünftel zum Landbau verschreiben. St. Petersburg, 13. Dezember. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen hiermit die zeitlichen Vorschriften, die der Herr Minister erlassen, und werde Ihnen über alle ferneren Ministerialerlasse schleunigst berichten. Zeitliche Vorschriften für die Unterordnung der hebräischen Lehr- und Gelehrtenanstatten, so wie der Privatlehrer, unter die Aufsicht des Ministeriums der Votksaufklärung. Kap. I. Ueber die Organisation der hebräischen Lehranstalten. 1. Die jetzt bestehenden hebräischen Lehranstalten sind viererlei Art: