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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-01-02 · Heft 1 (2.1.1845) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 1 (2.1.1845)
Date
1845-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 pora äußere Verhältnisse zur Hülfe kommen. Es erweckt den Ehrgeiz, das Interesse vieler, sonst für Religion abgestorbener Individuen, wenn das Judenthum äußerlich vom Staate gedeckt ist; mit diesem Ehrgeiz und Interesse wird auch Theilnahme und Thätigkeit geweckt — und auf diese Weise wird hin und her gewirkt, daß das von außen geweckte, und darum thätige Individuum selbst geistig davon ergriffen wird. Man kann am Ende doch nicht lange mit religiösen Dingen beschäftigt sein, ohne dafür erwärmt zu werden. Ich spreche nicht ohne direkte Beziehung. Wir haben im französischen Judenthum einen Mann, der von religiöser Seite durchaus nichts für dasselbe fühlte, dennoch aber Großes in ihm und für es leistete, weil es sozial und politisch ihn intereffirte, reizte. Darum, sage ich, ist es in den jetzigen Zeitläufen dem französischen Judenthum von Nutzen, daß es den Glanz der großen Staatsinstitution für sich hat. Er ist ein Hülfsmittel, darum nicht verwerflich, weil in Frankreich hiermit auch nicht der geringste Gewissenszwang verbunden ist, niemals bis jetzt dadurch ein Zwang in religiösen Dingen geübt worden ist. — Aber zum Nachtheile gereicht die in Verhältniß geringe Zahl der Juden, wo kaum 100,000 unter 33 Millionen zerstreut sind. Der große Einfluß, den zur Erhaltung die Massenhaftigkeit auf die Masse ausübt, fehlt hier, es geht Alles in zu kleinen Dimensionen vor sich. - Ist nun auch die Zahl derer, welche im französischen Judenthume gegenwärtig von Neuem sich angeregt fühlen, 'noch nicht zu groß, so fangen sie doch an, sich kräftig zuäußern. Nach zweien Seiten hin fühlen sie das lebhafteste Bedürfniß: den Jndifferentismus, der die Religion der Väter gänzlich der Außenwelt zum Raube gegeben, zu verdrängen, und sittlich-soziale Kultur in die noch rohe Masse zu bringen. Beides äußert sich zuvörderst darin: den Kultus zu reformiren, ohne dessen Charakter zu opfern, und durch Jndustrievereine die Masse der Juden dem Trafik und Handel zu entziehen. Alles sittliche Moment, welches in dem ältern Judenthume lag, zu erhalten, alles unsoziale und isolirende Verhältniß zu entfernen: dies ist die Hauptaufgabe, die zu lösen und durchzuführen ihre Bemühung ist. Zunächst findet dies Streben nun einen neuen Anhaltpunkt an dem gedachten Drganisationsgesetze. Man erkennt wol die Schwächen desselben, «ras sieht, daß die Fehler, welche aus der bisherigen Konsistorialverfassung eine leblose Maschiene gemacht, noch nicht vermieden sind: allein Etwas ist doch darin geschehen, um. dieselbe der Masse näher zu' bringen, und dies will man benutzen, um mchr Kraft und Leben hineinzubringen. Bisher war die Nötabilität und das Konsistorialat Sache der Geldaristokratie, 'des gefährlichsten Elements für die ReKgion: man möchte beide zur Sache der Pietät und Religiosität, d. h. des lebhaften Sinnes für Glauben und Gottesdienst machen. Die nächste Zukuuft muß entscheiden, ob es gelingen wird. Zunächst wird dann auch die Wahl eines Zentral- Großrabbinen die Gemüther beschäftigen. Eine entschiedene Autorität, die dazu berufen w^re, besitzt Frankreich nicht. Eine Neigung, diese aus dem Auslande zu holen, ist noch nicht ausgesprochen» Es ist vorauszusehen, daß, wenn abermals eine Null diesen Posten erhält, das Leben des neuen Drgarüsationsgesetzes vielfach erschlaffen wird. AnderntheilS könnte ein gediegener Mann Ungemeines leisten. In Frankreich nämlich sind — ich kenne keine einzige Ausnahme — die bedeutenderen Rabbinen sämmtlich der gemäßigten Partei angehörig. Eine Rabbinerversammlung würde hier die besten Resultate erzielen. Diese kann aber nur vom Zentral-Großrabbiner am füglichsten ausgehen, und würde von ihm angemessen geleitet werden. So an der Spitze der Rabbinen, mit ihnen in gemeinschaftlichem Wirker^ könnte sehr Tüchtiges gefördert werden. Wir sehen, auch hier heißt es: „es möchte, LZ könnte" — wohlan, das Wort werde That, der Gedanke Wirklichkeit! Großbritannien. London, 15. Dezember. (Privatmitth.) Unsere Erfolge im verflossenen Jahre beschränken sich auf lokale Triumphe. Verschiedene Städte habe« Petitionen um Entfernung aller, den Juden entgegenstehenden Beschränkungen, an das Parlament gesandt, und werden solche an das wieder zu eröffnende Parlament senden, und einzelne Israeliten sind zu obrigkeitlichen Würden von ihren Mitbürgern erwählt worden, — wie denn im Augenblicks

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