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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-01-02 · Heft 1 (2.1.1845) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 1 (2.1.1845)
Date
1845-01-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Wahre, einzige Freiheit, Die Erkenntniß der Wahrheit Und die Uebung der Liebe — Hallelujah! Und so wurde Israel Zum Symbol — Oftmals kehrt die Knechtschaft wieder, Immer siegt die Freiheit wieder — Bis der Kampf Immer schwächer. Bis der Sieg Immer stärker. Bis er endlich Ewig wird! Hallelujah! Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 18. Dezember. (Privatmitth.) Frankreich tritt in dem eben ablaufenden Jahre innerhalb des Judenthums in den Vordergrund der Erscheinungen, wie es dies seit langer Zeit nicht that, und zwar: vermittelst des neuen Organisationsgesetzes. Wir vermeinen nicht im Geringsten, daß irgend einer darniederliegenden Geistesrichtung vermittelst eines Gesetzes aufgeholfen werden kann. Jedennoch, wenn das Gesetz Ausfluß eines lang gefühlten Bedürfnisses ist, wenn es hervorgerufen durch den Andrang der Betheiligten selbst, dann kann es zur Axe einer neuen Bewegung, zur Hebeamme eines neuen Lebens werden. Es ist dann die Pforte, die den Zugang zum neuen Gebäude eröffnet. Das neue Organisationsgesetz vom 25. Mai ist' durch das Zentralkonsistorium bewirkt worden, das Zentralkonsistorium ist dazu durch vielfachen Andrang von außen bewogen worden: somit ist es klar, daß jenes Gesetz nicht ein von oben herab erlassenes, sondern-von unten herauf geschaffenes ist. Auf diese Weise ist es selbst das Produkt wieder erwachten Lebens im französischen Judenthum, und somit auch ein n.euer Impuls für dasselbe. Blicken wir auf die religiösen Zustände im französischen Judenthume, wie sie sich bis jetzt gestaltet hatten: so waren sie eine lange Zeit unerquicklich, ja trostlos. Von der einen Seite war der Geist der französischen Juden gänzlich in die Sozialität aufgegangen. Die bürgerliche Welt war die einzige, die für sie existirte; Geld, Genuß und politische Ehre der Gott, den sie anbeteten. In ihren besseren und schlechteren Seiten hatte die französische Gesellschaft den einen Theil der Juden verschlungen: das Judenthum, die Religion war für sie verschwunden. Der andre Theil, in Paris und im Elsaß, statt ganz und gar in dem krassen, unkultivirten, mittelalterlich jüdischem Wesen, und die Zeit und die bürgerliche Freiheit waren ohne Einwirkung daran vorübergegangen. Frankreich war es, welches deutschen Schriftstellern, feindlichen und freundlichen, das Argument auf die Lippen legte: emanzipirt die Juden, und sie hören auf Juden zu sein, das Judenthum geht unter. Zum Glück geht das Alles nicht so . schnell, wie es solchen Leutchen erscheint, die die großen Erscheinungen der Weltgeschichte nach ihrer Krämerelle bemessen, und, weil sie das schützende Brett unter ihren Füßen verloren haben, ausrufen: die Welt geht unter! Die wahre und intensive Kultur, die nachhaltige Bildung des Geistes und Herzens begann auch in Frankreich die jüngere jüdische Welt zu durchströmen. Die Täuschungen, die in der politischen, der Ueberdruß, der in der industriellen Sphäre des Menschenlebens, nie ausbleiben: sie ergriffen auch einen großen Kreis des französischen Judenthums, und singen an, der Religion neue Wege an'zubahnen. Was dem französischen Judenthume zum Vortheile gereicht, ist, daß es den Glanz einer großen Staatsinstitution für sich hat. Was ihm zum Nachtheil gereicht, ist, daß die Zahl seiner Anhänger zu klein in Frankreich ist. Man mißverstehe uns nicht. Wir sind weit davon entfernt zu glauben, daß die Religion eines äußern Glanzes, einer äußern Stütze bedürftig sein sollte. Nicht im G-eringsten verkennen wir, daß das Judenthum am kräftigsten lebte, als es vom Staate niedergehalten, unterdrückt war. Ich spreche nur von den einmal obwaltenden Umständen. Was?.sind alle Menschen tiefer, nachhaltiger Begeisterung fähig? sind alle Menschen im Geist und Herzen lebendig? Da müssen im Kampfe bestehender, aber rivalisirender Kor-

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