Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1845)
- Date
- 1845-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Aber der feige Tyrann, . Seiner Verbrechen bewußt, ' Wähnet durch Mangel und Jammer Jeglichen Muth zu erdrücken: Hohle Gesichter, gekrümmte Rücken, erloschene Augen Sind ihm die Bürgen der Herrschaft. Darum ergrimmt der Aegyplec Ueber des Völkleins Zahl und Frieden, Birgt die Furcht in dem Schrecken, In der Wuth die Angst; Gift schwellt sein Herz — Und das Joch legt er auf AU' dem harmlosen Fremdling, Einem ganzen Gevolk. Seines Stolzes Prachtgebäude Muß es zu den Wolken thürmen, Seiner Lüste Hain' und Garten Muß es durch die Fluren breiten. Seiner Schatze Sammelstädte Muß es an dem Strome bauen. Aber der WiUe des Herrn ist mächtiger Als des Tyrannen Gebot: Immer stärker wird die Zahl — An der fruchtbaren Rebe treibt Schößling nach Schößling. Wahrlich! der Sinn des Tyrannen ist stark, Eisern in seinem Trotz: Mit dem Leben hat er den Kamps gewaltig begonnen;. Da in der Kraft es zu tödten seine Kraft nicht genüget, Treibt, es im Keim zu ersticken ihn die stachelnde Wuth. Von der Mutter Busen Reißt er das Kind, Wirft's aus der Mutter Armen In die Fluch. Ha! verbirg Dich, Engel der Menschheit, In den dunkelsten Schatten vor Schmach: Laß die Thränen des Weh's Rollen von Deiner erbleichten Wange! In dem weisen Aegypterlande Mit den Künsten, dem Wissen, Ward erfunden Sklaverei, Sklaverei eines Volkes, Seinen Armen die Bande, Seinen Kindern der Tod! 2. Als im Aegypterland Wurde die Knechtschaft vom Menschen erfunoen Ward auf dem Sinai Freiheit, die Freiheit von Gott verkündet — Hallelujah! Wie, wo der Gkftbaum Tod aushauchet, schneidenden Tod, Blüht der Genesung Heilendes Kraut Dicht daneben, die einzige Pflanze In dem Umkreis des Giftbaums: Also drangt am Aegypterlands Knechtschaft Dicht sich Sknai's Freiheit — Hallelujah! Seitdem ringen und streiten Knechtschaft, und Freiheit, Knechtschaft Aegyptens, Sinai's Freiheit, Einen steten, beständigen Kampf: Oftmals hob die eiserne Ruthe Ueber den Menschen schwache Geschlechter Geißelnd die Knechtschaft — Aber nicht lange, dann rief die Freiheit Hallenden Ruf:;,Auf, zu mir, wer des Herrn ist!" Und dann rauschte ihr Gottespaniec, Und dann sauste ihr Gottesspeer, Und dann dröhnte ihr Gottesschild, Und es sank Immer die Knechtschaft In die selbstgeschaufelte Gruft — Hallelujah! Warum sinkst Du, Knechtschaft, immer? Warum siegst Du, Freiheit, immer? Weil die Knechtschaft zur Geißel Rohe Gewalt hat, Weil die Freiheit zum Schwerte Die Erkenntniß hat, Die Erkenntniß des Einigen, Der da ist das ewige Sein, Wie er verkündet Auf Sinai — Das ist die Freiheit,