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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-25 · Heft 52 (25.12.1843) · p. Seite 766

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 52 (25.12.1843)
Date
1843-12-25
Page
Seite 766 (sequence 6)
Language
German
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766 nicht? Herr Rabb. Trier, der beim Senate Anfangs die Opposition vertreten wollte, ist in diesem Entschlüsse wankend geworden', und hat sich bis jetzt nicht definitiv entschieden. Herr Di-. Goldschmidt hat als Anwalt des Herrn der die Beschneidung seines Knaben verweigert, in seiner desfallsigen Eingabe beim Senate dem Hrn. Trier durchweg die Anerkennung als Rabbiner verweigert, und ihn nur schlechtweg Handelsmann Trier genannt. Ob dies Verfahren würdig zu nennen, mögen die Leser, ob es zweckdienlich, wird der Senat in nächster Zukunft entscheiden. a . Oestekreich. Prag, 8. Dezember. - (Privatmitth.) Den 5., 6. und 7. Dezember war das Gebäude der „böhmisch-jüdischen Steuergefälls - Direktion" der Schauplatz der größten Thätigkeit. Es handelte sich nämlich um die Besetzung der durch den freiwilligen Austritt des einen und durch den Tod des andern Direktors erledigten Vorsteherstelle des Steueramtes. Hätte man nun dabei nach dem üblichen Schlendrian Vorgehen wollen, so hätte die Sache gar keine Schwierigkeit gehabt; das Individuum wäre bald gefunden gewesen; denn wer möchte nicht gern Steuerdirektor werden? Aber das hier bestehende permanente Pächter -Komite (die Herren Edle v. Lemmel und v. Porthekm, Joseph Pollak und Samuel Lippman) zeigte durch die äußerst kluge und rasche Art, wie es das Provisorium einsetzte, wiewol es begriff, daß die Aufgabe der Pachtungsgesellschaft") nicht nur darin bestehe, die Steuer gehörig einzutreiben, . sondern auch die Steuerpflichtigen vor Vexationen, so viel wie thunlich *) Für diejenigen, die es noch nicht wissen, diene hier die Bemerkung, daß die Gesellschaft der Steuerpächter aus der Mitte der böhmischen Judenschaft die Obliegenheit hat durch eine hinterlegte Kaution dem Staate die Eintreibung der böhmischen Judensteuer im jährlichen Betrage von 276000 Fl. M. zu verbürgen; ein Modus, der nach den Verhältnissen, wie sie sich vor etwa 34 Jahren, bei dessen Einführung gestalteten, gewiß der einzig mögliche, weil materiell, der humanste war, der aber jetzt, weil er in seinem Prinzips Eidschwüre, Konfiskationen und Bannflüche mit sich führt, für unsere Zeit doch zu sehr barbarisch ist. Anm. des Korr. verschont zu erhalten viel Umsicht. Und derBekfall, mit welchem diese Maßregel hier, sobald sie bekannt geworden, ausgenommen, und die Beistimmung, welche ihr von den hier sich versammelnden Pächtern gezollt wurde, ließ nun keinen. Zweifel mehr aufkommen über den Gedanken, der Lei der Wahl vorherrschen sollte; und bei der Wahlschaft selbst halten wir das unter unseren Umständen bisher höchst seltene Schauspiel — das, wir hoffen es, sich bei einer immer fester werdenden Gesinnung von nun an gelegentlich öfterer erneuern wird — daß zwei Männer vorgeschlagen wurden, die beide ehrenhaft, vermögend, intelligent und beseelt von dem Gedanken sind, dem allgemeinen Besten förderlich zu seist. Der Eine, einer Famille angehörig, die schon seit länger als einem halben Jahrhunderte in Böhmen mit Achtung genannt wird, nebstbei aber noch das Gewicht eines reiferen besonnenen Alters Ln die Wagschale legend; der Andere, in der blühendsten Manneskraft, rüstig/ aus früheren Dienstleistungen erfahren im Geschäfte des Steuerwesens, und allgemein bekannt aus den vielen Kämpfen für den Fortschritt in unserer Gemeinde, wo er entweder an der Spitze gefochten, oder als tapferer Krieger dahin postirt wuchs, wo der Kampf am heißesten glühte. Der Eine, erhoben auf adelichen Schildern, getragen von den Koryphäen Prags, von den höchsten Kontribuenten, die „halbe Millionen umschlingen"; der Andere, gestützt und beschirmt von dem vereinten kräftigen Phalanx der Landdeputirten und mehrerer der Hauptstadt. Auf der einen Seite Autorität, aus der andern Mrhrzahl der Betheiligten. Daß nun bei solchen Kräften, die sich einander gegenüber standen, der Kampf mehrere Stunden 'lang anhielt, bis am Ende die Schlacht — unentschieden blieb, macht wohl der Tapferkeit beider Partheien die größte Ehre; aber zu bedauern ist es nur, daß so biel Zeit und Kraft ohne Nutzen versplittert wurde. Nach Unserem schlichten Verstände wäre es besser gewesen, anstatt sich die Kandidaten wechselseitig abzujagen, man hatte sich .einerseits gewisser vorgefaßter Meinungen, andererseits eines hier gewiß unzeitigen Mißtrauens^) begeben und .sich über beide in Vor- *) Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, sei hier Noch einmal und ausdrücklich gesagt, daß bei den zwei

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