Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1843)
- Date
- 1843-12-25
- Page
- Seite 765 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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befanden. Es ist immer ein Gegenstand der Kuriosität, wie eine jüdisch-religiöse Todtenfeier' für einen Christen gehalten wird, und ich stelle .daher das Programm hierher: - I. Des Morgens wird die Jahr'szeit-Lampe auf der dazu bestimmten Gedächtnißsäule, auf welker der Name, Geburts- und Sterbetag des Baron v> Kottwitz bezeichnet ist— angezündet. II. Das Bild des Defuncti wird mit Immortellen bekränzt. III. Das Morgengebet wird, abgehalten, wobei der älteste Waisenknabe der Anstalt, das Kadisch- Gebet verrichtet. IV. Um 10 Uhr beginnt die öffentliche Feier: a) mit dem Gesang tna rw (Herr was ist ' der Mensch); b) Herr Märzbach< verrichtet als Vorbeter, das Gebet „Unerförschlicher rc."z . e) es folgt hierauf der Chorgesang nnw -zdb (drum ist mein Herz rc.); 6) der Direktor Herr Moschelssohn schildert dann, in einer Rede die Bedeutung des Tages für das Waisenhaus. , Dieser folgt: ' e) das Gebet „So legen wir rc."', und .aas; p'iz („die Seelen der Frommen" rc.), wonächst. . , f) mit dem Gesang s-jVd astp (Ewige Wahrheit ist's) die Feier beschließt. Berlin, 15. Dezember. (Privatmittheilung.) Hier ist große Unruhe im. Lager Israel's. Ein neues Statut der Gemeinde, Rechenschaftsablage, Rabbinerwahl, dies sind drei Standarten, um die sich die streitende Synagoge scharet, um die der Löwe von Juda mit schüttelnder Mähne und scharfem Gebiß umwandelt. Es gilt hier keine orthodoxe, keine reformistische, keine juste milieu-Parthei, alle haben sich vermengt, vermischt, eine Koalition ist vorhanden, die wider, eine andere,- die für kämpft;, die deutsche Allgemeine erhält Bulletins, Proklamationen; es wird in die Posaune geblasen, daß es bis über das Gebirge Ephrajim schallt.- Möchte nur was daraus werden! Es ist so selten, daß aus den Gemeindestreitigkeiten etwas Wesentliches hervorgeht. Wir sind keine Knaben, die nachgeben, und darum stehen wir zuletzt vom Kampfe ab, weil wir müde sind, ohne aber Etwas erreicht zu haben. Was ist aus dem Hamburger Streit hervorgegangen?' Die Synagoge ist dort nachher im Verfall, wie vorher. Was aus den Breslauer Wirren? Was aus den Fürther Prozessen? Und wenn nun die großen Frankfurter Rüstungen wirklich zu der Wahl eines zweiten Rabbinen geführt haben — so weiß man ja, was ein Mann in solchem Feldlager ausrichten kann!-Das Beste und Räthlichste.wäre wahrlich für Berlin —- eine Transaktion. Eine Deputation müßte die Aeltesten in einer gemeinschaftlichen Sitzung angehen, ihnen bemerklich machen, wir wollen nicht zanken wie die Kinder, sondern wirken 'wie die Männer, alles Vergangene sei mit einem Rechnungsstrich und voller Decharge abgeschlossen: aber für die Zukunft sind das und das die Wünsche aller Vernünftigen, kommt her, wir wollen in Eintracht und Liebe berathen, wie es am besten in's.Werk, zu setzen. Einer solchen versöhnlichen, schonenden und doch nachdrücklichen Rede könnte Niemand widerstehen, und solche Saat würde gewiß gute Früchte trägem; - - X. , Deutschland. Aus dem Baierischcn Franken, 6. Dezember. (M. I.) Seit einigen Wochen ist bei unfern Juden das erfreuliche Gerücht in Umlauf gekommen, die Negierung beabsichtigt eine Verbesserung ihrer bürgerlichen Verhältnisse und werde aus diesem.Grunde mannigfache Beschränkungen, die das Edikt vom Jahre 1813 enthält, aufheben. Den Rabbinern sind neuerdings Verhaltungsmaaßregeln zugekommen., streng im Geiste der Bibel und der Tradition' zu wirken, und die jüdischen Soldaten sind angewiesen worden, ihre religiösen Vorschriften, so viel als möglich, und so weit sie mit dem Dienste vereinbar sind, genau zu beachten. Frankfurt am Main, 11. Dezember. (Privatmitth.) Im Schooße der orthodoxen Parthei ist eine ernstliche Spaltung über die Frage entstanden, ob man der Wahl des Herrn Dr. Stein zum zweiten Rabbiner Opposition machen solle oder