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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-25 · Heft 52 (25.12.1843) · p. Seite 764

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 52 (25.12.1843)
Date
1843-12-25
Page
Seite 764 (sequence 4)
Language
German
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764 neues Gebäude zu errichten, wie es grade, für die Grillen des flüchtigen Zeitgeistes passend erscheint.... Mit dem Abwerfen der rabbinischen Autorität und und des sogenannten Formglaubens ist bei uns jeglicher Spekulation Thor und Thür geöffnet, und es bleibt-Nichts übrig als eine deistische Vernunftreligion, wie sie freilich den Gebildeten heutzutage sehr zusagt und wie sie, obgleich von Juden vorgetragen, bei christlichen Liberalen lebendige und nacheifernde Theilnahme findet. Dieses sogenannte aufgeklärte Judenthum ist, in seiner Tiefe betrachtet, nichts als die Modifikation allgemeiner revolutionärer Ideen, welche ja auch die christliche Kirche und der christliche Staat zu bekämpfen sich berufen fühlt, angewandt auf die jüdische Orthodoxie. - Es ist jener Ew. Excellenz wohlbekannte Geist, der das Positive, das alte Recht und das Althergebrachte'wegwühlt und dafür das Bodenlose, das Rechtswidrige und das Neumodische setzt; also im Judenthume statt des Rabbinerwesens die Aufklärung, statt der Zeremonien den Begriff und statt der stabilen Formen die geistreichen Redensarten.Es fragt sich: soll die neujüdische Bewegung, nachdem sie in Süddeutfchland theilweise zurückgewiesen ist, theilweise sich dort noch im Gährungsprozesse befindet, fortan Breslau zu ihrem Hauptsitz erwählen und mithin festen Boden in Preußen gewinnen? Breslau ist eine für die Entwickelung der jüdischen Zerwürfnisse hochwichtige Gemeinde. .Sie wirkt, ihrer Lage und ihren Verbindungen nach, zugleich auf die polnischen , zugleich auf die deutschen Juden.Dazu kommt, daß so viele Organe der öffentlichen Meinung . jüdischen Reformfreunden zur Disposition stehen, und daß dieselben also die Mittel in Händen haben, uns, die wir das Wesen unserer Religion und die Heiligkeit der rabbinischen Satzungen verteidigen, als Quärulanten und Zeloten zu schildern. ...." Am Schluffe endlich geradezu: „Das aber erkennen wir, daß, falls wir nicht gehört werden, böse Wirren, unheilvolle Zerwürfnisse und traurige Kränkungen über unsere sonst so friedfertige Gemeinde kommen, und statt des Friedens und der Frömmigkeit werden fortan Hader und Gottlosigkeit bei uns herrschen....." 'Wir haben diese Auszüge aus einem bisher zwar in öffentlichen Blättern besprochenen, aber nirgend publizirten Actenstücke gegeben, weil sie den aufmerksamen Leser in die Tiefe der Dinge hinabführest und weil Niemand, 'der preußische Spezialverhältniffe kennt, es sich verhehlen wird, von welcher ungemeinen- Wichtigkeit, einmal vorhandenen Zuständen gegenüber, für uns die Entwickelung der jüdischen Kämpfe geworden ist. Aber der große Trieb unserer Zeit hat auch hier ausglei-- chend gewirkt, es kam zu keinem Prinzipienkampfe. Hr. Geiger fand es nicht angemessen, die von ihm bekanntlich in der Theorie vertretenen Ansichten für .die Praxis durchzuführenz-mit subtiler und weiser Mäßigung hielt er sich innerhalb der strengen Schranken des orthodoxesten Judenthums, und, äußerlich die eingerosteten Zeremonien ausübend, hat er bis jetzt lediglich gewagt, die lautere Muttersprache in der Synagoge zu verkünden. Dennoch verfolgt ihn unversöhnlicher Haß, der aus dem Grabe des zu seinen Vätern versammelten Rabbi Tiktin neue Nahrung schöpft und dessen traurige Folgen zu beschwichtigen man eben jetzt bemüht ist/ — Bemerken müssen wir noch, daß man hier in Berlin, wo das konservative Judenthum tiefe Wurzeln zu schlagen beginnt, nicht mit der Berufung eines neuen Rabbiners, sondern nur eines Räbbi- 'nats-Assessors sich zu beschäftigen gedenkt. Wir wiederholen nochmals, daß die hervorragende. Wichtigkeit der jüdischen Zustände für Preußen, eine Wichtigkeit,' die auf geistiger Basis beruht, unsere Erörterung rechtfertigt. Allgemein ist hier die erfreuliche Kunde verbreitet, daß die Regierung damit umgehe, nach manchen Seiten hin politisch den Zustand der preußischen Juden zu verbessern und einige'bisher noch bestehende Beschränkungen aufzuhebem" Posen, 14. Dezember. (Privatmitth.) Am 10. d. fand in der hiesigen israelitischen Waisenknaben-Anstalt eine Todtenfeier für den Hrn. Baron von Kottwi'tz,' bekanntlich der Hauptfundator der Anstalt, statt. Sehr würdig und wahrhaft erhebend war der Gesang der Waisenkinder, die von mehreren Dilettanten unterstützt wurden, an den sich der gute Vortrag des Vorbeters Merzbach anschloß. Die gehaltvolle und gutgesprochene Rede des Mitdirektors, Hrn. S. MeschelsohN, verfehlte nicht, einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf die Gemüther der zahlreichen Anwesenden zu machen, unter denen sich auch die Verwandten des seligen.Barons, so wie der Oberrabbiner und mehrere andere Notabele

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