Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1843)
- Date
- 1843-12-25
- Page
- Seite 763 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225334--05726-3236398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
763 haben, besser als ihre christlichen Nachbarn, weil sie das Gesa me -von der. Fremde, mitbringen. Das 33i:r , welches sie brauen, ist fast das einzig trinkbare, sie sind überall die Gastwirthe, und oft finden Sie etwas, womit Sie sich stärken können, mitten in einer Wüste, in einem Dorfe,'das ein Jude bewohnt, wahrend Ihnen alle christlichen Einwohner einer.Kreisstadt für Ihr Geld' ein Stück Brod verweigern. Ich .habe niemals Geld von den Juden geborgt, wie jene, die gegen ihre Gläubiger geschrieben und gehandelt haben, anstatt sie zu bezahlen. Ich' habe also auch keinen Vortheil davon, baß ich meine Meinung zu Gunsten der Abstämmlinge Israels ausspreche, die ich für das Wohl von Galizien eher nothwendig und nützlich halte, als schädlich."" Professor Schuttes bereiste die Karpathen Ln geographischer, physischer und naturhistorischer Absicht." Berlin, 8. Dezember. Die D. A. Z. enthält von hier einen Artikel, der jedenfalls sehr interessant ist. Man erinnert sich der tkefeingreifenden und unangenehmen Zerwürfnisse, deren Schauplatz, in Folge der Berufung des Hrn. Geiger aus Wiesbaden, die jüdische Gemeinde in Breslau geworden, und zu deren endlicher Beilegung, da die Wirren in eine förmliche Trennung unter den Betheiligten auszuarten ^drohten, man sich einen königl. Commissar aus Berlin erbat. Diese schwierige Mission soll dem Hrn. v. Ladenberg, Director im Ministerium des Kultus, zu Theil geworden sein; jedoch vermögen wir.das Faktum nicht zu verbürgen. Die Wahl.'scheint uns eine sehr glückliche und versöhnliche zu sein, da Herr v. Ladenberg neben dem Sinne für das Unabänderliche in der positiven Religion auch die Bedeutung dessen zu würdigen versteht, was man als starr festgehaltene Aeußerlichkeit bezeichnet und was in dem Gewissen Vieler seinen hohen Werth behalteywird. Die Denkschriften- und Auseinandersetzungen, welche die beiden sich schroff gegenüberstehenden Parteien unter den Juden Breslau's sowol dem Ministerium des Innern wie dem der geistlichen Angelegenheiten vorgelegt haben und welche uns zufälligerweise zu Gesichte gekommen sind, gehören wol zu dem Bedeutendsten und Jnhaltschwersten,' was über diese, die Zeit so mannichsach in ^Bewegung fetzende Partie vorgebracht worden ist. Von Seiten cher einer verständigen Reform huldigenden Juden viel Kunstfertigkeit im Ausdruck, schärfe Dialektik und namentlich gesundes Bewußtsein ihrer-Stellung innerhalb eines protestantischen Staates, der ja sein Lebenselement eben in der Berechtigung zu kirchlichen Reformen gefunden; welche letztere Andeutung hauptsächlich dazu beigetragen haben sollj, daß der verewigte Monarch Hrn. Geiger das Staatsbürgerrecht ertheilte. Von Seiten der orthodoxen Juden eine in gewaltigen Tönen dahin brausende Sprache, etwas konfus und überhäuft, zuweilen listig und heimtückisch, sogar mit der ihnen eigenthümlichen schneidenden Ironie erfüllt, aber mächtig das Herz anregend, mit spekulativem Tiefsinn die Bewegungen innerhalb des Judenthums anreihend an die Bewegungen der Zeit überhaupt, hinweisend auf den Grund für alle Religionen und mithin für alle positiven Verhältnisse in dem unabänderlichen Wesen des Judenthums., und oft sich zu einer Darstellung erhebend, welche an die Propheten und .an den Geist-ihrer großen Vater erinnert. So heißt es in einer von Seiten der orthodoxen breslauer Juden dem Ministerium eingereichten Denkschrift buchstäblich folgendermaßen: „Man hat uns Obskuranten, Eigensinnige und Zeloten genannt, man hat von uns gesagt, wir handelten aus' Trotz und Starrsinn und wir verschmähten den Fortschritt und die Bildung der Zeit. . Das sei fern von uns! Wir möchtew nur das unveränderliche Wesen unserer Religion festhatten und wir wollen den Kern und die Säule unsers Lebens nicht der Spekulation und der Kritik unwissender Neuerer preisgeben.Die jüdische Gemeinde in Breslau war bisher allgemein wegen ihrer Rechtglaubigkeit und ihres echt religiösen Sinnes berühmt. Von jeher hat hier unter den Juden Friede und Eintracht und althergebrachte Gottesfurcht geherrscht, wie, was stets damit verbunden ist, Treue für die von Gott gesetzte Obrigkeit. Dieser strenge Ernst, das Erbtheil unserer Väter, trug die segenvollsten Früchte, weil unsere Gemeinde als Zentrum für ganz Schlesien dasteht und weil von hier aus sich die direkteste Einwirkung auf das. Großherzogthum Posen entfaltet..... Bei den reformatorischen. Neuerungen handelt es sich da-' rum, das Judenthum und die jüdische Religion in ihren Grnndsätzen aufzuwühlen und statt ihrer ein 52* .