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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-18 · Heft 51 (18.12.1843) · p. Seite 755

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 51 (18.12.1843)
Date
1843-12-18
Page
Seite 755 (sequence 11)
Language
German
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755 verliert einst das öö und wird so wieder bN „Engel.") Bevor Alles geschaffen wurde, bestand eS schon vor Gott in seinen wahren Formen; die ganze untere Welt ist nach der obern gemacht, Alles, was in der obern existier, erscheint uns hier unten wie in einem Bilde, und dennoch ist alles Dies nur Eins. Von dieser Lehre aus hatten die Kabb. nur einen Schritt, zur Astrologie, (die sie jedoch nicht auf die Sterne beschränken,) und zu einer übertriebenen Physiognomik, (die sie namentlich an die Vision Jecheskel's knüpfen.) Die Daemonologie der Kabbalisten ist nach diesen Prinzipien auch nichts weiter als eine Personifikation des in jedem Gegenstände der Natur vorhandenen Intelligenten, Unveränderlichen als Engel, und des Materiellen, Aeußern als Teufel, jenes ist der Geist, das Leben, die ideelle Form, dieses die Materie, das Verderbniß, der Tod. Wir können hierauf beschränkten Raumes wegen nicht naher eingehen.— Das fünfte Kap. stellt die Ansicht der Kabbalisten über die menschliche Seele dar. Die Kabbalisten verleihen dem Menschen einen sehr hohen Rang, betrachten ihn als das Resume und die Spitze der ganzen Schöpfung, ' als .das Bild der Welt, der Universalität der Wesen, ja auch als das Bild Gottes, als die. Gegenwart Gottes auf Erden. Obgleich Haut, Fleisch, Knochen, Adern nur das Gewand des eigentlichen Menschen, der Seele, sind, so sind sie doch auch Darstellungen des Makrokosmus; die Haut stellt das Firmament dar, das Alles bedeckt und ejnhüllt, das Fleisch das rein äußerliche, sinnliche Element, - die Knochen und Adern die Kräfte des Universums. Die Seele besteht nach den Kabb. aus einer Dreiheit, die jedoch in eine Einheit aufgeht; nämlich aus ^>22», die eigentliche Intelligenz, tm, der Sitz des Guten und Bösen, der moralischen Attribute, und iDsrt, die unmittelbare Verbindung mit dem Körper, das Leben. Außer diesen erkennt der Sohar noch ein viertes Geistiges am Menschen, die Idee des Körpers, jedoch versehen mit den speziellen Zügen jedes Individuums. Diese Form des Körpers kommt im Augenblicke der Empfängniß von- Gott herab, und nach ihrem Modell werden wir geschaffen. — Das Erdenleben erscheint den Kabb. durchaus nicht als ein Uebel, wie den christlichen Ascetikern, als ein Fall oder Sturz, son- ' dern als eine der Seele einwohnende Nothwendigkeit, eine Rolle im Universum zu spielen und durch Anschauung der Schöpfung ihrer selbst bewußt zu werden, als eine Annäherung und Versöhnung der höhern und nieder» Prinzipien, als eine Bildungsschule, was sie insonders durch das Gleichniß ausdrücken, ein König sendet seinen Sohn nach dem Lande, um da erzogen zu werden, bis er, zum Dienste in seinem Palaste groß und reif geworden, ihn mit Jubel zurückholen läßtt Man ersteht hieraus schon, daß, die Kabb"., eine Präexkstenz, ein vorirdisches Dasein der Seele annehmen; Gott hat bereits bei der Schöpfung der Welt alle Seelen geschaffen. Sie sagen sogar strikte: „Alles, was sie auf der Erde lernen, wußten sie schon, ehe sie dahin kamen" (■prr* w Nbr> N»b* "Ninn ■pöbiN‘1 rs» b2i N?absb.) Wenn sie daher auch Gott die Seelen, welche auf Erden von ihm abweichen würden, schon im Voraus kennen lassen, so nehmen sie doch die moralische Prädestination durchaus nicht an, sondern erhalten die Freiheit des Willens aufrecht, ja sie sagen, daß . die Seelen, die hier das Böse thun, schon im Himmel angefangen haben, von Gott abzuweichen, und'an den Eingang des Abgrundes sich begaben, so daß sie die Zeit ihres Hinabkommens auf Erden beschleunigten. Um nun der Seele die Gelegenheit, sich auszusöhnen zu geben, haben die Kabb. die Seele »'Wanderung angenommen. Die Seelen können in das absolute Sein nicht zurückkehren, bevor sie nicht alle Vollkommenheiten, zu denen sie befähigt sind, entwickelt haben. Haben sie dies in einem ersten Leben nicht erreicht, so beginnen sie ein anderes, und dann ein drittes, immer in eine andere Lage übergehend, wo es von ihnen abhängt, die Tugenden zu erlangen, die ihnen vorher gefehlt. Die Kabb. nehmen eine dreifache Stufe an: die Reflexion, die Furcht, die Liebe. Die Seele, die nun bis zur Liebe Gottes emporgestiegen, ist dermaßen mit Gott vereinigt, daß sie ihren individuellen Charakter verloren hat, ohne Interesse, ohne Handlung, ohne Rückkehr auf sich selbst, kann sie sich von der göttlichen Existenz nicht mehr trennen. Daher ist für den Frommen der Tod nur „ein Kuß Gottes."— Den Fall Adam's betrachten die Kabbalisten durchaus nicht als Erbsünde, sondern sie lassen Adam vorher ein ganz andrer, höherer sein, und nachher erst der Mensch werden, der'er sein sollte. — Zum Schluffe dieses Kapitels charakterisirt Fr. die Lehren der Kabbalisten summarisch auf folgende Weise, die wir wörtlich wiedergeben. „1) Indem die'Kabbala alle Fakta und Worte der Schrift für Symbole annimmt, lehrt sie dem Menschen Selbstvertrauen, setzt die Vernunft an die Stelle der Autorität, erzeugt die Philosophie im Schooße und unter der Wacht der Religion selbst.

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