Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1843)
- Date
- 1843-12-18
- Page
- Seite 754 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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754 gerechteste Anerkennung. Im Jahre 1807 wurde er zum Armenpfleger und Vorsteher der Stadt gewählt- Ln avelchem Amte er Segen und Glück verbreitete und namentlich durch Errichtung einer Spinnanstalt unberechenbare Wohlthaten begründete. Als ihm aber dieses Amt zu störend für seinen Beruf als Kaufmann ward, legte er es nach zehnjähriger eifervoller Verwaltung nieder, bekam aber ein noch ehrenvolleres, nämlich das eines Kapitäns der Bürgergarde. Beim Einfalle der Engländer in das Land erhielt er denselben Grad bei der marschfertigen zweiten Division. Da man ihn für den Talentvollsten und Tüchtigsten hielt, so nahm man in Dännemark schon damals keinen Anstand einen Juden (deren nur zwei im Orte wohnten) aus einer Bevölkerung von 4000 Einwohnern zu wählen und ihm 'einen wichtigen Posten anzuvertrauen. Durch sein öffentliches Wirken hat er die Achtung gegen uns und unsere Glaubensgenossen bedeutend erhöht, durch seine schöne hohe Gestalt, sein liebreiches fesselndes Benehmen, seinen gebildeten Geist - alle Herzen gewonnen. Diese Eigenschaften, ließen ihn manches Vorurtheil besiegen, welches hie und da noch zuweilen durchblicken wollte. So hatte er auch unter Andern bei der Regierung ausgewirkt, daß ein Jude ohne den empörenden Nachtzettel sich in Kiel und anderen Städten Holsteins aufhalten dürfe. In geselliger Beziehung hat er das Städtchen hier aus einer Wüste zum Paradiese geschaffen. Er musizirte, ‘ komponirte, errichtete ein Liebhabertheater, war der-beste Schachspieler, Gelegenheitsdichter, welches Talent ihn vorzüglich bei jeder feierlichen Gelegenheit auszeichuete und ihn manches öffentliche Vivat brachte. Wergeland fowol als Niels Herzberg erhielten große Dankfagungsbriefe von ihm und nichts erregte seine Sehnsucht mehr als der nächste Storthiug, weil mehrere angesehene Norrnänyer ihm ihr Votum in dieser. Angelegenheit zusagten. Was am Meisten unsere Neologen in Erstaunen setzen wird ist, daß dieser Mann in seinem Leben stets strenger Jude blieb. Wie gewöhnlich wußte auch bei dem jüngsten Gastmale das ihm zu Ehren auf dem Rathhause gegeben ward, seine jüdisch-religiös lebende Schwiegertochter, besondere Speisen für ihn wie für ihr Haus bereiten. Wenn er am Jom Kippur das Kol Ridre- und Mussaphgebet in seiner lieblichen Stimme vortrug, was er noch in feinem letzten Lebensjahre wie in voller Jugendkraft that, erinnerte feine würdevolle Gestalt, wie. fein seelenvoller Vortrag an die begeisterten, Priester der Vorzeit. Ein eifervoller Verteidiger seiner Religion gegen Andersgläubige, wußte er sich dennoch die größte Achtung selbst der Geistlichen anderer Konfessionen zu erwerben; so dass' seinem jüngsten Feste neun christliche Geistliche beiwohnten, und einer derselben, der würdige Pastor Steen,. die, Einweihungsrede hielt. ' Ein wehmüthiges .Gefühl - überfällt uns am Grabe eines solchen Mannes. Wir glauben mit seinen Ueberresten,. die Reste eines kräftigeren, innerlich ausgebildeteren Zeitalters zu Grab.e getragen zu haben. Es will uns bedünken, als ob der Materialismus und die Flachheit der Gegenwart, solchen ausgeprägten Charakteren, mit ihren Eigenthümlichkeiten auch ihre Kraft und ihren Geist raube, und zweifelnd fragen wir unsere Generation, ob sie auch lfähig sei, solche Gestalten in's Leben zu rufen und dem kommenden Geschlechts als Musterbilder zu überliefern. Literarische. Nachrichten. Magdeburg. 3. Dezember. [ Rellgwnsphllosophre. La Kabbale von Franck. Fortsetzung und Schluß.) Das vierte Kapitel entwickelt die Ansichten der Kabbalisten von dev Welt. Aus der Meinung der Kabbalisten über bas Wesen Gottes gehet schon hinlänglich die Art, wie sie die Schöpfung und den Ursprung der Welt fassen, hervor. Gott vereinigt in sich die Idee und die Existenz, so kann, auch nichts außerhalb seiner existiren, noch gefaßt werden. Alles, was wir kennen, ist eine partielle Entwickelung oder Anschauung des absoluten Seins. So ist denn eine ewige, von Gott unterschiedene Substanz nach ihnen eine Chimäre. Da die Elemente und Kräfte lnsgefammt sich in der Stimme, die vom Geiste ausgeht, vereinigen, so ist durch die Macht des göttlichen Wortes allein die Welt aus dem Nichts hervorgegangen, nur daß sie das Nichtnicht im gewöhnlichen Sinne fassen, sondern als den Zustand vor der Welt, in welchem Nichts begriffen werden konnte (s. oben), so daß sie den Satz „aus Nichts wird Nichts" doch auch festhalten. Daher kann auch nichts Bestehendes, nicht einmal die Stimme und das Wort des Menschen, zu Nichts werden. Indem aber Gott die Ursache und die Substanz zugleich ist, fo ist die Welt auch die vollkommenste, weiseste, beste. Daher nennen die Kabh. die Natur einen Segen. Selbst der Erzengel des Bösen wird einst seinen Namen und seine Natur eines Engels wieder finden, [öö‘ Gift, Tod)