Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1843)
- Date
- 1843-12-18
- Page
- Seite 748 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zum Spielen bekommen konnten. Za! Reisende, welche die Chaussee entlang in Rußland einpassiren, werden, wenn sie die Augen aufmachen, jüdische Lehm-, Grand- und Steinführer, und auch die armen zerlumpten für einen ^so geringen Tagelohn arbeitenden jüdischen Steinklopfer erblicken. Daß man in Handelsorten wie Memel, Königsberg, Danzig, Leipzig rc. russische Juden sieht, die ganz reelle, wohlgeordnete und bedeutende Geschäfte machen, und in Achtung stehen; wer weiß das nicht? — Und doch halten diese Leute den Aalmud heilig? Wen soll man nun für trostlos demoralisirt halten? Solche Juden oder solche Anschuldiger? Lausende von Juden, sagt der Weichsel-Korrespondent ferner, treiben den Schmuggelhandel, dqrum wäre der Ukas, der alle'Juden von der Grenze entfernen soll, der russischen Regierung von der Nothwendigkeit geboten. Zugegeben! Lausende von Juden treiben den Schmuggelhandel, müssen dieß denn Hunderttausende büßen? Und schmuggeln' denn die Juden als Juden, oder schmuggeln sie als Schmuggler? Wer den russischen Larif kennt, muß zugeben, daß das Schmuggeln eine Folge des Tarifs ist, welcher somit die Ursache des Schn-uggelns wird. Wären nun die christlichen Grenzanwohner in ihrer Anzahl so überwiegend, als jetzt die jüdischen, so würde man, da doch auch so viele Christen schmuggeln, sagen müssen: Die Christen schmuggeln. Wem fällt aber ein'solcher Ausdruck ein? An allen Grenzen, wo ein hoher Tarif ist, selbst wo keine Juden mit dem Fuße hinkommcn, (wie an der finnisch-russischen Grenze) wird geschmuggelt. Hört man je, daß Christen es thun? Wohnten bei dem jetzigen Tarif lauter Türken und Heiden an der russischen Grenze, so würden sie gewiß schmuggeln, aber nicht als Türken und Heiden, sondern als Schmuggler. Es besteht aber ein altes Unrecht. Wenn ein Jude betrügt, sagt man: Die Juden sind Betrüger, denn der Jude N. N. hat betrogen. Wenn ein Anderer betrügt, sagt man bloß, der N. N. hat betrogen. So sagt man auch an der russischen Grenze „Die Juden schmuggeln," und dieser Ausdruck ist so bequem, daß man der Andern dabei gar nicht zu gedenken braucht. Uebrigens weiß noch Niemand, ob die Austreibung der Juden beschlossen ist. Die Ausdrucksweise des Ukases selbst, in seinem ganzen Zusammenhänge, und in der eigenthümlichen russischen Form ist von der Art, daß mehre Gouverneure ihn nur als auf dre wenigen jüdischen Grenz-Dorfbewohner Bezug habend, auslegten. Da, wo die Gouverneure den Ukas auf alle Juden anwenden wollten, haben die Gemeinden Bittschriften eingereicht, ohne bis. jetzt noch darauf beschieden zu sein. Es ist daher sehr leicht möglich, daß hier alles gegen Windmühlen sicht, und die vor allem gerechte Persönlichkeit des russischen Kaisers bürgt dafür, daß Niemandem Unrecht zugefügt werden wird. I... Berlin, im Dezember. (A. A. Z.) Die israelit. Gemeinden, welche Bittschriften für die polnischen Juden beim Kaiser von Rußland eingereicht haben, erhielten den Bescheid, daß dieselben mißfällig ausgenommen worden. (Anm. d. R. d. A. Z. d. Jud. Wir haben diesen Schritt aus verschiedenen Schritten nicht gebilligt. Eine Gesammtbittschrifb hätte allenfalls Eindruck gemacht. Nun kam hinzu,, daß die Bittschrift der, den Schritt veranlassenden Königsberger Gemeinde so unter aller:Würde, ohne alle Motivirung, in so schlechtem.Deutsch abgefaßt war, daß eine mißfällige Antwort nicht aus'bleiben konnte.) Jurburg (am Riemen), 12. November. Der kaiserl. Ukas,-wonach sämmtliche Israeliten, die innerhalb fünfzig'Werst an der westlichen russischen Grenze wohnen, sich in das Innere Rußlands zu übersiedeln haben, beginnt nun endlich in Ausübung zu kommen. In 33 Städten und Flecken der lithauischen westlichen Grenze kam gegen Ende deS vorigen Monats an die Israeliten von der Regierung die Weisung, daß jeder israelitische Familienvater bei der Ortsbehörde einschreiben soll, wohin er mit den Seinigen auszuwandern gedenke, da die Regierung über die zahlreichen Auswanderer eine Kontrole haben will. Die Platze, wohin die Auswanderung gestattet ist, sind von der hohem Behörde auch bestimmt vorgezeichnet; es sind nämlich die sieben Gouvernements Westrußlands: Wilna, Grodno, Witebsk, Mohilew, Minsk, Wolhynien und Podolken, wo ohnehin die jüdische Übervölkerung so groß ist, daß die Auswanderer in der That einer traurigen Zukunft^ entgegengehen. Die Gouvernements' Petersburg, Finnland, Esthland, Liefland, Kurland, Mos- . kau, Smolensk, Pleskow, Twer, Nowgorod, Dlo-